Bremen, schon als Hansestadt führend
im Seeverkehr und in seiner Wirtschaftskraft seit jeher abhängig von
einem gut funktionierenden Hafen, erkannte zu Beginn des 19. Jahrhunderts
die Zeichen der Zeit. Auf der einen Seite verlangte der Nordamerika-Verkehr
größere Schiffe als bisher, auf der anderen Seite versandete
die Unterweser zusehends, Bremen benötigte einen Hafenplatz näher
am offenen Meer. So erstand Bürgermeister Smidt 1827 für den
Bau eines Hafens an der Mündung der Geeste 80 ha Land vom Königreich
Hannover.
Die Eröffnung des ersten Hafenbeckens
fiel zeitlich zusammen mit dem Beginn des Dampferverkehrs zwischen Deutschland
und den USA.
Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts machte überall in der Welt die Columbuskaje mit dem "Bahnhof am Meer" den Ruf Bremerhavens aus. Unzählige Auswanderer hatten hier einen letzten Blick auf ihre alte Heimat geworfen. Ebenso unzählige Passagiere im Linienverkehr nach New York waren an und von Bord gegangen.
Grundsätzlich kann man zwischen den im Norden liegenden Überseehäfen und dem im Süden liegenden Fischereihafen unterscheiden.
Der Bau des Alten und Neuen Hafens
Die bremischen Überseehäfen
in Bremerhaven haben sich von der Geestemündung ausgehend immer weiter
von Süden nach Norden ausgedehnt. Die historisch ältesten Anlagen
sind der Alte und der Neue Hafen.
Gebaut wurde der Alte Hafen nach
den Plänen von Jacobus van Ronzelen, einem holländischen Wasserbauingenieur,
der im Dienste der holländischen Regierung Erfahrung im Bau von Kanälen
und Marineanlagen gesammelt hatte. Van Ronzelen trat 1827 in bremische
Dienste und erhielt den Titel eines Hafenbaudirektors. Er entwarf ein langgestrecktes
Hafenbassin, das parallel zur Weser lag. Man einigte sich schließlich
auf die Maße von 750 Metern Länge, 57,5 Meter Breite und eine
Tiefe von etwa 8,5 Metern.
Stadtplan
von Bremerhaven 1888 mit Altem Hafen
Damit wurde eine durchschnittliche
Wassertiefe von 5,5 Metern erreicht. Der Zugang zur Geeste war mit einer
neuartigen Kammerschleuse von 50 Metern Länge und elf Metern Breite
gegeben. Diese Schleuse sollte aufgrund ihrer Konstruktion eine Spülung
des Vorhafens ermöglichen. An das nördliche Ende des Hafenbassins
wurde eine schmale Verlängerung gesetzt, die bis 1861 als Holzhafen
diente. Die ausgehobene Erde wurde für den Deichbau verwendet.
Der offizielle Baubeginn für
den Alten Hafen
wird auf Sonntag, den 1. Juli 1827, datiert. Zeitweise wurden bis zu 700
Arbeiter bei diesem Projekt beschäftigt. Allein für das Auspumpen
der Baugrube waren täglich mehr als 60 Pferde eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen
waren hart. Es fehlte an Trinkwasser, und es kam zu vielen Erkrankungen
unter den Arbeitern, so daß zwangsweise eine Art Krankenversicherung
eingeführt werden mußte. Zur Unzufriedenheit der Arbeiter trug
bei, daß ihnen anfangs falsche Versprechungen über die Höhe
des Lohnes gemacht worden waren. Bezahlt wurde nach Leistung, und unerfahrene
Arbeiter erzielten deutlich niedrigere Ergebnisse, als vom Unternehmer
angesetzt.
1830 konnten die Arbeiten abgeschlossen
werden. Zur Hafenverwaltung entstand auch ein klassizistisch gehaltenes
Hafenhaus. Gesamtbaukosten lagen bei 600.000 Talern. Das erste Schiff, nämlich
die "Draper" aus Baltimore, lief
am 12. September 1830 ein.
Schon wenige Jahre später dachte
man in Bremen über die Anlage eines zweiten Hafenbeckens nach. Man
strebte eine Dampferverbindung mit den Vereinigten Staaten an. Für
die damals modernen Raddampfer wurden vor allem größere
Schleusenanlagen benötigt. Auch die Größe der Segelschiffe
erhöhte sich von Jahr zu Jahr. Wieder wurde van Ronzelen mit der Planung
beauftragt. Der Baubeginn fiel in das Jahr 1847. Das neue Hafenbecken besaß
eine Länge von 230 und eine Breite von 85 Metern. Es lag nordwestlich
des Alten Hafens. Erschlossen wurde es durch eine Schleuse zur Weser. Diese
Schleuse zählte damals zu den größten der Welt. Mit
einer Breite von 22 Metern war sie doppelt so breit wie diejenige am Alten
Hafen. Eine Verbindung mit dem alten Hafenbecken war für die spätere
Zukunft vorgesehen, stieß jedoch auf schwerste Bedenken seitens Hannovers,
das sogar einen zeitweiligen Baustopp erzwang. Schließlich wurde
weitergearbeitet und das Becken im Norden und Süden nochmals fast
bis auf die doppelte Größe verlängert. Auch der Alte Hafen
erfuhr jetzt eine Vergrößerung. Die ersten Schiffe fuhren bereits
Ende 1851in den noch nicht fertiggestellten Hafen. Die Übergabe an
den regelmäßigen Verkehr erfolgte im Sommer 1852. An der Einfahrt
zum Neuen Hafen wurde 1854 ein 36 Meter hoher neugotischer Leuchtturm
erbaut.
Alter und Neuer Hafen sind bis
heute erhalten geblieben, wenn auch mehrfach um- und ausgebaut.
Neuer Hafen 7/96 Foto: Peter Müller
So wurde der Alte Hafen zwischen
1860 und 1862 erheblich erbreitert und der Neue Hafen 1862/63 und 1870/71
nach Norden verlängert. Nach dem Bau der Kaiserhäfen verloren
sie zwar an Bedeutung, hatten jedoch weiterhin ihre Funktion innerhalb
der Hafenwirtschaft. Der Alte Hafen wurde Ende des 19. Jahrhunderts zum
Fischereihafen und blieb dies bis in die dreißiger Jahre. 1928 wurde
endlich auch die schon 1847 geplante Verbindung zwischen den beiden Hafenbecken
hergestellt. Die beiden ursprünglichen Schleusen wurden 1926 bzw.
1936 geschlossen und bald darauf überbaut. Seitdem sind beide Häfen
nur noch über den Kaiserhafen I zugänglich.
Nach dem II. Weltkrieg drohte dem
Alten Hafen ein unrühmliches Ende. Er sollte die Trümmerberge
der völlig zerstörten Stadtmitte aufnehmen und zugeschüttet
werden. Dazu kam es zwar nicht, doch wurde das Hafenbecken für den
Bau des Columbus-Centers um die Hälfte verkleinert. Seit den siebziger
Jahren dient die ehemalige Keimzelle für die Entwicklung Bremerhavens
jetzt als Museumshafen.
Die Erweiterung des Hafens Richtung
Norden- Lloyddampfer trieben Ausbau voran
Der allgemeine Anstieg des Handelsaufkommens
führte dazu, dass die Häfen der Unterweser um 1870 den Anforderungen
nicht immer genügten. Um hier Abhilfe zu schaffen, bewilligte man
in Bremen fast sieben Millionen Mark und beauftragte Carl Hanckes, einen
ehemaligen Mitarbeiter van Ronzelens, mit dem Hafenbau.
Der Name "Kaiserhafen" erklärt
sich aus der Euphorie über die wenige Jahre zuvor vorgenommene Reichsgründung.
Das neue Bassin war etwas kleiner als die beiden vorhandenen alten. Im
Süden erhielt es durch den Verbindungskanal Anschluß an den
Neuen Hafen. Zur Weser hin wurde eine Schleuse, die Kaiserschleuse,
angelegt. Nur wenige Jahre später erhielt der Kaiserhafen eine buchtförmige
Erweiterung, um Wende der immer größer werdenden Schnelldampfer
zu ermöglichen.
Doch schon 1890 waren Schleuse
und Einfahrt nicht mehr groß genug für die neue Generation der
transatlantischen Dampfer.
Diesmal mussten schon mehr
als 16 Millionen Mark aufgewendet werden. Bereits 1892 begannen die Arbeiten
an einem weiteren Hafen. Schleuse und Hafenbecken befanden sich erstmals
schräg zur Weser. Das Bassin schloß nördlich an den bestehenden
Kaiserhafen an und bot Platz für Wendemanöver bis zu 250m langer
Schiffe. Nach fünf Jahren konnte der Hafen im September 1897 dem Verkehr
übergeben werden. Eine technische Meisterleistung war die neue Kammerschleuse.
Mit 223m Länge, 28m Breite und mit 7m Tiefe bei Niedrigwasser war
sie damals die größte Schleuse der Welt. Sie erhielt den Namen-
wie könnte es anders sein- Kaiserschleuse.
Im Norden entstand das Kaiserdock.
Im Zuge dieses Hafenbaus hatte man auch erstmals eine Pier am offenen Weserstrom
errichtet.
Wieder glaubte man, für Jahrzehnte
vorgesorgt zu haben und wieder hatte man sich getäuscht.
Zwischen 1906 und 1909 wurde nun
der 500m lange Kaiserhafen II und 600m lange Kaiserhafen III erbaut.
Beide entstanden in Verbindung mit dem 1892/97 angelegten Hafenbecken.
Außerdem wurde zwischen 1908 und 1913 ein größeres Trockendock
erbaut, das Kaiserdock II. Im Anschluß daran entstand 1914/15 der
Verbindungshafen. Die schon von Anfang geplante Anlage eines Nordhafens
mit nochmals größeren Schleuse wurde durch den Beginn des Ersten
Weltkrieges dagegen verhindert. 1926/27 wurde der Kaiserhafen II nochmals
verlängert. 1929/31 wurde endlich die Nordschleuse
gebaut, die mit 372m Länge und 45m Breite noch heute zu den größten
Schleusen der Welt gehört.
Damit wären die Kaiserhäfen
auch für die damals größten Schiffe des NDL wieder erreichbar.
Neben der Kriegsmarine war vor
allem der Norddeutsche Lloyd mit seinen transatlantischen Schnelldampfern
die treibende Kraft hinter den Hafenerweiterungen.
Zum Überseehafen gehören
der an der Stromkaje (Weser) liegende Containerterminal,
der Columbusbahnhof für die Abfertigung von Kreuzfahrtschiffen, Kaiserhafen
I-III, Wendebecken, die Lloydwerft,
das Fruchtzentrum
der BLG, sowie der Im- und Export von Autos aller Art.
Bremerhaven gilt als die größte
Autodrehscheibe der Welt.
Unvermeidlich ist die Begegnung
mit funkelnagelneuen Importautos aus Übersee und Fahrzeugen, die aus
Europa zum Export für die ganze Welt bestimmt sind. Der Autoterminal
hat im Überseehafen viele andere Lagerflächen verdrängt.
Vier "Autoregale" schaffen zusätzlich Platz. Bremerhaven hat sich
zur internationalen Automobildrehscheibe mit über 900.000 Fahrzeugen
entwickelt.
Auf einer Fläche von 1 300
000 qm, davon 472.000 qm überdachte Stellfläche, stehen gleichzeitig
bis zu 70.000 Autos zum Weitertransport bereit.
Mit modernster Technik für
die Zukunft ausgerichtet: der Containerterminal, die größte
geschlossene Anlage dieser Art in Europa.
1998 wurde der dritte Bauabschnitt
des Containerterminals "Wilhelm Kaisen" fertiggestellt. Die Stromkaje wurde
um 700m verlängert. An den drei neuen Super-Post-Panmax Containerbrücken
können mit modernster Elektronik Containerschiffe der neuesten Generation
umgeschlagen werden.
Der Containerterminal Bremerhaven
verfügt somit jetzt über eine Gesamt-Kajenlänge von 3km
und eine Lagerfläche von 2,4 Mio. qm. Es steht genug Stellfläche
für 43.000 Container zur Verfügung.
Im Kaiserhafen findet man auch den alten Druckwasserdrehkran
von 1899 und zwar an der Barbarossapier gegenüber
den Motorenwerken MWB.
Der im Süden hinter einer Doppelschleuse liegende Fischereihafen beherbergt die Schichau Seebeckwerft, das Schaufenster Fischereihafen, Fisch-, Auktions-, Lagerhallen und Eishäuser.
Die Geschichte der Fischereihäfen
Friedrich Busse leitete seit 1868
die Entwicklung der Fischerei ein. Er gründete in Geestemünde
eine Fischgroßhandlung und bemühte sich um den Absatz von Seefisch
im Binnenland. Probleme bereiteten ihm allerdings die Unregelmäßigkeit
der Fischanlandungen. Er ließ mit der "Sagitta" den ersten Fischdampfer
bauen, der am 7. Februar 1885 zu seiner ersten Fangreise auslief. Bald
folgten weitere Fischdampfer und 1888 fand die erste Fischauktion in Geestemünde
statt.
Durch die Erfolge aufmerksam geworden,
bemühte man sich in Bremerhaven bald selbst um die Fischerei. Der
Alte Hafen wurde 1891 zum Fischereihafen umfunktioniert. Die erste Auktion
fand 1892 statt. 1914 waren am Alten Hafen vier Reedereien mit 33 Fahrzeugen
sowie 23 Fischhandels- und Industriebetriebe beheimatet.
Auch in Geestemünde wurde
zwischen 1891 und 1896 südlich der Geeste im ehemaligen Außendeichsgelände
ein Fischereihafen
gebaut. Schon bei der Eröffnung 1896 waren dort elf Reedereien mit
39 Fischdampfern sowie 26 Fischgroßhandelsfirmen ansässig.Von
großem Vorteil war der in der Nähe befindliche Versandbahnhof.
Während die Fischerei in Geestemünde nun rasch expandieren konnte,
wurden der Entwicklung in Bremerhaven enge Grenzen gesetzt. Die Verträge
zur letzten Erweiterung des Bremerhavener Stadtgebietes 1905 machten
eine weitere Ausdehnung des Fischereihafens unmöglich.
Nach dem Ersten Weltkrieg unternahm
man in Geestemünde wiederum große Anstrengungen zur Modernisierung
der Anlagen. 1920 wurde ein neuer Fischversandbahnhof fertiggestellt. Eine
großzügige Erweiterung der Hafenfläche im Wulsdorfer Außendeichsland
erfolgte von 1921 bis 1925. Wichtiges Kernstück war die neue Doppelschleuse.
Foto: Hans Saebens ("Bremerhaven",
1954)
Die Fischereihäfen I und II waren nun tiedeunabhängig- Grundlage für den Aufstieg zum größten Fischereihafen des Kontinents.
Foto: Saebens, (aus: "Bremerhaven",
1954)
Die Bedeutung der Bremerhavener Anlagen ging weiter zurück, obwohl hier 1927 noch das Fischindustriegebäude fertiggestellt wurde. Die Gründung der Fischereihafen Wesermünde-Bremerhaven GmbH führte dazu, daß 1935 die letzte Fischauktion am Alten Hafen stattfand. Die Nationalsozialisten erklärten Wesermünde propagandistisch zur "Stadt der Hochseefischerei"". 1938 erreichte die Zahl der in Wesermünde beheimateten Fischdampfer den Höchststand von 215. In den 50er Jahren führten Verbesserungen der Fangtechnik noch einmal zu einer letzten großen Blüte der Fischerei.
Fischereihafen- Packhalle
VI- Foto 1
Fischereihafen- Packhalle
VI- Foto 2
Fischereihafen- Packhalle-VI-
Foto 3
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Quellenangaben:
1) Uwe Weiher, Der Bau des Alten und Neuen Hafens- Keimzellen
der Seestadt, in: Geschichtsrückblick des Bremerhavener Kurier zum
Jahreswechsel ins Jahr 2000
2) Uwe Weiher, Die Geschichte der Fischereihäfen-
Kein Fisch ohne Anlagen, ebenda
3) Uwe Weiher, Die Erweiterung des Hafens Richtung Norden-
Lloyddampfer trieben Ausbau voran, ebenda
4) Prospekt der Seestadt Bremerhaven "Die Häfen
in Bremerhaven"
5) Bremerhaven- tätige Stadt im Nordseewind, 1954
(engl. Fassung), 1959 (dt. Fassung)
6) Georg Bessel, Geschichte Bremerhavens, Heimatbund
der Männer vom Morgenstern 1929