Unvergessener Schiffsführer
Morgen jährt sich Kommodore Leopold Ziegenbeins Tod zum 50. Mal



"Er war die Brücke zwischen Deutschland und Amerika. Sein Name wird in die Weltgeschichte eingehen und unauslöschbar sein." So würdigte der Bremerhavener Magistrat Kommodore Leopold Ziegenbein (1874-1950), Schiffsführer der legendären "Bremen". Morgen jährt sich sein Tod zum 50. Mal.

An Bord der "Bremen" galt er als parkettsicherer Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, beim Norddeutschen Lloyd (NDL) als einer der profiliertesten Schiffsführer: Kommodore Ziegenbein erwies sich schon zu Lebzeiten als Legende. 1929 sorgte er weltweit für Schlagzeilen, als er auf der Jungfernfahrt des Lloyd-Flaggschiffs von Bremerhaven nach New York das Blaue Band für die schnellste Atlantik-Überquerung errang.
Die "Bremen" wurde dadurch zur Legende- eine Passage auf dem Luxusliner galt als Statussymbol. Kein Zufall, dass Ziegenbein am Dinner-Table Prominenz von Roosevelt bis Rockefeller von Max Schmeling bis Marlene Dietrich um sich scharte. "Praktisch alle großen Persönlichkeiten der damaligen Zeit" erinnert sich Wilhelm Bohling, der mit 18 als Steward auf der "Bremen" anheuerte.
"Am 3. Mai 1935 um 11.40 Uhr ging ich an Bord- 40 Minuten zu spät", erinnert sich Bohling noch heute. "Sofort kam ein Page und führte mich auf die Brücke. Streng fragte mich Kommodore Ziegenbein, warum ich so spät sei." Bohling antwortete, erst vor Stunden von der Heuermöglichkeit erfahren, rasch seinen Rucksack gepackt zu haben und dann zu Fuß zur Columbuskaje geeilt zu sein. "Da nickte mir der Kommodore väterlich zu und sagte: "Gut, mein Sohn, dann gehen Sie und machen Sie Ihren Dienst."
Diese erste und alle weiteren Begegnungen mit Ziegenbein beeindruckten Bohling so stark, dass er sich dem Kommodore noch 50 Jahre nach dem Tod eng verbunden fühlt- auf sehr aktive Weise:


Grabstätte von Kommodore Ziegenbein, Foto: Peter Müller 8/2002

"Erfolgreich kämpfte Bohling für den Erhalt der Grabstelle auf dem Langener Friedhof, suchte mit 180 persönlichen Briefen Sponsoren zur würdigen Gestaltung der Ehrenruhestätte, besucht sie täglich und versorgt sie jede Woche neu mit frischen roten Rosen, Ziegenbeins Lieblingsblumen.


Umbenennung am Weserdeich in Kommodore-Ziegenbein-Promenade

1992 sorgte Bohling dafür, dass der Weserdeich zwischen Simon-Loschen-
Turm und Kaiserschleuse den Namen Kommodore-Ziegenbein-Promenade erhielt und im gleichen Jahr eine Ausstellung im Columbusbahnhof entstand. Gezeigt werden Exponate über den NDL, vor allem die "Bremen" und deren prominenten Kapitän- "ein Stück Zeitgeschichte", sagt Wilhelm Bohling.

Nordsee-Zeitung vom 20. Juni 2000