Herbert Körtge verstorben
Wir trauern um Herbert Körtge. Er verstarb am 19.
August 2001.
Wir trauern um einen guten Freund, einen verdienstvollen Bremerhavener
Schulmann, einen vielseitig aktiven Morgensterner, einen Mitbürger, der sich
immer wieder engagiert in die öffentlichen Angelegenheiten seiner Geburts- und
Heimatstadt eingemischt hat.
Herbert Körtge, der am 4. Juni 1921 in Bremerhaven zur Welt kam, hat seine 80
Lebensjahre bis zum Schluss angefüllt mit unermüdlicher Arbeit. Seine
vielfältigen Aktivitäten kreisten um die Geschichte seiner Heimat und um die
Geschicke ihrer Menschen.
Als Schulmeister alter Schule aus Zimmermanns Pädagogischem Seminar schenkte er
35 Jahre lang Herz und Wissen vielen Generationen Bremerhavener Schulkinder. Die
Friedrich-Ebert-Schule war "seine" Schule, er leitete sie von 1962 bis
1981. Der "Bremerhavener Heimatatlas" und die "Heimatkundlichen
Arbeitsblätter" waren als wichtige Handreichung für seine Kollegen ohne
ihn nicht zu denken.
In seinen letzten 20 "Ruhestands"-Jahren hat er verstärkt
fortgeführt, was er schon früh neben seiner Lehrertätigkeit begonnen hatte:
Er half 1949 mit, die verstreuten Bestände des Morgensternmuseums in der alten
Leher Kaserne wieder zusammenzuführen und öffentlich zugänglich zu machen. Er
hatte so wesentlichen Anteil an den Vorarbeiten zur Wiedereröffnung des
Museums. Er übernahm dort Aufsicht und Führung. An Anfängen und Aufbau der
Schiffahrtsabteilung war er maßgeblich beteiligt.
Die Reihe seiner heimatgeschichtlichen Veröffentlichungen ist lang.
Herausragend die Neubearbeitung der "Straßennamen der Stadt
Bremerhaven", 1992 als erweiterte Neuauflage erschienen.
1985 schrieb er die "Geschichte des Jugendsparvereins Unterweser" und
der Schulen, in denen der Jugendsparverein seit 1885 tätig war.
1990 erschien seine Schrift über "Die Anfänge des Schulwesens in Lehe",
1997 das Heft "Vom Gaswerk zur Grünanlage" über den
Martin-Donandt-Platz und noch 1999 eine Schrift über das "Schulwesen in
Alt-Bremerhaven".
Er war Mitautor des von Harry Gabcke begonnenen dreibändigen Werkes
"Bremerhaven in zwei Jahrhunderten" und hat mit Renate Gabcke das Buch
"Bremerhaven früher-gestern-heute" in erweiterter Form neu
herausgegeben. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Veröffentlichungen im
Jahrbuch der Männer vom Morgenstern, im Niederdeutschen Heimatblatt, in der
Nordsee-Zeitung und im Nordsee-Kalender. Genannt seien hier nur aus 1995 der
"Beitrag "Zur Geschichte des Morgenstern-Museums" und noch im
September 2000 eine Ergänzung zu seinem Buch über die Straßennamen
Bremerhavens.
Wen wundert es, dass er schon 1962 in den Beirat der Männer vom Morgenstern
berufen und 1989 zum Ehrenmitglied gewählt wurde.
Ein breites soziales Engagement bestimmte sein Leben:
1954 gründete er den Schullandheimverein der Körnerschule mit dem Heim in
Osterndorf. Seit 1959 war er im Vorstand des Jugendsparvereins tätig,
sehr bald als dessen Vorsitzender, 1995 wurde er Ehrenvorsitzender.
Ehrenmitglied war er auch in der Geestemünder Ferienkolonie. Seit 1960
war er Vorsitzender der Kreisgruppe im Deutschen Paritätischen
Wohlfahrtsverband, seit 1963 dort auch im Landesvorstand. Er führte den
Mahlzeitendienst "Essen auf Rädern" ein. Er gehörte zu den
Gründungsmitgliedern der Schiffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft und des
Leherheider Sportvereins "Eintracht 64", heute SFL. In Würdigung
dieser und vieler weiterer Verdienste erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Im Vorwort zur 2. Auflage seiner "Straßennamen" schrieb Herbert
Körtge 1971: "Heimatkunde ist keine abgeschlossene Sache der
Vergangenheit. Lebendige Heimatarbeit will nicht nur erhalten, konservieren und
restaurieren, will Folgerungen ziehen und Ansätze finden für die Arbeit in der
Gegenwart, und die ist in die Zukunft gerichtet."
Das war das Leitmotiv seiner Arbeit, dafür wollen wir ihn dankbar in Erinnerung
behalten.
Dr. Heinrich Schulte am Hülse
Horst von Hassel
Niederdeutsches Heimatblatt Nr. 622/Oktober 2001