Am 20. September 1997 wurde die Kaiserschleuse hundert
Jahre alt.
Wenn man in alten Zeitungen blättert, könnte
man über den korrekten Geburtstermin durchaus ins Grübeln geraten.
Denn bereits am 23. August 1897 erreichte der neue Doppelschraubendampfer
"Bremen" des Norddeutschen Lloyd, auf der Reichspostdampferlinie von New
York kommend, die Wesermündung und lief als erstes transatlantisches
Schiff probeweise in die neue Kammerschleuse ein.
" Enak" in der Kaiserschleuse 11/1996 Foto: Peter Müller
"In der Geschichte Bremerhavens ist dies ein Ereignis ganz besonderer Art", vermeldete am kommenden Tag die Zeitung und fügte hinzu:"Wir bedauern, daß dasselbe so ohne Sang und Klang an uns vorüberzieht, indem die offizielle Eröffnung dieses in den letzten fünf Jahren mit einem Kostenaufwande von 18,5 Millionen Mark erbauten Riesenwerks erst am 20. September stattfinden und damit eine entsprechende Feier verbunden werden soll."
Mehrfach hatte sich die Fertigstellung der Arbeiten an
des Kaiserhafens und am Bau der größeren Schleuse verzögert.
Strenge Winter hatten ebenso für Probleme gesorgt wie Sturmfluten,
und so ließ sich "bis in die letzte Zeit hinein nicht mit Sicherheit
vorausbestimmen, an welchem Tage die Eröffnung stattfinden könne."
Der Bremer Senator Barkhausen als Vorsitzender der Deputation für
Häfen und Eisenbahnen betonte dies in seiner Rede am offiziellen
Besichtungstag am 20. September 1897. Aber eine andere Möglichkeit
gab es seiner Meinung nach nicht, denn "die Interessen der Schiffahrt und
die Rücksichten auf die finanzielle Lage des Staates" verlangten,
daß ohne Rücksicht auf offizielle Feiern "das große Werk
in Betrieb gesetzt werde so bald wie möglich".
Die Erweiterung des Hafens in Bremerhaven war notwendig
geworden, nachdem sich der erste Abschnitt des Kaiserhafens schon rund
zehn Jahre nach seiner Fertigstellung als zu klein erwiesen hatte. Das
galt für die Länge der Kajenanlage ebenso wie für die Einfahrt
zum ersten Abschnitt des Kaiserhafens, der 1876 fertig geworden war. So
war es nur bei den besonders hoch auflaufenden Springtiden möglich,
daß die größten Schiffe des Norddeutschen Lloyd vollbeladen
in den Hafen einlaufen konnten.
Die neue Kaiserschleuse war mit einer Einfahrtsbreite
von 28 Metern und einer Länge von bis zu 215 Metern nach damaligen
Angaben "die größte der Welt". Zum offenen Wasser hin waren
zwei Klapptore eingebaut, die von der Tecklenborg
Werft geliefert wurden.
Ein für Deutschland neuartiger Schiebeponton verschloß
die Schleusenkammer auf der Binnenseite. Das dahinter liegende Hafenbecken
bot Platz für fünf der größten Passagierdampfer
und außerdem noch weitere kleine Schiffe.
Als "Merkstein bremischer Geschichte" bewertete die Nordwestdeutsche
Zeitung am 20. September 1897 das Ereignis in einer achtseitigen
"Gratis-Beilage"- verbunden mit einer Bemerkung, die durchaus zeitgemäß
zu sein scheint. Bremen möge nur, hieß es dort, auch künftig
mit "kühnen Unternehmungen auf dem Gebiete des Wasserbaues dem
bremischen Handel und der bremischen Schiffahrt fortgesetzt zu neuer
Blüte" verhelfen. Dann komme man "über die finanziellen Sorgen
mit Leichtigkeit hinweg".
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Literaturquelle: "Weserkurier" vom 19.09.1997