






Technikfossil vor dem Schrott gerettet
Dampfmaschine und Dockpumpe der Lloyd Werft
bleiben erhalten- Neuer Standort gesucht
100 Jahre stampften und fauchten die beiden Dampfmaschinen in der Dockzentrale 1
der Lloydwerft. Dann drohte ihnen das Aus: zu alt, zu langsam, zu
unwirtschaftlich. Eine der beiden Maschinen ist bereits
auf dem Schrotthaufen gelandet- die zweite konnte jetzt in letzter Minute
gerettet werden.
"Es sah lange Zeit ausweglos aus", seufzt Landesdenkmalpfleger Dr.
Peter Hahn. Die Lloyd Werft modernisiert ihre Energieversorgung- und für
Technikfossile aus dem Dampfzeitalter war da kein Platz mehr. Das mußten auch
die Denkmalpfleger zähneknirschend einräumen: "Solange eine Werft nicht
als Technikmuseum betrieben wird, muss sie natürlich modernisieren",
sagt Hahn.
Doch den Historikern kamen die Tränen angesichts des drohenden Verlustes:"
Diese Maschinen sind in Deutschland einmalig", schwärmt Hahn. 1899 hatte
die Düsseldorfer Firma Haniel & Lueg die beiden Dreifach-
Expansionsdampfmaschinen mitsamt der angehängten Pumpen nach Bremerhaven
geliefert. Sie sollten die Schiffe im neuen Kaiserdock I des Norddeutschen Lloyd
trockenlegen. 4861-mal gaben die Dampfpumpen ihr Bestes- bis zum 7. Dezember
1999. Die Dockung des Kreuzliners "Vistafjord" (heute "Caronia")
war der letzte gemeinsame Auftritt der beiden Veteranen. Dann begann die
Umrüstung der Dockzentrale auf E-Motoren.
Während eine Recyclingfirma Schwungräder, Kolben und Zylinder des ersten
Dampfungetüms auseinanderriss, suchten die Denkmalpfleger fieberhaft nach Geld,
um wenigstens die zweite Maschine vor dem Schrotthaufen zu retten. Sie fanden 60
000 Mark in den Töpfen der Stiftung wohnliche Stadt, die die Abgaben der
Spielbank verwaltet.
Das Geld reichte, um die Dampfmaschine abzubauen statt abzureißen. Gestern und
vorgestern wurden die Teile per Autokran durch das Dach aus der Dockzentrale
gehievt. Sie sollen jetzt auf dem Werftgelände zwischengelagert werden, bis ein
neuer Standort für sie gefunden ist. "Die Maschine bleibt auf jeden Fall
in Bremerhaven", verspricht Hahn. Möglicher Ausstellungsort: das alte
Wencke-Dock an der Geeste.
Nordsee-Zeitung vom 5. Juli 2000