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Seemann im zweiten Anlauf
Kapitän Dietrich Ballehr (1873-1959)- leiht
Wohnstraße im neuen Kapitänsviertel seinen Namen
Das Baugebiet auf dem Gelände der ehemaligen Rickmers-Werft wird zum
Kapitänsviertel. Durch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom Ende
Juni steht die Benennung von fünf künftigen Wohnstraßen fest. Sie sollen an
Kapitäne von Schiffen erinnern, die einst bei Rickmers gebaut wurden oder für
den Norddeutschen Lloyd fuhren.
Als Paten für die neuen Straßen geben die Kapitäne Dietrich Ballehr,
Ferdinand Gluud und Emil Zander sowie die Kommodore Nicolaus Johnsen und Adolf
Ahrens ihre Namen.
Für das Benennungsverfahren wurde Dr. Hartmut Bickelmann als Gutachter
herangezogen. Der Leiter des Stadtarchivs erläutert die Auswahl: "Zum
einen wurde auf den Bezug zur Rickmers-Werft geachtet." Dieser sei
bei vier der Paten gegeben. Zum anderen sollte die Person so bekannt sein,
"dass sie keine Verlegenheitslösung darstellt". Vielmehr müsse man
guten Gewissens sagen können, dass es sich um eine Persönlichkeit handelt, die
in der Bevölkerung eine Bedeutung hat.
So wie Dietrich Ballehr, dessen erste Seefahrt auch fast seine letzte geworden
wäre: So entbehrungsreich war der Alltag an Bord, dass Dietrich Ballehr seinen
Wunsch, zur See zu fahren, wieder hatte begraben wollen. Trotzdem entwickelte er
sich zu einem Kapitän durch und durch, der verschiedene Schul- und
Passagierschiffe führte.
Johann Dietrich Ballehr, 1873 in Vegesack geboren und in der Stadt Bremen
aufgewachsen, folgte dem beruflichen Vorbild seines Vaters, eines Kapitäns
und Schiffseigners: Nach dem Abschluss der Realschule ging er an
Bord der Bark "Brema": Für den behüteten Jungen muss das erste Jahr
auf See zu hart gewesen sein, er wollte danach wieder zur Schule gehen.
Aufstrebende Reederei
Auf Zureden seiner Eltern und Großeltern jedoch trat Ballehr die zweite
Reise an und blieb der Seefahrt treu. In Geestemünde besuchte er die
Navigationsschule, diente bei der kaiserlichen Marine in Kiel und wurde nach
mehreren Übungen Reserveoffizier. Aufgaben bei der aufstrebenden Reederei
Norddeutscher Lloyd (NDL) in Bremen folgten.
Durch den Großherzog von Oldenburg gelangte Dietrich Ballehr in die
Schulschifflaufbahn: Er wurde Erster Offizier auf der "Großherzogin
Elisabeth", 1911 Kapitän der "Herzogin Sophie Charlotte".
Von 1913 bis 1921 führte er das Segelschulschiff "Herzogin Cecilie",
das 1902 auf der Rickmers-Werft gebaut worden war. Als 1914 der Krieg ausbrach,
ging die "Herzogin Cecilie" an der chilenischen Küste vor
Anker, lag sieben Jahre dort fest und wurde schließlich 1921 an Frankreich
ausgeliefert. Ballehr kehrte zurück nach Deutschland- und ins zivile
Leben.
Nur allmählich konnte er die harte Schule, die er erfahren hatte, ablegen:
Seine Töchter Eva und Elisabeth, damals elf und zwölf Jahre alt, mussten auf
sein Kommando Hand in Hand im Gleichschritt und mit zehn Meter Abstand zu den
Eltern spazieren gehen.
Ab 1924 führte Dietrich Ballehr Passagierschiffe des NDL nach Übersee- mit
wenigen Fahrgästen in der ersten Klasse, das Zwischendeck und die dritte Klasse
jedoch angefüllt mit spanischen und portugiesischen Auswanderern. Als die
Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, fuhr Dietrich Ballehr noch
einige Male über den Atlantik, ehe er sich zur Ruhe setzte und sein Haus in der
Bremerhavener Bachastraße bezog.
Von 1945 an widmete er sich dem Auf- und Ausbau Deutschen Gesellschaft zur
Rettung Schiffbrüchiger im Bereich Unterweser. Er war Mitglied im
Prüfungsausschuss der Seefahrtschule und wurde in der Verhandlung zum Untergang
des Schulschiffs "Pamir" als Sachverständiger gehört. Die Kap
Horniers ernannten ihn zu ihrem Ehrenpräsidenten. Dietrich Ballehr starb 1959
im Alter von 87 Jahren.
Nordsee-Zeitung vom 11. Juli 2001