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50 Jahre Hochseefischerei Grundmann & Gröschel
1904-1954
Alles ist aus dem Wasser entsprungen...
Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß das Schicksal einiger erfolgreicher
Männer, die in Geestemünde-Bremerhaven am Aufstieg des Reedereiwesens
der Hochseefischerei entscheidend beteiligt waren, schon mit der "Großen
Fahrt" auf allen Meeren verknüpft gewesen ist, noch bevor sie sich in der
"Großen Hochseefischerei" eine neue Grundlage ihrer Existenz schufen.

Das Haus Hohenstauffenstraße 40 etwa um 1907. Im Keller anfangs Büro
der Reederei. Vorne vor dem Zaun die 3 Söhne Willy, Max und Johannes.
In dieser Reihe bewährter Fahrensleute gehören auch Bernhard Grundmann und
Ernst Gröschel, die am 19. Oktober 1904 auf dem am 11. November 1896 neu
erschlossenen Gelände des Fischereihafens in Geestemünde ihr Unternehmen als
Reeder von Fischdampfern eröffneten. Die Persönlichkeiten der Firmeninhaber
stellten- sinnbildlich genommen- eine glückliche Verkettung jener beiden
Polaritäten des modernen Seewesens dar, die mit den Begriffen Brücke und
Maschine bezeichnet werden. Der Kapitän Bernhard Grundmann hatte sich mit dem
Ingenieur Ernst Gröschel zu ersprießlicher Geschäftsgemeinschaft am
Fischereihafen verbunden, nachdem beide den Bereich der sieben Meere gekreuzt
und zuletzt noch mehrere Jahre hindurch auf Dampfern an der Chinaküste gedient
hatten. Bei der Gründung der Firma war Bernhard Grundmann 54 Jahre alt und
Ernst Gröschel stand im 45. Lebensjahr. Kapitän Grundmann hat den Aufstieg
seiner Firma miterleben können; er starb am 28. Februar 1933, während es Ernst
Gröschel vergönnt war, noch zehn Jahre länger die Leitung des Unternehmens in
Händen zu halten. Er wurde am 17. Dezember 1943, inmitten des zweiten
Weltkrieges und bedrückt von den Sorgen um die Zukunft, aus der Zeitlichkeit
abberufen.
Die seemännischen wie die technischen Erfahrungen der beiden Männer sind dem
Unternehmen in höchstem Maße zugute gekommen; denn schließlich kommt es ja
beim Fischdampfer, dem Schwerarbeiter der See, vor allem auf die Kenntnis der
Seemannschaft und der Maschine an.
Im Gründungsjahr der Reederei schienen die Vorzeichen für eine gedeihliche
Entfaltung der Hochseefischerei nicht ungünstig, hatten sich doch seit
Eröffnung des Fischereihafens die Anlandungen und Umsätze fast verdoppelt.
Erbrachte beispielsweise das erste volle Geschäftsjahr des neuen Hafens
26961765 Pfund Anlandungen mit einem Erlös von 2897890,- M, so waren diese
Ziffern für das Jahr 1904 auf 51179780 Pfund und 5300856,-M gestiegen.
Derartige Ergebnisse mochten den Schritt hinreichend rechtfertigen, den die
beiden seebefahrenen Männer unternahmen, um ihr neues Reedereigeschäft
hoffnungsvoll zu beginnen.
Als Kapitän Grundmann die Seefahrt aufgegeben hatte, war er zunächst
Korrespondentreeder der Firma A. Christiansen am Fischereihafen geworden und
hatte seinem Freund Ernst Gröschel das Amt eines Maschineninspektors
übertragen. Maßgebend beteiligt bei Christiansen war besonders der
Geestemünder Kaufmann Heinrich Lehnert, der wiederum in geschäftlicher und
verwandtschaftlicher Verbindung stand zu Fritz Homann, dem Gründer und Inhaber
der bekannten Margarinewerke in Dissen, Teutoburger Wald. Sowohl Lehnert wie
Homann und deren Söhne haben sich dann an den Dampfern der neugegründeten
Reederei Grundmann & Gröschel beteiligt und sind in enger Gemeinschaft mit
der Firma verbunden geblieben, was auch in der Namensgebung bei
Fischdampferneubauten zum Ausdruck gekommen ist. So wurde der erste Fischdampfer
"Fritz Homann" schon 1910 und der Fischdampfer "Heinrich
Lehnert" 1918 in Dienst gestellt.
Die Auflösung der Firma A. Christiansen brachte es mit sich, daß die Reederei
Grundmann & Gröschel mehrere ältere Dampfer von der Firma übernahm,
darunter die FD "Doggerbank", "Hornsriff", "Nixe",
"Nymphe", "Sonntag" und "Montag". Zwei Jahre nach
der Gründung (1906/07) besaß die Firma neun Dampfer, die eben genannten, sowie
"Max", "William" und "Spiekeroog". Ein Jahr vor
Ausbruch des ersten Weltkrieges (1913) gab die Reederei gleichzeitig den Bau von
sechs Fischdampfern von je 450 PS in Auftrag, wohl der größte Bauauftrag eine
Privatfirma innerhalb der Geschichte unserer Hochseefischerei. Nach
Fertigstellung dieser Einheiten führten damals 18 Fischdampfer die Hausflagge
der Firma Grundmann & Gröschel, ein sehr bemerkenswertes Ergebnis nach
knapp zehnjähriger Tätigkeit. Die älteren Dampfer waren nach und nach
verkauft worden.
Neben der Reederei spielten die Versorgungsbetriebe, die im neuen
Fischereihafengelände erbaut und eingerichtet wurden, eine wichtige Rolle. Es
wurden Werkstätten, Netzmacherei und ähnliches geschaffen.
Die besondere Aufmerksamkeit galt der Entwicklung des Fanggeschirrs; bei
Verbesserungen und wichtigen Neuerungen war die Reederei führend beteiligt. Es
ist der Leitung der Reederei Grundmann & Gröschel ferner zu danken, wenn
1908 der Löschbetrieb an der Kaje des Fischereihafens, der bis dahin mit dem
Bordgerät der Fischdampferwinden durchgeführt worden war, auf elektrische, an
Land stehende Winden umgestellt wurde. Diese Löschmethode hat sich gut bewährt
und ist heute noch in Betrieb. Auch an der Gründung der "Ersten Stock- und
Klippfischwerke" waren Grundmann & Gröschel maßgebend beteiligt; sie
standen immer mit in vorderster Linie unserer Hochseefischerei, getragen vom
Vertrauen ihrer Geschäftsfreunde und führender Bürger der Stadt.
Mit ungebrochener Tatkraft wurden die Rückschläge der schweren des ersten
Weltkrieges und der Folgezeit überwunden. Die zu einem großen Teil in Verlust
geratene Fischdampferflotte wurde größer und stärker wieder aufgebaut, um
auch in den entfernter liegenden Fanggründen unter Island, Grönland und
Barentssee fischen zu können.-
Reeder Ernst Gröschel und Frau Marie im Juni
1920 in Bad Salzschlirf

Reedereigebäude etwa um 1920. Im Vordergrund an der Kaje der FD „P.G.204 Ernst Braun“

Fischdampfer P.G.367
Ferdinand Niedermeyer, Baujahr 1925 Seebeckwerft

Empfang der Gäste auf der Taufkanzel durch den Reeder Ernst Gröschel. Auf dem
Helgen der Fischdampfer Dr.Rudolf Wahrendorff (1928)

Festreden aus Anlaß der Taufe und des Stapellaufs von P.G.387 „Hugo Homann“
(1929)

„Hugo Homann“ läuft vom Helgen 1929 Seebeckwerft

FD Fritz Homann, PG 335, läuft vom Helgen bei der Seebeck Werft 1930 (
hat bei der Indienststellung die Register-Nr. PG 395 bekommen)

Vor der Taufe von FD P.G.555 „Max
Gundelach“ auf der Seebeckwerft 1940 Reeder und Werftdirektoren

FD P.G.555 „Max Gundelach“ läuft vom Helgen bei der Seebeckwerft
1940. Der Fischdampfer ist 1943 nach einem Torpedotreffer gesunken.
Lebten die Gründer noch, so würden sie
sicherlich die Entwicklung gutheißen, die die Hochseefischerei, die im
zweiten Weltkrieg wiederum die größten Einheiten ihrer Flotte eingebüßt
hatte, genommen hat. Grundmann & Gröschel blicken mit Stolz auf die
Neubauten, die während der letzten Jahre in Dienst gestellt worden sind; zu
diesen gehören die beiden Dampfer "Ernst Gröschel" und
"Bernhard Grundmann", die 1949 und 1950 geliefert wurden, sowie die
vier Neubauten der Jahre 1952/53 und 1954 "Max Gundelach", "Hans
Homann", "Maria von Jever" und "Christian Homann".

Vor dem Stapellauf von FD B.X.523 „Ernst Gröschel“ auf der
Rickmerswerft 1949. Der erste Neubau nach 1945

Fischdampfer B.X.596 „Bernhard Grundmann“, gebaut 1950 auf der Rickmerswerft

Versteigerung des ersten Fangs von FD B.X.628 „Christian
Homann“, gebaut 1954 auf der Unterweserwerft
Ganz besonderer Dank gebührt der Familie Homann, Dissen, die zusammen mit
einigen Geschäftsfreunden Mittel und Wege gefunden hat, Grundmann &
Gröschel tatkräftig beim Wiederaufbau der Flotte zu unterstützen.
Neben den erheblichen Dampferverlusten im zweiten Weltkrieg wurde auch
der Landbetrieb im Jahre 1944 durch Feindeinwirkung fast vollständig
zerstört. Auf den Fundamenten der Ruinen ist in den folgenden Jahren auch der
Landbetrieb wieder als leistungsfähiger Ausrüstungs- und Versorgungsbetrieb
aufgebaut worden. Aber nicht nur der Krieg brachte Verluste. Im Laufe der Jahre
gingen die Dampfer "Montag", "Gebrüder Jürgens", über
deren Verbleib nichts Endgültiges bekannt geworden ist, sind nur immer einzelne
Besatzungsmitglieder deren von einem Seeunfall betroffenen Fischdampfer der
Reederei nicht glücklich in den Heimathafen zurückgekehrt.
Zusammen mit den Schiffen der Hochseefischerei Söhle KG; deren Bereederung die
Reederei Grundmann & Gröschel im Jahre 1953 übernahm, gehören zum Verband
der Hochseefischerei Grundmann & Gröschel heute elf Fischdampfer, die, wenn
auch nicht der Zahl, so doch der Leistungsfähigkeit nach dem Stand der
Vorkriegsflotte ungefähr entsprechen.
Der hingebungsvolle Einsatz der als Besatzung auf den Schiffen und in den
Landbetrieben beschäftigt gewesenen und noch beschäftigten Mitarbeiter hat
sehr viel zu diesem erfreulichen Wiederaufbau beigetragen.
Möge der Reederei mit ihren Nebenbetrieben auch in Zukunft der Erfolg nicht
versagt bleiben; damit der Name Grundmann & Gröschel in der deutschen
Hochseefischerei immer seinen guten Klang behält.
Grundmann & Gröschel
Druck: Nordwestdeutscher Verlag Ditzen & Co., Bremerhaven