Jürgen Rudloff will etwas kürzer treten
16 Jahre Vorsitz im Förderverein Deutsches Auswandermuseum

Beim Förderverein Deutsches Auswanderermuseum geht heute eine Epoche zu Ende. Jürgen Rudloff (62), Vorsitzender seit der Gründung 1985, wird  auf der Mitgliederversammlung nicht wieder kandidieren. Rudloff kann auf eine Erfolgsstory zurückblicken.

Im Büro in der Inselstraße 6 neben der Kaiserschleuse stehen zwei prall gefüllte Aktenordner mit Zeitungsartikeln aus aller Welt. Sie spiegeln die Reaktionen auf vielfältige  Aktionen und Publikationen. Dazu zählt heute eine Sammlung von 460 Grafiken zum Thema Auswanderung. 200 historische Briefe von Auswanderern oder ihren Nachkommen hat der Verein zusammengetragen. Die Fachbibliothek enthält 1830 Bände und ist für jeden zugänglich- allerdings werden die Bücher nicht ausgeliehen. Das Büro in der Inselstraße ist außerdem Auskunftsstelle für Ahnenforscher aus der ganzen Welt.
Rudloff und der Förderverein können für sich in Anspruch nehmen, das Thema Auswanderung in Bremerhaven und auch in Deutschland insgesamt ins Gespräch gebracht zu haben.
Die erfolgreiche Entwicklung des Vereins war aber noch nicht abzusehen, als sich am 20. März 1985 genau 28 Bremerhavener zu einer Interessenversamm-
lung im Deutschen Schiffahrtsmuseum  (DSM) trafen. Aus der Gründungs-
versammlung zwölf Tage gingen Rudloff und Dr. Siegfried Stölting vom DSM als Vorsitzende hervor. Der Lehrer Rudloff, seit 1991 Leiter der gymnasialen Oberstufe im Schulzentrum Carl von Ossietzky, blieb bis heute an der Spitze. "Gerade in den ersten Jahren hatten wir eine enorme Dynamik", berichtet er.
Aus den weltweiten Kontakten entwickelten sich internationale Kongresse in Bremerhaven. So wurde hier auf Rudloffs Vorschlag 1991 die Association of European Migration (AEMI) gegründet. Diese Verbindung führt die Einrichtungen zusammen, die europaweit zum Thema Migration forschen. Neun Jahre später traf sich AEMI erneut in der Stadt.
Als weiterer Höhepunkt gilt die Tagung der Society for German-American Studies (SGAS) im vergangenen Jahr mit über 100 Teilnehmern, viele aus Übersee.
Unter der Federführung des Fördervereins entstanden zahlreiche Buchveröffent-
lichungen. Er setzte sich frühzeitig dafür ein, historische Gebäude zu erhalten- zum Beispiel die Rogge-Hallen. 198 Mitglieder auf der ganzen Welt werben für ihre Ziele.

"Gegenstück zu Ellis Island"
"Der Verein erfüllt fast alle Aufgaben eines Museums", sagt Rudloff. Mit der geplanten "Erlebniswelt Auswanderung" könnte sich auch die noch fehlende feste Adresse ergeben. Der Verein unterstützt die von einem Initiativkreis Bremerhavener Unternehmer entwickelte Konzeption: "Wir möchten ein Gegenstück zum US-Einwanderungsmuseum Ellis Island in New York." Der scheidende Vorsitzende wünscht sich als Ergänzung zur Erlebniswelt ein regionales Netzwerk "Auf den Spuren der Auswanderer", eine internationale Datenbank, und als wissenschaftliche Komponente ein europäisches Zentrum für Migrationsforschung.
Rudloff gibt den Vorsitz des Fördervereins aus privaten  und gesundheitlichen Gründen ab, will aber bei der Mitgliederversammlung heute Abend erneut als Beisitzer kandidieren. Zu seiner Nachfolge sagt er nur: "Die Weichen sind gestellt".

Nordsee-Zeitung vom 30. Oktober 2001