![]()
![]()
![]()
Zur Konservierungstechnik der Hansekogge:
Hansekogge ist Bravourstück für
Nassholz-Konservator Dr. Per Hoffmann
Mit Frachtsegler zum Weltruhm
"Die Konservierung der Hanse-Kogge ist zu Ende." Mit diesem Satz
verbirgt sich für Dr. Per Hoffmann ein ganzer Roman, 18 Jahre seines Lebens,
denn so lange nahm das Hanseschiff aus dem Jahr 1380 ein besonderes Vollbad.
Immerhin war die Kogge der ausschlaggebende Grund für den Bau des Deutschen
Schifffahrtsmuseum (DSM).
Hoffmann ist Holzchemiker. Als Bauarbeiter 1962 ein seltsames Wrack in der
Weser freilegen, geht der damals 19jährige gebürtige Bremer noch zur Schule.
Dass dieses Schiff einmal sein Lebenswerk bedeuten und ihm als Konservator
Weltruf verschaffen würde, davon hat er damals noch nicht einmal geträumt.
Bevor die Kogge und er zusammenkamen vergingen 20 Jahre. Während Hoffmann
studierte und promovierte, suchten Dr. Siegfried Fliedner und die mittlerweile
verstorbene Dr. Rosemarie Pohl-Weber vom Focke-Museum (Bremen) nach Ideen,
wie man den sensationellen Fund der Nachwelt erhalten kann.
Das Schifffahrtsmuseum wurde 1975 mit 5.360 Quadratmeter Ausstellungsfläche
gebaut. Darin wurde das Holz feucht gehalten. "Rasensprenger besprühten
Tag und Nacht die Kogge", erzählt Hoffmann.
1982 beginnt er mit der Konservierung des kostbaren alten Schiffes in einem
riesigen Aquarium, dem größten archäologischen Tränkbad der Welt. Inhalt:
800.000 Liter Gemisch aus Wasser und Polyethylenglykol (PEG), einem Kunstwachs.
Voraussichtliche Dauer des Verfahrens: 30 Jahre.
Doch Hoffmann macht eine Entdeckung, die ihm und dem DSM Weltrum verschafft:
"Es geht schneller und besser, wenn man die Konservierung in zwei Stufen
durchführt." Das bedeutet, mit dem bekannten Mittel PEG, aber mit einem
neuen Verfahren konservieren: In der ersten Stufe wird das Schiff in
kleinmolekularem PEG und Wasser getränkt, wobei der PEG-Gehalt in der ersten
Stufe bis auf 40 Prozent gesteigert wird. In der zweiten Stufe wird
großmolekulares PEG nach und nach auf 73 Prozent Anteil gebracht. "Mit der
ersten Stufe werden die relativ intakten Zellen im Holzinnern stabilisiert und
in Form gehalten. Die äußeren Schichten sind poröser, deren Zellen erhalten
mit dem PEG der zweiten Stufe eine Füllung." Das Holzinnere bleibt nass
gequollen, während das PEG der zweiten Stufe fest wird.
Diese Methode fand das aufmerksame Interesse der Fachwelt. 1985 befürwortet ein
internationales Expertenkolloquium dieses neue Konservierungsverfahren. Damals
rechnete Hoffmann mit einer Dauer von sechs bis sieben Jahren. Doch der
Geldmangel hemmte das Tempo. So konnte der Konservator erst 1995 das Bad
wechseln und die zweite Stufe beginnen. 1999 drückte Dr. Henning Scherf in
seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verwaltungsrates des DSM den Knopf, um
das zweite Bad abzupumpen.
Inzwischen seien Dreiviertel der Trocknung abgeschlossen.
"Dabei haben wir einen Schwund um 0,5 bis zwei Prozent zu verzeichnen. Das
ist sehr gut", urteilt der Konservator. Für die weitere Lagerung der Kogge
müsse nur darauf geachtet werden, dass im Raum die Luftfeuchtigkeit unter 80 %
bleibt.
Mit einem Expertenkolloquium wird die Kogge der Öffentlichkeit übergeben: Am
17. und 18. Mai 2000 treffen sich Schiffsarchäologen aus aller Welt in
Bremerhaven, um der restaurierten Kogge, den Leistungen des Konservators Dr. Per
Hoffmann, dem Deutschen Schifffahrtsmuseum und seinem Team mit Prof. Dr. Detlev
Ellmers als Direktor die gebührende Anerkennung zu zollen.
Hoffmann freut sich ganz besonders auf Prof. Ole Crumlin-Pedersen (Dänemark)-
dem Altmeister in Sachen Schiffsarchäologie und Dr. Ian Donald MacLeod
(Australien). Die besten Nassholzexperten kommen", sagt Hoffmann. Sie haben
dänische Wikingerschiffe, Kriegsschiffe wie die "Mary Rose" und
"Wasa" und des Ostindien-Fahrers "Batavia" konserviert.
Der hiesige Konservator erwartet mit freudiger Spannung die Kritik des
Expertenkolloquiums. " Ich denke, das Ergebnis kann sich sehen
lassen", weist er auf die wuchtige Gestalt der Kogge. Mit ihrer Länge von
23 Metern, acht Metern Breite und sieben Meter Höhe erweist sie sich als wahres
Ungetüm.
Literaturquelle: Bremerhavener Kurier vom 10.05.2000
Besuchen Sie das |
.