Fährhaus an der Geeste


Schuhkarton bekommt Charakter
Das alte Fährhaus an der Geeste wird nach historischen Vorgaben saniert- Neues Domizil für das Design-Labor

Mit einem neuen Kapitel für das Design-Labor wird ein altes Kapitel der Stadtgeschichte lebendig: Bevor die Designer in das Fährhaus an der Geeste umziehen, soll das baulich völlig entstellte Haus nach historischen Vorgaben saniert werden. Keine Rekonstruktion, aber eine Annäherung an den früheren Zustand.

Das 1912 am Geestevorhafen errichtete Fährhaus war 1944 durch Brandbomben schwer beschädigt worden. Wo vorher die Beletage war, ein turmgekröntes Dachgeschoss mit der Wohnung des Direktors der Fährschiffgesellschaft, klaffte nur noch ein Loch. Es wurde 1950 mit einem schlichten Dach gedeckelt. Der Einbau von Glasbausteinen und Kippfenstern in stilfremden Formaten gaben dem ehemals prachtvollen Gebäude den Rest. Von den Warteräumen erster bis vierter Klasse, dem Restaurant, der Terrasse mit Weserblick und der repräsentativen Gepäckaufgabe war danach nichts mehr übrig geblieben.
                Einzige charakteristische Überbleibsel aus jener Zeit sind die geradezu hochherrschaftliche Treppe ins Oberschoss und die Säulenvorhalle mit den Wappen der früheren Gesellschafter: der Städte Geeste, Lehe, Bremerhaven und Nordenham, des Oldenburger Staates, der Gemeinde Blexen, des Amtsverbandes Butjadingen, der Midgard Deutsche Seeverkehrs AG, J.Frerichs & Cie. AG und der Norddeutschen Seekabelwerke in Nordenham.
An diesen Relikten orientiert sich die neue Gestaltung des Gebäudes, das von der Städtischen Wohnungsgesellschaft (Stäwog) mit Unterstützung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS für die Zwecke des Design-Labors umgebaut werden soll. "Zurzeit ist das Haus nicht mehr als ein Schuhkarton", sagt Stäwog- Geschäftsführer Christian Bruns. "Der inhaltliche Anspruch des Design-Labors muss sich aber auch nach außen irgendwie dokumentieren.
                Eine Rekonstruktion des alten Daches kommt wegen der begrenzten Finanzmittel nicht in Frage. Bruns: "Das wäre viel zu teuer, außerdem würde der Platz auch gar nicht benötigt." Dennoch soll das neue Dach eine steilere Neigung bekommen und- wenn das Geld noch reicht- mit einem Flaggenturm gekrönt werden. Die Glasbausteine verschwinden, stilfremde Fenster werden durch Fenster in den ursprünglichen Formaten ersetzt.
In der ersten Etage wollen die Umbau-Architekten einen 250 Quadratmeter großen Arbeitsraum schaffen. Ähnlich jenem, den die Stipendiaten des Design-
Labors zurzeit im alten Stadtbad zur Verfügung haben. Außerdem wird im Obergeschoss eine geräumige Küche untergebracht, in der die jungen Designer auch an einem großen Tisch zusammensitzen können. "Die leben ja praktisch dort", hat Bruns erfahren. Wie man aus Großfamilien wisse, sei die Küche oft der kommunikativste Ort.

Gutachten
Die Kosten für den Umbau werden auf zwei Millionen Mark geschätzt. Inklusive Ankauf des Grundstücks von der Stadt. 1,2 Millionen Mark kommen aus Landesmitteln, die restlichen 800 000 will die Stäwog über die Miete wieder hereinbekommen. Genau gerechnet werden kann allerdings erst dann, wenn ein Gutachten über die Beschaffenheit der Holzdecken vorliegt.
"Unsere größte Sorge ist der Keller", meint der Stäwog-Chef. "der ist zurzeit nur mit Gummistiefeln betretbar." Doch was auch immer die Gutachter zu Tage fördern sollten: "Mit dem Geld müssen wir auf jeden Fall auskommen."

Nordsee-Zeitung vom 15. September 2001

Fotos Peter Müller

Foto: Peter Müller 4/2002