Klick für Klick durch die Tecklenborg-Werft
Multi-Media-Archiv im Morgenstern-Museum

Technische Highlights heute sind wie Mandelkerne in Vanillepuddings- allerdings auf den ersten Blick nicht zu erkennen. So präsentiert das Morgen-
stern-Museum mit seiner ersten Version des Multi-Media-Archivs auch ein eher unscheinbares Ding: einen Computer. Daß darin vermarktungsfähiges Technik-
Potential steckt, sieht man nicht.

100 Prozent Multi-Media ist das Archiv zur Geschichte der Tecklenborg-Werft noch nicht. Bei der Verknüpfung von Bildern und Dokumenten fehlen noch Ton und Musik. "Die Soundkarte ist schon eingebaut. Der Rundgang über das alte Werftgelände wird später von einer Stimme begleitet", sagt Christine Hülz. Die Wilhelmshavener Wirtschaftsingenieurin hat ihre Promotionsarbeit für die Fach-
hochschule über 2 Jahre in die Praxis umgesetzt.
Die Idee besteht schon seit 1990. Das Programm ist die Basis für ein vollständiges Tecklenborg-Archiv, denn "noch fehlen Daten und Dokumente, die uns Besucher liefern, können eingespeichert werden", meint Museums-Chef Dr. Alfred Kube. Was jetzt drinsteckt, wird Besucher zu Computer-Freaks machen. Auf dem DIN A 3 großen Monitor erscheinen hoch aufgelöste Bilder mit 65 000 Farben, die Fotos entsprechen. Mit einem Trackball- eine Kugel, die einen Pfeil auf dem Schirm bewegt- wird das Archiv bedient.
Die Werft- und Stadtchronik ist nach Jahrzehnten gegliedert. Dazu gibt es Fotos, Lagepläne und  Schriftstücke. Die Schiffschronik enthält Daten der 431 Neubauten der Werft. Dazu gehören auch großformatige Konstruktionszeich-
nungen. Im Schiffbau-Lexikon sind Fachbegriffe erklärt. Alle Teile sind verknüpft. Das Archiv ist interaktiv, der Besucher kann an jeder Stelle eingreifen.

Alles über die "Preussen"
So stößt er zum Beispiel im Jahre 1902 auf den Frachtsegler "Preussen". Ein Symbol-Feld wird angeklickt, schon gibt`s das Bild des Schiffes samt technischer Daten. Noch ein Klick, die Konstruktionszeichnung erscheint. Und weil der Besucher noch nie etwas von "Rahsegel" gehört hat, klickt er in den Text, um das Lexikon zu öffnen.
Clou ist der von Christine Hülz entwickelte "Zoom", eine Lupe, mit der genauere Blicke auf die Zeichnungen geworfen werden. "Das geht viel schneller als mit normalen Programmen", sagt sie. Hier liege die Vermarktungs-Chance. Auf der Hannover-Messe habe es schon Interessenten aus der Wirtschaft gegeben.
Die hat das Projekt erst möglich gemacht. Die Firma Tecklenborg, Kegel GmbH- sie wird von Nachfahren der Tecklenborg-Familie betrieben- hat die Arbeit finanziert. "Mit der Entwicklung gehen wir bei der Informationsver-
mittlung im Museum bundesweit neue Wege", freut sich Kube. Gut, daß Tecklenborg-Schwiegersohn Joachim Karsch die Idee reizte. Er ist beim Computer-Giganten IBM angestellt.

Nordsee-Zeitung vom 31. Mai 1994