Horst Janson
1914-2003
Horst Janson war neben Severin der erste
Werftdirektor
bei der Seebeckwerft nach dem II.Weltkrieg und zwar von 1949-1960.
Horst Janson, geboren 1914, verbrachte den wesentlichen
Teil seiner Kindheit und Schulzeit in Eisenach/Thüringen. Nach dem
Abitur dort machte er bei den Gummi- und Reifenwerken Phoenix AG in
Harburg
eine Lehre als Industriekaufmann durch und studierte nebenbei einige
Semester
Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Um dies zu
können,
mußte er die Lehre für ein halbes Jahr unterbrechen und im
sogenannten
"freiwilligen Arbeitsdienst" im Straßenbau helfen.
Anschließend an die Lehre trat er in die Dienste der AG Berlin, war für diese jeweils etwas ein Jahr in deren Filialen in Nürnberg und Frankfurt/Main sowie bei der Tochtergesellschaft in Wien tätig. 1938 wurder er in die Zentralverwaltung nach Berlin versetzt, dort vor allem mit Betreuung der Tochtergesellschaften in den skandinavischen Ländern beauftragt. Nachdem aber Dänemark und Norwegen von deutschen Truppen besetzt waren, entfiel der Grund für die bis dahin gültige Unabkömmlichkeit und er wurde im Dezember 1940-inzwischen verheiratet und zum ersten Mal Vater- zur bespannten schweren Artillerie nach Potsdam eingezogen. Es folgten Fronteinsätze in Rußland, zunächst vor Leningrad, dann nach kurzer Zeit in Frankreich beim Entsatz von Stalingrad. Von Anfang 1944-inzwischen Oberleutnant und Batteriechef- Einsatz bei den Rückzugskämpfen an der Adriaküste in Italien. Im April 1945 Gefangennahme durch die Amerikaner. Er wurde dann- nach längerem Lazarettaufenthalt- im Herbst 1946 schließlich entlassen und fand seine Familie- das in Berlin bewohnte Haus war 1943 durch Bombenvolltreffer total zerstört- in Bremen wieder. Nach Genesung trat der 1947 als Gehilfe in die Dienste eines Wirtschaftsprüfers, der vor allem für die Bremer Behörden arbeitete, so lernte er Probleme der städtischen Krankenhausanstalten, des Theaters aber auch der Tierkörperverwertunganstalt kennen.
1948 beauftragten ihn die beiden von den Besatzungsmächten bei der AG Weser eingesetzten Treuhänder, als freier Mitarbeiter mit der Erfassung und dem Wiederfinden der zum Teil sehr zerstreuten Vermögenswerte, zu denen damals auch die "Weserflug" mit ihren Betrieben z.B. in Lemwerder gehörte. Später wurde ihm auch die kommissarische Führung der inzwischen gewissermaßen als Auffanggesellschaft gegründeten "Bremer Dock und Maschinenbau GmbH" übertragen, die u.a. die reparturfähigen Wagen der Bremer Straßenbahn wieder zum Laufen brachte und dann auch neue baute.
Inzwischen hatte die ebenfalls zur AGW gehörende Seebeckwerft in Bremerhaven die Erlaubnis bekommen, zunächst Schiffsreparaturen und dann auch- zur Verbesserung der allgemeinen Versorgungslage- Fischdampfer neu zu bauen. Dabei entstanden zeitweise erhebliche Liquiditätsprobleme. Unter anderem musste die damals inzwischen auf rund 2.000 Mann wieder gewachsene Belegschaft pünktlich entlohnt werden. Die AG Weser Treuhänder beauftragten Janson unter Übernahme ins Angestelltenverhältnis zunächst mit der kaufmännischen und dann der Gesamtleitung der Werft. Es gelang- neben der Intensivierung des Reparaturgeschäftes manchen Fischdampfer für vor allem Bremerhavener Reedereien, dann- soweit die einschränkenden Bestimmungen dies zuließen- auch Frachtschiffe für Bremer und Hamburger Reeder zu bauen. Soweit die finanziellen Mittel dies zuließen, wurde der Betrieb, der natürlich auch erhebliche Bombenschäden erlitten hatte- nicht nur repariert, sondern auch nach den damals neuesten technischen Erkenntnissen ausgebaut, nebenbei aber auch Wohnungen für Belegschaftsmitglieder erstellt.
Am 1.Oktober 1951 wurde das 75jährige Bestehen der Werft in Gegenwart zahlreicher Gäste u.a. Bundesverkehrsminister Seebohm und Bürgermeister Wilhelm Kaisen gefeiert.
Nachdem dann schließlich alle von den Besatzungsmächten erlassenen Baubeschränkungen entfallen waren, waren entsprechende Bemühungen erfolgreich und es gelang nun, auch von ausländischen Reedereien Aufträge für Schiffe der verschiedensten Art zu erhalten, wobei die unterschiedlichsten, manchmal sehr komplizierten Finanzierungsprobleme mit zu lösen waren. Seebeck erhielt Aufträge aus Italien, Frankreich, Großbritannien, Marokko, Türkei, Uruguay und auch aus den USA. Ein Auftrag, der nicht nur besonderes Leistungen der Techniker erforderte, sondern auch allgemeine große Aufmerksamkeit erweckte, war 1954 der Bau eines zum Einsatz in der Antarktis vorgesehenen Eisbrechers für die argentinische Kriegsmarine. Den Auftrag mußte Janson persönlich beim Staatspräsidenten Peron abholen.
Die Auftragslage war so gut, daß die
Belegschaft
zeitweise auf rund 4.000 Mann anstieg. Und dies, obwohl die nach
Kriegsende
zunächst notwendige große Fertigungstiefe im Sinne der heute
modernen "lean production" verändert wurde.
So wurde z.B. die eigene Giesserei und Modelltischlerei
sehr eingeschränkt und Fremdfirmen als Unterlieferanten vermehrt
herangezogen,
auch erste "Fremdarbeiter" wurden eingestellt.
Im Laufe der Jahre wurde Janson dann Mitglied des Vorstandes der AG Weser. Als dessen Vorsitzender 1960 ausfiel, übertrug der Aufsichtsrat Janson dessen Platz und damit auch zugleich die Leitung der inzwischen wieder arbeitenden Werft in Bremen. Es wurde dann manches dort verändert, die kleinen Helgen ab und an deren Stelle zwei Großhelgen gebaut. Deshalb konnten dann auch die ersten Großtanker in Deutschland dort erstellt werden und zwar eine ganze Serie für die Standard Oil New Yersey. Entsprechende Hallen für Großbauteile erleichterten dies.
Während seiner Zeit in Bremerhaven war Janson u.a. nicht nur im Aufsichtsrat mehrerer Reedereien und bei der Norddeutschen Kreditbank. Er war auch zeitweise Präsident der Industrie-und Handelskammer, im Vorstand des Arbeitgeberverbandes. Während seiner Zeit in Bremen gehörte er dem Plenum der dortigen Handelskammer an, war im Aufsichtsrat der Hamburger Schiffbauversuchsanstalt, der Gesellschaft für die Verwendung der Kernenergie im Schiffbau, im Vorstand des deutschen Werftenverbandes sowie bei Gesamtmetall.
Der intensive Einsatz Jansons liess dann 1968 ein
aus
der Kriegsgefangenschaft herrührendes Leiden wieder vermehrt
auftreten.
Janson mußte wiederholt ins Versorgungskrankenhaus in Pyrmont. Es
wurde deshalb mit dem Hauptaktionär, dem Hause Friedrich Krupp,
vereinbart,
daß er seinen Posten nur noch bis zum Finden und Einsatz eines
Nachfolgers
wahrnehmen würde.
Noch unter seiner Leitung beging die AG Weser dann im
November 1968 in der Stadthalle Bremen ihr 125 jähriges
Jubiläum
in feierlichem Rahmen mit Ansprachen u.a. des damaligen Bundesministers
Stoltenberg und von Wilhelm Kaisen, den Janson besonders verehrte.
Er beendete seine Tätigkeit dann im April 1969 für die AG Weser.
Im Anschluß daran war er noch jahrelang in verschiedenen Aufsichtsräten z.B. ADCA Bank Frankfurt/M, Norddeutsche Kreditbank Hannover, Nordmende Bremen, Norddeutsche Hochseefischerei und als Berater in den unterschiedlichen Unternehmen tätig.
In Bremerhaven wohnte Janson zunächst mit seiner Familie im Erdgeschloß der früheren Seebeckschen Villa an der Deichstraße. Dann erwarb er-angeregt durch den langjährigen Betriebsratsvorsitzenden der Seebeckwerft, der auch dort wohnte- ein Grundstück in Düring bei Loxstedt, baute dort ein Haus. Auch während seiner Bremer Zeit wohnte er dort. Da das Grundstück sehr groß war, legte er mit Hilfe eines jungen Gärtners-dort eine Baumschule und Gärtnerei an. Janson fand, soweit er am Wochenende nicht auf den zahlreichen Auslandsreisen oder geschäftlich verpflichtet war- bei der Arbeit in der Gärtnerei einen guten Ausgleich.
Später verlegte er dann seinen Wohnsitz nach Graubünden in der Schweiz. Dort war er u.a. Präsident einer kleinen Privatbank in Zürich, bis diese 1990 von der Bayerischen Landesbank übernommen wurde. Seit Ende 1993 lebte er mit seiner Frau in einer Seniorenresidenz in Muralto/Locarno.
Der Lebenslauf wurde von Horst Janson im Januar 1994
selbst
verfaßt und dem Autor auf Anfrage zugesandt. Janson lebte zu dem
Zeitpunkt in einer Seniorenresidenz in Muralto/Locarno-Schweiz..
Am 3. März 2005 erhielt ich eine Mail von der
Enkelin, Anna
Janson, die mir mitteilte, dass Horst Janson im Alter von 89 Jahren im
Juni 2003
in Muralto/Locarno verstorben und auch beigesetzt wurde.