


Die Hanse-Kogge
Über
die Geschichte der Hanse
Im Mittelalter, etwa vom 12. bis 16.
Jahrhundert, lag die Blütezeit des Städtebundes der Hanse. Ausgehend von den
rheinisch-westfälischen Städten und von Brügge über Hamburg, Lübeck
und Bremen entwickelte sich der Bund der Hansestädter über ganz Nordeuropa.
In Bergen in Norwegen und Nowgorod in Russland war die Hanse ebenso vertreten
wie in London und Brügge.
Der "Hanse-Bund" war in dieser Zeit der wichtigste Machtfaktor sowohl
im Handel als auch in der Politik, obgleich er zu keiner Zeit eine geschriebene
Verfassung hatte. Das gemeinsame Handelsinteresse war das mächtige Bindeglied,
das den Bund zusammenhielt, und mit dem selbst Fürsten und Staaten zu rechnen
hatten. Das Transportmittel dieser Zeit, das eine solche Handelsmacht erst
ermöglichte, war die Kogge.
Einmastige Segelschiffe von etwa 20-30m Länge und einer Tragfähigkeit von 80-
200 Tonnen, die sich von den etwa 400- 500 Jahre älteren Wikingerschiffen konstruktiv deutlich unterschieden, waren diese Koggen das
Transportmittel für den aufblühenden Handel in Nordeuropa.
Von Süd- und Westeuropa gingen Ladungen von Wein, Wolle, Salz, Südfrüchten
und Öl, englische und flandrische Tuche, Bier und Silber nach Nord- und
Osteuropa. Auf dem umgekehrten Wege wurden Heringe, Getreide, Holz, Wachs, Teer,
Pech, Kupfer, Pelze und Bernstein verladen.
Hunderte von Koggen befuhren in dieser Zeit die Nord- und Ostsee mit ihren
angrenzenden Flüssen. Über die transportierten Güter ist uns etliches
schriftlich überliefert. Über das Aussehen der Koggen gab es dagegen keine
Überlieferung, mit Ausnahme der stark stilisierten Abbildungen auf Münzen und
Städtesiegeln. Bis zum Fund der weitgehend erhaltenen Bremer Hansekogge war nichts Näheres bekannt.
Bei Hafenerweiterungsarbeiten im Jahre 1962 entdeckte man im Schlamm der Weser
die Bremer Hansekogge, das einzige verhältnismäßig gut erhaltene
Zwischenstück der nordeuropäischen Schiffbaukunst, das uns verblieben ist (Zufallsfund
beim Baggern). Es
weicht in seiner Bauweise und Konstruktion von den früheren Wikingerschiffen deutlich ab. Unbekannt ist auch heute noch, wie die Segel und
Takelagen dieser Schiffe genau ausgesehen haben, wie sie zu bedienen waren und
welche Segeleigenschaften die Koggen damit erreichten.
Das Schiff wurde später im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven sorgfältig
restauriert und vermessen. Es befand sich danach in der Konservierungsphase, die gegen des 20. Jahrhunderts abgeschlossen
wurde. Nach 38 Jahren Arbeit- Bergung, Wiederaufbau, Konservierung- wurde die
Hansekogge am 17. Mai 2000 von Regierungschef Hennig Scherf im Rahmen eines zweistündigen
Festaktes (im DSM) enthüllt

Ansicht Steuerbordseite 5/2000

Backbordseite der Hansekogge
und feierlich der Öffentlichkeit
übergeben.

Die Hanse-Kogge von 1830- Ansicht Steuerbordseite
Schiffbautechnik des Kogge-Nachbaus
In der Ursprungszeit wurden die Koggen wie folgt gebaut: Auf dem aus
Pallhölzern ausgelegten flachen Kiel wurden die Seitenplanken bis zur Höhe der
Querbalken vom Vordersteven bis zum Achtersteven gebogen und aufgesetzt. Erst ab
dieser Höhe konnten die endgültigen Spanten und Querbalken in das Schiff
gesetzt und verbolzt werden.
Der heutige Kogge-Nachbau wurde komplett aus erlesenem Eichenholz gebaut.
Direkt auf den Kiel kamen Vor- und Achtersteven und die Spanten.
Technisch eine immense Herausforderung war zweifelsohne das Biegen der
Außenplanken, die auf den Spanten befestigt wurden.
Entgegen der heute weithin geläufigen Verformung unter Dampf wurden die bis zu
zehn Jahre gelagerten Eichenplanken über offenem Feuer in ihre spätere Form
gebogen. Die "trockene" Biegetechnik hat den Vorteil, dass in
der Endform der heiß verformten Planken kaum Nachforschungen nötig sind und dass auch weniger Risse entstehen können.
Bei einer Dampf-Verformung ist dies wegen des erhöhten Feuchtigkeits-
gehaltes keinesfalls gewährleistet.
Nach der Befestigung der Planken erfolgte die Installation des Decks, der
gesamten Aufbauten, des Mastes und der Takelage.
Die für den heutigen Gebrauch der Kogge notwendige, und aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderliche technische Ausstattung- Motorenanlage,
Pumpen, Tanks für Öl, Wasser und Abwasser, Heizung und Navigationsgeräte- wurden entsprechend dem Baufortschritt eingebaut.
Die Hansekogge- Zentimeter für Zentimeter:
| Länge mit Kastelldeck: |
23,23 m |
| Länge über Steven: |
22,66 m |
| Kiellänge/Unterkante: |
15,60 m |
| Überhang vorn: |
4,81 m |
| Überhang hinten: |
2,25 m |
| Breite über Rüstbalken: |
7,62 m |
| Decksbreite: |
6,46 m |
| Seitenhöhe bis Deck: |
3,14 m |
| Höhe bis Gangspill: |
7,04 m |
| Höhe bis Vordersteven |
7,23 m |
| Mastlänge: |
22,90 m |
| Segelfläche: |
150-200 qm |
| Gewicht ca: |
120 t |
| Laderaumgröße: |
160 cbm |
| Tiefgang ohne Ladung: |
1,25 m |
| Tiefgang mit Ladung: |
ca. 2,25 m |
Aus historischen Veröffentlichungen geht hervor, daß die
Koggen des 14. Jahrhunderts 70 bis 150 Lasten getragen haben. Eine Last
entsprach etwa 2.000 kg. Bei einer angenommenen Durchschnittslast von 100 Lasten
wären das 200 Tonnen Tragfähigkeit. Dieses würde einen Tiefgang von 2,80 m
bedeutet haben, eine Zahl, die im Verhältnis zur Seitenhöhe des Schiffes
durchaus möglich und angemessen erscheint.
Forschungszwecke des Kogge-Nachbaues und Ziele der
Hanse-
Koggewerft e.V.
Fundamentaler Sinn des Nachbaues der Hanse-Kogge ist es, Erkenntnisse über
die Abmessung des Mastes und der Rah sowie über die Takelage zu ermitteln, die
bisher völlig fehlen.
Diese Aufgabe hat sich der Verein Hanse Koggewerft e.V. Bremerhaven
gestellt. Mit fachkundiger Hilfe des Deutschen Schifffahrtsmuseums ist die Kogge
in ihren Original-Abmessungen wieder hergestellt worden.
Alle offenen Fragen über Mast, Segel und Takelage als auch über deren
Handhabung sollen in der Praxis erforscht werden. Segel- und Navigations-
eigenschaften werden erprobt.
Letztendlich, wenn alle Forschungen abgeschlossen sind, soll jungen Leuten auf
den traditionellen Routen der alten Hanse bei regelmäßigen Fahrten die
Möglichkeit gegeben werden, Kontakte mit gleichgesinnten Jugendlichen unserer
Nachbarländer zu pflegen.
"Ubena von Bremen" Nachbau der Hansekogge von 1380
Erbaut von 1987-1991 durch Hanse-Koggewerft e.V., Bremerhaven
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Hanse-Koggewerft e.V. Bremerhaven
Alter Fährweg 8, 27568 Bremerhaven
Telefon: 0471-46846
Spendenkonto: Städtische Sparkasse Bremerhaven Kto-Nr. 22002000 BLZ 29250000
http://www.hanse-koggewerft.de
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Literaturquellen:
1) Klaus-Peter Kiedel und Uwe Schnall (Hrsg.): Die Hanse-Kogge von 1380,
Förderverein Deutsches Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven 1982
Besuchen Sie das

DEUTSCHE
SCHIFFAHRTSMUSEUM
ab Mai 2000 mit Erweiterungsanbau
Hans-Scharoun-Platz 1, D-27568 Bremerhaven,
Tel: +49-471-48 20 70, Fax: +49-471-48 207 55 |
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