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Der Fischhaken hat ausgedient
Sortiermaschine ersetzt die Arbeiter in der
Auktionshalle X
Montagmorgen, 6 Uhr. Die Möwen über dem Fischereihafen kreischen noch
ein bisschen aufgeregter als sonst. Vor Halle X liegt fette Beute: Der Trawler
"Dala Rafn" ist von einer Fangreise aus dem Nordatlantik zurück-
gekehrt. An Bord: 2200 Zentner Rotbarsch für die Fischauktion.
Neun Tage lang haben Kapitän Brynjulfur Gardarsson und seine Crew vor den
isländischen Westmänner-Inseln gefischt. Bis in eine Tiefe von 1000 Metern
verfolgten sie den Rotbarsch, der jetzt im Bauch des Trawlers auf Eis liegt.
Die Reise nach Bremerhaven kostete Gardarsson weitere vier Tage. Immer weniger
Fischdampferkapitäne nehmen den weiten Weg auf sich. Konsequenz: Die Auktion
ist nur noch ein Schatten einstiger Größe: Kamen 1960 mehr als 220.000 Tonnen
Fisch in Halle X unter den Hammer, waren es im vergangenen Jahr gerade noch
12.000 Tonnen- fast ausschließlich isländischer Rotbarsch. Der Trend zum
Fischstäbchen, der Niedergang der deutschen Trawlerflotte und neue
Vertriebswege haben die Auktion in eine Nische des Fischereihafens verbannt.
Ketten klirren, Kommandos hallen durch die Dunkelheit. Vom Zwischendeck der
"Dala Rafn" aus beobachtet Vormann Horst Jüngling, wie die beiden
"Anpicker" im Laderaum eine Riesenkiste Rotbarsch an das Krangeschirr
hängen. Der Fischhaken, den er sich unter den Arm geklemmt hat, ist ein
Überbleibsel aus der Zeit, als sich die Fischlöscher mit der Eisenkralle
durch losen Fisch im Laderaum pickten. Heute lagert der Rotbarsch an Bord in
großen Plastikwannen- "Skips" oder "Jumbos" genannt. Die
Arbeit erledigt sich dadurch fast im Handumdrehen: "Wir brauchen ungefähr
sechs bis sieben Stunden, um den Fisch zu löschen", sagt Heiko
Grube, Betriebs-
leiter in Halle X.
Auch in der großen Halle selbst ist nichts, wie es einmal war, seit der
Isländer Samuel Hreinson die staatliche Auktion vor drei Jahren übernommen
hat. Wurde der Fisch früher von Hand sortiert, hat heute eine Maschine diesen
Job übernommen. Schneller, als sie zu Lebzeiten je geschwommen sind, sausen die
Rotbarsche über das Förderband. Eine Computerwaage registriert in
Sekundenbruchteilen ihr Gewicht und weist jedem Fisch eine Kiste zu: Rotbarsch
III. Sorte (400-700 Gramm)- Kiste eins und zwei, II. Sorte, die gängigste
Gewichtsklasse bei Rotbarsch. (700-2000 Gramm)- Kiste drei bis acht. Klipp,
klapp. Der Computer hat alles im Griff: Eine Klappe schnellt aufs Förderband
und schubst den Fisch in die vorbestimmte Kiste.
7 Uhr. Die Fischhändler begutachten das Angebot. Ein flüchtiger Blick genügt:
Klare Augen, rote Kiemen, glänzende Haut zeichnen den frischen Rotbarsch aus-
sind die toten Augen schon trübe, ist es auch mit der Frische nicht mehr weit
her. 4,45 Mark pro Kilo erlöst der Rotbarsch der "Dala Rafn" an
diesem Morgen im Schnitt- ein guter Preis für Kapitän Gardarsson und
seine Crew.
Nordsee-Zeitung vom 27. Februar 2001