Karlsburg 1849-1997 (Chronik)
(heute Hochschule Bremerhaven)

1849 Die Geschichte des Auswandererhauses bis 1865: Johann Georg Claußen kauft vom Senat unter der Hand gegen Bezahlung eines Weinkaufs, d.h. einer frei ausgehandelten Summe von 5000 Reichsthalern und eines jährlichen Grundzinses von 75 Thalern ein Grundstück auf dem Gelände der alten Karlsburg.
1850-1854 Die goldenen Jahres des Auswandererhauses. 1852 logieren hier 37 429 Menschen, 64% aller Auswanderer über Bremerhaven.
1853 Die Cholera bricht aus. Im Auswandererhaus und in Geestemünder Privatquartieren sterben 39 Auswanderer.
1853-54 Modernisierung des Hauses. Anschluß an Wasserleitung . Fenster zum Lüften. Erweiterung der Kochanstalt, so daß die Küche auf einmal 6000 Portionen zu liefern vermag. Doch mit der Aufhebung des Kochverbotes auf den Schiffen im Neuen Hafen geht die Nachfrage zurück.
1854 Durch besser organisierte Passagetermine vermindert sich rapide die Zahl der im Auswandererhaus auf die Schiffsabfahrt wartenden Menschen.
1862 Mit dem Anschluß Geestemündes und Bremerhavens an das Eisenbahnnetz verschärft sich die Situation für Claußen: Die Auswanderer werden von Bremen aus kurz vor der Abfahrt zum Schiff transportiert. Nur noch 4625 Auswanderer suchen in diesem Jahr Aufnahme in seinem Haus. Claußen schließt den Betrieb im Dezember und leitet
den öffentlichen Verkauf ein. Der Senat zieht jedoch seine Zustimmung zum Verkauf zurück, hofft auf bessere Verhältnisse am Ende des amerikanischen Bürgerkrieges.
1863 Das Auswandererhaus wird von einer Aktiengesellschaft übernommen, dessen Geschäftsführer Claußen wird.
1864 Das Jahr 1864 bringt eine Steigerung der Auswanderung ohne gesteigerten Verkehr im Auswandererhaus.
1865 Das Auswandererhaus wird nach einem katastrophalen Geschäftsjahr endgültig geschlossen.
1865-1870 Versuche, das leerstehende Auswandererhaus für andere Zwecke zu verwenden:
Das Auswandererhaus wird Ende des Jahres geschlossen. Die Stadt Bremerhaven will das Gebäude kaufen. Das Preisangebot wird in Bremen nicht akzeptiert.
1865 Leerstand.
1870 Lager für französische Kriegsgefangene. Nach 14 Tagen aufgrund von Bürgerprotesten aufgelöst.
1873 Das Auswandererhaus wird preußische Kaserne gegen den Widerstand des Gemeinderats.
1885 im August Auszug des Schleswig-Holsteinschen Festungsartillerie-Bataillons Nr. 9.
1887 Wiederum wird von zuständigen Personen erwogen, ob das Auswandererhaus für städtische Zwecke verwendbar sei. Wieder ist der gebotene Preis unakzeptabel. Der Bremer Kaufmann erwirbt das Haus am 18.4. für 100 000  Mark.
Schon im Mai tritt die Stadt in Verhandlung mit Lahusen ein, um das Haus für städtische Zwecke zu nutzen. Lahusen fordert jetzt 120 000 Mark. Damit scheitert auch dieser Versuch, das Haus für die Stadt zu erwerben.
1891 15. März: Das Haus wird von Christian Lebrecht Lahusen an ein Bremerhavener Konsortium, bestehend aus dem Braumeister Oswald Kroker und den Maurermeister Albert Sprickhoff und Heinrich Friedrich Georg Sprickhoff, verkauft.
1891 Umwandlung des Hauses in eine Brauerei: 10. Juli Oswald Kroker als Bauherr einerseits und Albert Sprickerhoff sowie Heinrich, Friedrich, Georg Sprickerhoff andererseits schließen einen Vertrag um den Umbau des Hauses in eine Brauerei für 235 000 Mark.
10. Juli: Kroker und die Sprickerhoffs gründen die "Actiengesellschaft Karlsburg", an die alle Pflichten und Rechte aus den beiden vorgehenden Verträgen übergehen, inbesondere die Zahlung der Bausumme ad Mark zweihundertfünfunddreißigtausend.
1892 16. Juni: erster Bierausstroß.
1893 30. September: erste Bilanz in der "Provinzial-Zeitung": Der  Ausstoß an Bier hat mit 25600 Hectolitern Bier in 1893/94 ein Mehr von 4049 Hectolitern erbracht.
1899-1900 Mit dem Fortfall der Lieferungen an die Handelsmarine und besonders an den  Norddeutschen Lloyd kommt die Brauerei in eine bedrohliche Lage.
1922 Januar: die Karlburg-Brauerei wird von Haake-Beck in Bremen übernommen, neu organisiert und modernisiert.
1929 Ausweitung der Produktionspalette. Niederlassungen in Minden, Cuxhaven, Dorum und Bederkesa.
1941 50jähriges Jubiläum, das wegen der wirtschaftlichen Situation nicht gefeiert wird.
1944 18. September: Durch einen Bombenangriff wird die Brauerei zu 30% zerstört. Der Südflügel ist niederge-
brannt, die Dächer sind beschädigt.
1945 Mai: Die Brauerei wird von den Amerikanern beschlag-
nahmt. Gebraut wird nur für Soldaten. Sonst Brauverbot bis 1948. Bierersatzgetränke, z.B. Molke-Bier.
1957 Umwandlung in eine GmbH. Verdoppelung der Bier-
produktion in den 50er und 60er Jahren.
7. November: Richtfest. Der Südflügel ist in Betonbauweise wiederhergestellt worden, die Fassade des Auswandererhauses wird künstlich verkleidet.
1972 Rückgang des Bierabsatzes, insbesondere durch den zunehmenden Vertrieb in Supermärkten. Die kleinen Brauereien können mit den Großbrauereien nicht mehr konkurrieren.
1974 30. Juni: Am 31.3.1974 wurde das letzte Bier gebraut. am 30.6.1974 wurde die gesamte Produktion stillgelegt.
1979 Der Bremer Senat erwirbt das Grundstück und das Gebäude und ist nach 130 Jahren wieder im Besitz des Geländes.
1879 Die Hochschule Bremerhaven an der Alten Karlsburg:
die Navigationsschule wird in Geestemünde als Königlich Preußische Navigationsschule Geestemünde in der  Bussestraße an der Geestemündung gegründet. Sie ist die Urzelle der Bremerhavener Hochschultradition.
1975 1. September: die Hochschule Bremerhaven wird aus den  Fachbereichen Nautik und Schiffsbetriebstechnik gegründet. Zu Beginn des Wintersemesters 1975/76 sind 523 Studierende eingeschrieben. Neue Studien-
gänge sind geplant.
1979 Der Bremer Senat erwirbt das Gebäude und das Gelände an der Karlsburg für 7,5 Millionen DM.
1980 Gottfried Böhm gewinnt den "Realisierungs-
wettbewerb" der Architekten für die Errichtung der Hochschule auf dem Gelände der verlassenen Karls-
burg-Brauerei knapp vor Oswald Matthias Ungers, der seinen Entwurf für das Polarforschungsinstitut einbringen darf.
1983 19. September: Grundsteinlegung auf dem Gelände des alten Auswandererhauses. Die ursprüngliche Planung wird abgewandelt: Das alte Turmgebäude und ein querstehender Hallenbau, welche die Fremdnutzung und den Krieg leidlich überstanden haben, sollen für die künftige Bibliothek und die Mensa erhalten bleiben ebenso wie die südlich anschließende Produktionsräume der Carlsburg-Brauerei als Laborräume. Beginn der Sanierungsarbeiten. Zum ersten Bauabschnitt gehören noch als Neubauten ein weiteres Laborhaus und ein Turmgebäude, in dem Hörsäle untergebracht sind.
1985 Der erste Bauabschnitt auf dem Karlsburggelände wird mit Beginn des Semestersemesters 1985/86 bezogen und am 16. Oktober seiner Bestimmung übergeben. Die Hochschule zieht mit ihren neuen Studiengängen auf das Gelände des alten Auswandererhauses von Johann Georg Claußen um. Zum ersten Male entfallen die Zulassungsbeschränkungen. Der Hochschule gehören jetzt 56 Professoren, 24 Angestellte und 991 Studierende an.
1986 Mit der  Durchführung des zweiten Bauabschnittes der Hochschule wird begonnen. Für ca. 10 Millionen DM sollen ein Labortrakt und ein Gebäude entstehen, das Hörsäle und Verwaltungsräume aufnimmt. Die beiden neuen Häuser sollen die schon fertiggestellten Gebäude im Norden und Süden einrahmen.

Literaturquelle:
Dieter Strohmeyer: Karlsburg 12- 14, Auswandererhaus, Kaserne, Brauerei, Hochschule. Ein Haus erzählt Geschichte und Geschichten, NWD-Verlag Bremerhaven 2000