![]()
![]()

![]()
![]()
![]()
![]()
"See-Agrarier mit viel Sinn für Humor
Karl Ernst Gröschel war erfolgreicher Reeder in
Geestemünde
Bremerhaven. Karl Ernst Gröschel (1859 bis 1943) war ein Original. Seine
Schecks stellte der Geestemünder Reeder zeitweise auf die
"Doggerbank" aus. Auch sonst hatte Gröschel etwas von
Münchhausen an sich. Dem Erfolg tat es keinen Abbruch. 1914 gehörten ihm 18
Fischdampfer.
Gröschel stammte aus Bonau in Sachsen. Nach seiner Ausbildung zum
Maschinenbauer arbeitete der junge Mann zunächst bei der Kaiserlichen Werft in
Wilhelmshaven. Später fuhr er insgesamt 17 Jahre zur See, zuletzt als
Obermaschinist.
Im Jahr 1899 eröffnete Gröschel ein maschinenbautechnisches Geschäft. 1900
ließ er sich in Bremerhaven nieder. Zuvor hatte ihm Kapitän Bernhard Grundmann
(1850 bis 1933) die Position eines Maschineninspektors angeboten. Grundmann war
Korrespondentenreeder für die im Geestemünder Fischereihafen angesiedelte
Reederei Christiansen. Nur wenig später (1904) gründete Gröschel zusammen mit
Grundmann eine Seefischgroßhandlung sowie die Fischdampfreederei Grundmann
& Gröschel. Das Unternehmen nutzte Schiffe der aufgelösten Reederei
Christiansen. Die Kombination aus Nautiker und Techniker an der Spitze der Firma
verlor die kaufmännischen Aspekte der Arbeit nie aus den Augen. Im Gegenteil:
1914 zählten 18 Fischdampfer zum Bestand- eine der größten Geestemünder
Reedereien. Schon 1909 leistete sich Gröschel ein repräsentatives Wohnhaus im
Geestemünder Villenviertel. Die Barbarossastraße trägt heute den Namen
Hohenstaufenstraße.

Das Haus Hohenstauffenstraße 40 etwa um 1907. Im Keller anfangs
Büro der Reederei. Vorne
vor dem Zaun die 3 Söhne Willy, Max und Johannes.
Unterstützung von Homann
Gröschels Firma verfügte über ausreichend Kapital. Die Flotte konnte
ständig auf dem neuesten Stand der Technik gehalten werden. 1913 ließ die
Reederei sechs Fischdampfer auf einmal bauen. Das war auch deshalb möglich,
weil sich mit dem Geestemünder Kaufmann Heinrich Lehnert und dem
Margarinehersteller Fritz Homann (Dissen, Teutoburger Wald) zwei finanzkräftige
Partner engagierten.
1918 schied Grundmann aus der Führung des Unternehmens aus. Nun übernahm Karl
Ernst Gröschel die Rolle als Vorstand ganz allein. Er ließ sich von den
Rückschlägen des Ersten Weltkriegs nicht irritieren und blieb bis weit in die
1930er Jahre hinein geschäftlich in der Erfolgsspur. Zu diesem Erfolg zählte
auch die Beteiligung an einer Reihe anderer Unternehmen- darunter die Ersten
Deutschen Stock- und Klippfischwerke.
Gröschel erwies sich als sehr beweglich und entwickelte viele Neuerungen im
Fischumschlag. Zudem galt er als Original. Schecks stellte er gerne auf die
"Doggerbank" aus und trug auch entsprechende Vordrucke bei sich.
Er nannte sich "See-Agrarier": "Ich ernte, ohne zu säen."
Die drei Söhne des Reeders führten die Firma Grundmann & Gröschel fort.
Mit Hilfe der Familie Homann konnte die Fischdampfer-Flotte nach dem Zweiten
Weltkrieg wieder aufgebaut werden. 1961 fusionierte das Unternehmen mit der
Hochseefischerei Kämpf.
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 20.12.2004
_________________________________________________
Literaturhinweis: Werner Beckmann, Die Reedereien der Hochsee- und
Heringsfischerei in Bremerhaven, Bremerhaven 2003, S. 101f