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Engpässe vor den Toren des Hafens
Gravert: Altersschwache Kaiserschleuse bereitet
Probleme- Reedereien fordern Sanierung- Häfensenator: Kein Geld
An der Stromkaje wird investiert, hinterm Deich passiert nichts. So sehen es die
Reedereivertreter und Agenten, die es leid sind, ihre Autotransporter durchs
Nadelöhr Nordschleuse zu quälen. Sie fordern die Anpassung der Kaiserschleuse
an große Schiffe. Der Häfensenator wehrt ab: kein Geld.
Zu Beginn der Legislaturperiode hörte sich das noch anders an. In der
Koalitionsvereinbarung hatte sich die neue Regierung dem Ziel verschrieben, die
Kaiserschleuse schrittweise zu sanieren. Nachdem nun anderthalb Jahre tatenlos
verstrichen sind, wäre es jetzt an der Zeit zu beweisen, dass man es ernst
meint. Aber in den Beratungen zum Doppelhaushalt 2002/2003 ist das Wort
Kaiserschleuse nicht zu hören.
Die Reedereivertreter, die Europas Autodrehscheibe Nummer eins versorgen,
fühlen sich stiefmütterlich behandelt. Ernst-Artur Brexendorf ist
Niederlassungsleiter der Makler-Gesellschaft Peter W. Lampke, die die Reederei
Hual vertritt. Er wirft der Politik vor, jahrelang die Probleme ausge-
sessen zu haben. Fast 700 große Carrier liefen jährlich den Hafen an, alle
müßten durch die Nordschleuse. Da komme es immer zu Engpässen.
Den Reedereivertretern missfällt die Abhängigkeit: Kommt es zum Unfall in der
Nordschleuse oder zu Reparaturen, stehen ihre Schiffe Schlange. Volkert
Hellfrisch, Niederlassungsleiter von Mitsui O.S.K. Lines spricht vom zunehmenden
Termin-Druck in der Branche. Mit den engen Zeitplänen arbeite man am Limit.
Hellfrischs Meinung nach schadet die derzeitige Situation dem Ansehen des
Autohafens. Die Importeure verlangten Zuverlässigkeit. Aber nur eine Schleuse
für Großschiffe sei kein Indiz für Verlässlichkeit.
Sein Kollege Axel Rohrssen von Wallenius-Wilhelmsen hält die Zeit für reif,
die über 100 Jahre Schleuse für kommende Aufgaben zu sanieren. Er glaubt an
den Ausbau des Autoumschlags Bremerhaven. Dazu müssen aber seiner Meinung nach
die Kajen problemlos über zwei Schleusen erreichbar sein. Seine Kollegen sehen
das auch so. Bis auf Egon Harms, der nicht an Wachstum glaubt und deshalb alles
beim Alten belassen will.
Keine Planungmittel
Heinrich Gravert, Chef des Hansestadt Bremischen Hafenamtes, weiß um die
Engpässe vor der Nordschleuse. Die altersschwache Kaisersschleuse bereitet ihm
ebenfalls viele Probleme. Aus der Politik gab es bislang allenfalls den Auftrag,
den Sanierungsumfang zu begutachten. Aber Planungsmittel stehen nicht bereit.
Um die Kaiserschleuse für große Schiffe nutzbar zu machen, reichen größere
Schleusentore. Aber auch die kosten viel Geld: 50 Millionen Mark pro Stück.
Eine komplette Sanierung mit Vergrößerung der Kammer veranschlagt Gravert auf
350 Millionen Mark.
Hafensenator Josef Hattig (CDU) sieht keine Möglichkeit, das Geld aufzutreiben.
Schwerpunkt der Hafeninvestition sei der Ausbau des Containerterminals.
Mittelfristig schließt das Ressort den Ausbau der Schleuse nicht aus- dann aber
auch mit privatem Geld. Der CDU- Landtags-
abgeordnete Michael Teiser sieht keinen Handlungsdruck. Sollte die Hafen-
wirtschaft aber der Meinung sein, dass die Situation nicht tragbar sei, werde
die Politik reagieren. Deutlicher verlangt das sein SPD-Kollege Wilfried
Töpfer: Im Haushalt müssten jetzt für 2002 Planungsmittel und für 2003 erste
Sanierungsmittel eingestellt werden.
Nordsee-Zeitung vom 20. Februar 2001