Kommodore Leopold Ziegenbein
Einer der profiliertesten Schiffsführer des ehemaligen Norddeutschen Lloyd in
Bremen war der Kommodore Leopold Ziegenbein, der das Glück hatte, mit dem
berühmten Schnelldampfer Bremen Schlagzeilen zu machen. Wie bei vielen
Seefahrern vor und nach ihm, war seine Liebe zur See im Binnenland gewachsen. Er
wurde am 16. November 1874 in der alten Herzogenstadt Celle, mitten in der
Lüneburger Heide, geboren. Nach abgeschlossener Gymnasialausbildung begann er
seine Fahrenszeit als Schiffsjunge auf der Bremer Bark Fürst Bismarck. Eine
harte praktische Ausbildung folgte. Sie wurde fortgesetzt auf den Seglern Philadelphia,
Otto und Nomia. In dieser Zeit hatte der Dampfer
zwar schon seinen Siegeszug angetreten, wer aber etwas auf sich hielt, der
"lernte" zumindest noch auf Segelschiffen.
In die Dienste des Norddeutschen
Lloyd trat Leopold Ziegenbein am 26. April 1900 als IV. Offizier auf dem
Dampfer Willehad (4997 BRT). Weitere Schiffe folgten. Mehrere
Jahre tat Ziegenbein Dienst als I. Offizier und Kapitän auf den kleinen
Verteiler- und Zubringerdampfern in der Ostasiatischen Küstenfahrt des
Norddeutschen Lloyd, auf Schiffen mit abenteuerlichen Namen wie Pitsanulok,
Kong Beng, Petschahuri, Chiengmai und
anderen. Es muß eine schöne Zeit gewesen sein, ein Dienst aber auch, der hohe
Anforderungen an das seemännische Können gestellt hat. Anschließend sammelte
Ziegenbein Erfahrungen als II. und I. Offizier auf den berühmten
Nordatlantik-Schnelldampfern des NDL und auf großen Frachtern wie Schwaben
und Westfalen. Am 17.9.1914 erhielt er dann das Kommando
über den 7533 BRT großen Dampfer Brandenburg und behielt es bis
zu dessen Ablieferung 1919 nach England.
Nach dem I. Weltkrieg teilte Ziegenbein das bittere Los vieler Seeleute dieser
Jahre. Es waren keine Schiffe mehr da, und auch er mußte vorübergehend aus den
Diensten des Lloyd ausscheiden. Schon 1922 wurde er aber wieder in die
Bauaufsicht des Dampfers Columbus berufen. Auf diesem damals
größten und schnellsten Schiff der deutschen Handelsflotte fuhr er dann
mehrere Jahre als Leitender I. Offizier und führte anschließend nacheinander
die Frachter Wido und Aachen sowie das
Passagierschiff Berlin. Seine große Stunde aber kam, als der Norddeutsche Lloyd
sich in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre entschloß, zwei Schnelldampfer,
die spätere Bremen
und Europa, bauen zu lassen, um wieder den Anschluß an die
internationale Spitzengruppe in der Nordatlantik-Passagierfahrt zu erlangen.
Ziegenbein wurde als Kapitän für die Bremen ausgewählt und
stieß 1928 zur Bauaufsicht. Unter seiner Führung machte dieser wundervolle
schnelle Riese 1929 die Jungfernfahrt, auf der er das "Blaue Band"
wieder für seine Reederei nach Deutschland holte. Der Jubel war grenzenlos, und
mit der Bremen wurde fast immer auch der Ziegenbein genannt. Er wurde zum
bekanntesten Kapitän seiner Zeit in Deutschland. In Anerkennung seiner
hervorragenden Leistungen ernannte der Norddeutsche Lloyd Ziegenbein am 28.12.32
zum Kommodore seiner Flotte und verlieh ihm am 14.12.1933 einen besonderen
Stander.
1936 trat Kommodore Ziegenbein nach 47jähriger Seefahrtszeit aus
gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand, den er jedoch noch lange Jahre
genießen konnte. Ziegenbein starb am 21. Juli 1950 in Nordholz.
(Quelle: Privatarchiv Wilhelm Bohling, Langen)