Für den Sohn
von Peter Müller
Hein
Meyer`s Vater,
damals
in den 20er-Jahren,
Mitglied
der USPD.
Abgeordneter,
Vorsitzender
der Parteigruppe.
Später
KPD,
1922.
Jedenfalls
wurde er verhaftet 1933,
wie
so viele.
Verrat
war im Spiel,
an der
"Persiluhr".
Der
Vater und Hein Meyers Bruder,
haftet
am Hauptbahnhof,
ebenso
wie der Kurier von Bremen:
Braich.
Jedenfalls
und so,
die
beiden wurden eingesperrt, verhört,
geschlagen,
geprügelt.
Nun
bat der Sohn darum,
den
Vater noch einmal sehen zu dürfen.
Ja,
dachte die Gestapo, vielleicht, man weiß nicht-
ergibt
sich da was für uns.
So trat
der Sohn in die Zelle seines Vaters
und
sagte:
"Ich
bin gekommen, um Dich ein letztes Mal zu sehen.
Vater,
ich halte die Schläge nicht mehr aus!
Nicht,
daß ich was sagen würde.
Niemals
werde ich etwas verraten,
aber
ich kann nicht mehr."
Der
Vater schwieg lange
und
sagte dann:
"Das
mußt du selber wissen,
was
Du mit Deinem Leben tust.
Aber
denke dran,
daß
sie nicht ewig prügeln.
Einmal
sind sie das leid."
Und,
merkwürdig,
von
da an ließen sie den Sohn in Ruhe.
Kurz
vor Weihnachten ging die Zellentür auf,
und
der Wärter sagte zum Vater:
"Herr
Meyer, Sie sind entlassen."
Der
alte Meyer trat hinaus und fragte:
"Was
ist mit meinem Sohn?"
Antwort
der Gestapo:
"Der
bleibt hier."
Daraufhin
der alte Meyer:
"Dann
bleibe ich auch hier.
Ich
gehe nicht eher bis Sie meinen Sohn auch entlassen.
Ich
verlasse nur mit meinem Sohn zusammen das Gefängnis."
Zwei
Stunden später
verliessen
Vater und Sohn das Gefängnis.
Beide
erhielten zwei Jahre Zuchthaus
und
saßen diese,
wie
der alte Meyer im Gerichtssaal meinte,
"auf
einer Arschbacke ab".
1984