Rettungsboote für die Fischer
Werft Hillmer & Co. wird 100 Jahre alt- Reparaturbetrieb und Winterlager

Bootswerft Hillmer & Co. Am Seedeich 28- Foto: Peter Müller 5/2000
Als Carl Hillmer vor 100 Jahre die Schiffszimmerei und Bootswerft Hillmer &
Co. gründete, florierte die Fischerei noch, und so gab es für die Werft viel
zu tun. Damals waren teilweise mehr als 20 Mann dort beschäftigt. Heute führt
Marco Ryngler die Werft alleine. "Das Geschäft hat sich völlig
geändert", sagt er.
Ryngler repariert in dem Betrieb im Fischereihafen vor allem Sportboote. Es ist
zurzeit Saison, denn in der kommenden Woche werden die Boote aus dem Winterlager
wieder ins Wasser gelassen. "Wir können unser Firmenjubiläum gar nicht
richtig feiern, der Kalender ist voll", sagt Ryngler.

Hillmer & Co.-Bootswerft Am Seedeich
Zu den besten Zeiten der Werft machte der Bau von Rettungsbooten das
Hauptgeschäft aus. Diese waren früher aus Holz und wurden per Hand gefertigt.
Als die Fischfangflotte noch groß war, wurden Rettungsboote stark nachgefragt.
Und auch die Decks der Fischdampfer waren aus Holz gebaut. Für die Werft und
Schiffszimmerei bedeutete das volle Auftragsbücher. "Bis in die 60er Jahre
hatten Hillmer und seine Söhne es gar nicht nötig Aufträge für Sportboote
anzunehmen, erzählt Ryngler.
Rynglers Vater Franz übernahm die Werft 1968. Zu dieser Zeit lösten
Rettungsinseln aus Kunststoff die hölzernen Boote ab. Die Firma Hillmer
übernahm die Wartungsarbeiten. "Das machte zum Schluss 70 Prozent der
Aufträge aus", so Ryngler. Einen zweiten Wandel in der Arbeit gab es dann
zu Beginn der 90er Jahre. Nachdem die Wartungsverträge ausgelaufen seien, habe
man sich auf die Arbeit mit Sportbooten konzentriert, erzählt der gelernte
Bootsbauer.
Auch wenn schon Jahrzehnte kein Rettungsboot mehr gebaut wurde, die Baupläne
stehen noch heute im Aktenschrank. Teilweise stammen sie aus den 20er Jahren.
"Wir könnten nach diesen Plänen jederzeit wieder Rettungsboote
bauen", erzählt Ryngler. Dafür besteht allerdings heute kein Bedarf mehr.
"Das ist inzwischen alles aus Kunststoff."
Vierte Generation
Ryngler führt die Bootswerft in vierter Generation. Gründer Carl Hillmer
hatte das Unternehmen zunächst an seine Söhne Fritz und Theodor übergeben;
von denen übernahm Franz Ryngler die Werft. Seit dessen Tod 1996 führt Marco
Ryngler die Geschichte. "Das waren damals schwierige Zeiten. Wir bauten
gerade eine neue Halle, und dann musste ich auch noch den Meister machen",
erzählt er.
Bis Ende der 90er Jahre war die Werft in der Delphinstraße beheimatet. Nach dem
Bau der neuen Halle zog das Unternehmen 1998 in die Strasse Am Seedeich
um. "Wir wollten näher am Wasser sein", begründet Ryngler den Umzug
auf die andere Seite des Hafenbeckens. "Früher mussten wir die Boote jedes
Mal mit einem Transporter in die Werfthalle bringen", erzählt Ryngler. Am
Westkai können die Boote nun direkt aus dem Hafenbecken auf das Gelände der
Werft gehievt werden.
Literaturquelle: Nordsee-Zeitung vom 22. April 2000