


Hydraulikgebäude/Altes Kraftwerk

Altes Kraftwerk 2/2002 Foto: P. Müller
In unmittelbarer Nähe zur Kaiserschleuse östlich vom
Außenhaupt wurde 1897 das Maschinenhaus für die zentrale Maschinenanlage
fertiggestellt. Von hier wurde die hydraulische Kraft zum Antrieb der Tore,
Pumpen, Spille und anderer Teile der Kaiserschleuse, zum Antrieb der Rollbrücke
über die heute zugeschüttete kleine Kaiserschleuse und des noch vorhandenen Druck-
wasserkrans an der Westseite des Kaiserhafens sowie für die Elektrizität
für die Beleuchtungen geliefert.

Dafür gab es je eine Maschine für Druckwasser und Elektrizität, die beide von
einer gemeinsamen Dampfmaschine betrieben. In den beiden Türmen hingen schwere
Gegengewichte, die für den nötigen Druck auf den Rohrleitungen sorgten. Die
Maschinenanlage ist nicht mehr vorhanden, da die Hydraulik inzwischen durch den
elektrischen Antrieb aller Anlagen der Kaiserschleuse ersetzt worden ist. Das
Gebäude, in dem sie untergebracht war, ist jedoch unversehrt erhalten geblieben
und unter Denkmalschutz gestellt worden. Auf der Seite zur Schleuse gibt sich
der Bau sachlich und schlicht. Die zum Kaiserhafen gewandte Front ist dagegen
reich im Sinne des Historismus gestaltet. Zwei Türme flankieren den Torbogen
der großen Halleneinfahrt. Die meisten Formen der mit Zementstuckgliederungen
versehenen Fassade sind der Renaissance entlehnt. Das Fachwerk im oberen Bereich
stammt eher von mittelalterlicher Altstadtarchitektur. Im Gesamteindruck
erinnert diese Schauseite des Maschinenhauses stark an eine monumentale
Stadttorarchitektur. Die jeweils unter einem Turmfenster angebrachten
Wappen von Bremen (Schlüssel) und Bremerhaven (Schlüssel und Tatzenkreuz)
unterstreichen deren repräsentativen Charakter.
Die Einführung der Druckwasseranlage war eine wichtige Neuerung im
Hafenbetrieb. Bis dahin wurden in Bremerhaven alle Schleusen, Dreh- und
Schiebetüren, Kräne und dergl. von Hand betrieben. In London und Liverpool
existierten bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts in den Häfen
weitverzweigte Hydrauliksysteme. Die ungeheuren Dimensionen der Kaiserschleuse
erzwangen endlich auch hier den Einsatz von Maschinenkraft. Es darf aber nicht
übergangen werden, daß die Druck-
wasser-Hydraulik ihre Tücken hatte. Eine wichtige Frage war, wie man das
Rohrnetz im Winter vor dem Erfrieren bewahrte. Die Konstrukteure hatten, um dem
zu begegnen, Vorrichtungen eingebaut, mit deren Hilfe man den Wasserumlauf
erhöhen konnte. Für besondere Kälte konnte das Preßwasser mittels
Heizschlangen durch Kesselkampf angewärmt werden. Es hat sich aber gezeigt,
daß die getroffenen Vorkehrungen doch nicht immer reichten, so daß durch
Mistpackungen- man wußte sich zu helfen- ein zusätzlicher Frostschutz
geschaffen werden mußte.
1992 wurde das Hydraulikgebäude im Auftrag des HBA und mit Unterstützung der
Kreishandwerkerschaft originalgetreu
restauriert.
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Quellenangabe:
1) Lars U. Scholl- Bremerhaven ein hafengeschichtlicher Führer, DSM
Ditzen-Verlag 1984, S. 134ff (Dr. Wolfgang Brönner)
2) Vom Hydraulikgebäude zum Auswanderer-Museum, hrsg. vom Förderverein
Deutsches Auswanderermuseum 1987