Neuer Diesel für Polarsegler
"Groenland" erhält ersten Motor einer neuen Baureihe- Oldtimer muss schwarze Zahlen einfahren

Vom Himmel hoch, da kam er her-  der neue Motor für den Polarsegler "Grönland". Der älteste noch aktive Segel-Oldtimer Deutschlands hat jetzt auch noch den modernsten Motor: das erste Exemplar der Baureihe 1013 M, das beim Kölner Maschinenhersteller Deutz vom Band gelaufen ist.

Am Haken eines Autokrans der Feuerwehr schwebte das Kraftpaket gestern Mittag in den Maschinenraum der "Grönland". Dort geht die Fummelarbeit jetzt richtig los: Bis zur traditionellen Himmelfahrtstour nach Helgoland soll der Diesel große Töne spucken- und das möglichst zuverlässig bei Wind und Wetter. "Denn auf See gibt es keine Tankstellen" erklärt Chefingenieur Dieter Oelkers augenzwinkernd.
Der ehrenamtliche "Chief" ist auf die Grönland zurückgekehrt. Ende der 70er Jahre gehörte er bereits zu den ersten Freiwilligen, die den alten Frachten-
segler wieder in Schuss brachten. Eigentlich sollte der Betrieb des Oldtimers jetzt in jüngere Hände übergehen. Aber die "Alten" waren nicht zufrieden mit dem, was aus "ihrem" Schiff unter der neuen Regie wurde.

65 000 Mark Verlust
Als sich die roten Zahlen auf 65 000 Mark binnen dreier Jahre addierten, zog der Eigner des Seglers, das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM), die Notbremse. "Dieses Schiff muss sich selbst tragen", sagt DSM-Verwaltungsleiter Erich Wilke. "Wir können die Verluste nicht mehr aus dem Museumshaushalt ausgleichen." 
 
Also wurde die alte Crew um "Chief" Oelkers reaktiviert. Sie muss das ehemalige Polarforschungsschiff wieder in die schwarzen Zahlen steuern- sonst droht dem  mehr als 130 Jahre alten Schiff die Stilllegung. Der neue Motor- gesponsort vom Technikmuseum U-Boot "Wilhelm Bauer" und vom Hersteller- soll das verhindern helfen. Der alte Diesel pustete viel heiße Luft ins Schiff- das Holz trocknete aus, und die Kapitänskajüte über dem Maschinenraum verwandelte sich in eine Sauna. Das neue Modell ist wasser-
gekühlt und leiser als sein Vorläufer- damit nicht nur der Käpt`n wieder ruhig schlafen kann.
Am 3. Juli gehen die "Grönland und ihr neuer Motor auf große  Fahrt: nach Brest zu einem Windjammer-Treffen. Mit Gästefahrten will sich die neue/alte Crew dort auch finanziell wieder über Wasser halten.

Nordsee-Zeitung vom 26.02.2000