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Kraftwerk droht Abriss
Von Schleusenbau abhängig- Grillecke gekachelt
Überseehäfen. Dem denkmalgeschützten Alten Kraftwerk droht der Abriss, falls
es dem Ausbau der Kaiserschleuse im Weg stehen sollte. Eine Entscheidung ist
noch nicht gefallen, doch im Inneren wird bereits auf den Denkmalschutz
gepfiffen. Ein großer Teil des Innenraumes ist mit Billigfliesen aus dem
Baumarkt gekachelt worden.
Der Grund: Der Verein Maritimer Denkmalschutz, dem das historische Gebäude
mietfrei von der Hafenverwaltung Bremenports zur Verfügung gestellt wird, will
die Räumlichkeiten verstärkt für private Feiern anbieten (Tagessatz: 260
Euro) und dort eigene Gastronomie betreiben. Die Rundum-
Verkachelung einer Grillecke mit gemauertem Tresen sei Auflage der
Lebensmittelpolizei, sagt Vereinvorsitzender Michael Urlaub: "Da kann
man nichts machen."
Landeskonservator Dr. Georg Skalecki fiel auf Anfrage der NZ aus allen Wolken,
als er von der Aktion erfuhr: "So geht das nicht, das Gebäude steht
komplett unter Denkmalschutz. Da darf ohne unsere Einwilligung nichts verändert
werden." Nach Rücksprache mit seinem Bremerhaven-Beauftragten und dem
Vereinsvorstand ruderte der oberste Denkmalschützer zurück. "Da die
Arbeiten schon abgeschlossen sind, haben wir uns entschlossen, das duldend zu
akzeptieren." Bösartigkeit dürfe man dem Verein nicht unterstellen.
Deswegen wolle man auch kein Exempel statuieren."
Bremenports habe der Einrichtung einer Gastronomie-Ecke
grundsätzlich zwar zugestimmt, räumte deren Sprecher Rüdiger Staats ein. Im
Überlassungsvertrag sei jedoch ausdrücklich festgehalten worden, dass bei
allen Maßnahmen in und am Gebäude die Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt
werden müssen.
Entscheidung im Juni
Dass bei dem sorglosen Umgang mit dem Gebäude auch die Erwartung
mitgespielt haben könnte, das Kraftwerk werde sowieso bald abgerissen, wollte
Staats nicht kommentieren. "Im Mai oder Juni will der Senat eine
Entscheidung über den Ausbau der Schleuse fassen", sagte der
Sprecher. Mit Detailplanungen könne erst danach begonnen werden.
Grundsätzlich, so Staats, hätten Hafeninteressen für Bremenports aber in
jedem Fall Vorrang vor dem Denkmalschutz.
Textquelle: NZ vom 30.04.2005
Fotos: Peter Müller