Jugendstil in der Kapitänskajüte
"Statsraad Lehmkuhl" 1914 auf der
Tecklenborg-Werft gebaut
Der Deutsche Schulschiff-Verein gab die Bark 1914 bei der Tecklenborg-Werft in
Geestemünde in Auftrag, wo sie als "Großherzog Friedrich August" vom
Stapel lief. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Schiff als Reparationsleistung
nach England, heute segelt es unter norwegischer Flagge: die "Statsraad
Lehmkuhl".
In England kaufte die Bergen Dampfschiffahrts-Gesellschaft den Segler und
schenkte ihn im Jahr 1923 dem Verband Bergens Skoleskib.
Für diesen Verband unternahm das Schiff als "Statsraad Lehmkuhl"
ausgedehnte Ausbildungsreisen. Nach der Beschlagnahmung durch deutsche
Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg diente der 98 Meter lange Segler
zunächst als Depotschiff und nach Kriegsende wieder als Schulschiff unter
Segeln.
Die hohen Unterhaltskosten zwangen die Eigner, das Schiff zeitweise
stillzulegen. Inzwischen ist es der Stiftung Segelschiff Statsraad Lehmkuhl aber
gelungen, die Bark wieder aktiv zu segeln. Zunächst reichte es nur zu kleinen
Törns zu den kleinen Inseln vor Bergen, doch vor 14 Jahren war es mit neuen
Segeln dank einer Charter aus Bremerhaven möglich, zur Sail 1986 erstmals
wieder einen großen Törn zu segeln.
Seitdem segelt die "Statsraad Lehmkuhl" aktiv mit Gruppen von
Trainees vor allem in Nord- und Ostsee. Die an der Unterweser gebaute Bark
ist Norwegens größtes und ältestes rahgetakeltes Schiff, das sich bei
Regatten zwischen 1960 und 1970 auch als sehr schneller Segler erwiesen hatte.
Darüber hinaus stellt das Schiff den ältesten Rahsegler dar, der weltweit noch
in Fahrt ist. Im Jahr 1994 feierte die Bark während eines Besuches in
Bremerhaven ihren 80. Geburtstag.
2000 Quadratmeter Segel
Die Stiftung in Bergen pflegt das Schiff, das über eine Segelfläche von
2000 Quadratmetern verfügt, in seinem klassischen Stil und bewahrt vor allem
auch unter Deck die Jugendstilelemente in der Kapitänskajüte und den
Niedergängen: Diese stammen noch aus dem Jahr 1914.
Nordsee-Zeitung vom 15. August 2000