Segel und Seil statt Stethoskop
Oberärztin und pensionierter Kapitän brechen zu dreijähriger Weltumsegelung auf- Entlang der "Barfußroute"
Abends unter freiem Himmel einschlafen. Die Sterne sehen. Am Morgen aufwachen und ins Wasser springen.
"Das hat was von Freiheit", sagen Katrin Hennings und Reinhart Bein.
Schon auf der Ostsee hätten sie das sehr genossen. Jetzt aber geht ihre Reise
noch Tausende Seemeilen weiter: Die beiden umsegeln die Welt.
Ihr geräumiges Zuhause und das geregelte Leben tauschen sie für die
nächsten drei Jahre gegen enge Kojen sowie eine schmale Kombüse- und erleben
dafür die große Freiheit. Die Wohnung ist leer geräumt, die Möbel bei
Freunden untergestellt. An Bord der "Grete Friedrichskoog" im Neuen
Hafen stapeln sich indessen unter Deck Bücher, CDs, Kleidung und Konserven.
Um mit dem 65 Jahre alten Holzschiff sicher über die Weltmeere schippern zu
können, wurde die Sicherheitsausrüstung auf den neuesten Stand gebracht: An
Bord des Seglers befinden sich eine Selbststeueranlage, ein Laptop mit Wetterfax
und eine Solar- und Windenergie-Anlage.
Vor knapp drei Jahren hatte die 41-jährige Bremerhavenerin die Idee, sich eine
Auszeit zu nehmen, um die Welt kennen zu lernen. Bereits während ihres
Medizinstudiums in Hamburg zog es sie in die Ferne: Sie lebte und arbeitete
Malawi in Afrika und im schottischen Glasgow. Auch als
"Rucksacktouristin" habe sie immer versucht, jenseits der
touristischen Attraktionen Land und Leute kennen zu lernen.
Doch der Oberärztin der Kinderklinik des Krankenhauses am Bürgerpark habe es
immer an etwas gemangelt- an Zeit. Die will sie sich jetzt mit ihrem
Lebensgefährten nehmen. Vor fünf Jahren hat sie ihn kennen gelernt- auf dem
Segelschiff "- Alexander von Humboldt". Durch Reinhart Bein,
pensionierter Kapitän, der erst 14 Jahre zur See fuhr und dann 20 Jahre
Flugkapitän war, entdeckte sie ihre Liebe zum Wasser.
Viele Fragen ungeklärt
Bevor die Weltenbummler in Sees stechen, mussten viele Fragen geklärt
werden: "Welche Route wollen wir nehmen? "Was wollen wir sehen?"
"Wie meiden wir Taifune und Hurrikans?" Über zwei Jahre haben die
Vorbereitungen gedauert. Das Ergebnis ist die "Barfußroute": Städte
und Länder am Mittelmeer, der Südsee und in der Karibik. "Eben dort, wo
es warm ist", sagt der 64-Jährige. Manchmal habe Katrin Hennings Ungeduld
befallen, mal seien ihr Zweifel gekommen, die Stelle am Krankenhaus nach 14
Jahren aufzugeben, Spritze und Stethoskop gegen Seil und Segel zu tauschen. Doch
Familie und Freunde haben sie immer wieder in dem bestätigt, was sie eigentlich
selber weiß: "Mach das bloß, denn es ist eine einmalige
Gelegenheit."
Rückkehr zur Sail 2005
In Südengland werden die beiden die ersten Mitsegler an Bord begrüßen-
denn der Blauwassersegler bietet Platz für fünf. Weitere Informationen
gibt es unter www.blauwassergrete.de.
Ihre Rückkehr haben die beiden Segler pünktlich zur Sail 2005 geplant. Sie
sind sich sicher, dass die Reise sie prägen und verändern wird:
"Auf See lebt man völlig anders, und man merkt, mit wie wenig man
eigentlich glücklich sein kann."
Nordsee-Zeitung vom 8. Juni 2002