"Ranzow" setzt Seezeichen
Neubau von Fassmer für das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund-Geringer Tiefgang

Berne. Die Schiffs- und Bootswerft Fr. Fassmer & Co. aus Berne lieferte das 32-Meter-Seezeichenschiff "Ranzow" an das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund. Es ersetzt den Tonnenleger der Typenklasse SK 64/76 sowie Seezeichenkontrollboote aus den Jahren 1968 und 1977.

Die alten Fahrzeuge, die die Behörde vom Seehydrographischen Dienst übernahm, entsprachen nicht mehr den heutigen technischen und wirtschaft-
lichen Ansprüchen an ein modernes Seezeichenschiff. Das neue 32- zwischen den Loten 29,80- Meter und 8,50 Meter- breite Typschiff mit einer Seitenhöhe von 2,94 Meter und der Eisklasse E1 wurde für die spezifischen Revierbedin-
gungen im Bereich des Wasser- und Schifffahrtsamtes Strahlsund mit engen, flachen Fahrwassern und speziellen Seegangbedingungen sowie hohem Eisauf-
kommen und beschränkten Durchfahrtshöhen konstruiert.
Das Aufgabenfeld für die "Ranzow" geht über die Verlegung sowie den Transport von Schifffahrtszeichen über die Suche nach Hindernissen durch geortete Peilung, den Personen- und Material-Transport, Schlepp- und Verhol-
arbeiten, Aufsichts- und Kontrollfahrten, Verkehrsicherungs- und -lenkungs-
aufgaben, Wasserbauarbeiten, gewässerkundliche Arbeiten mit Peilung bis hin zu Eisbrechaufgaben und Hilfsdiensten bei Havarien.

Gelungene Kompromisse
Gleichzeitig galt es die Tiefgangsbeschränkung von nur 1,7 Meter bei einer Geschwindigkeitsanforderung von 12 Knoten sowie Stabilitätsanforderungen  wegen der Kranaufbauten einzuhalten. Die Summe dieser vielfältigen Aufgaben-
stellung führte dazu, das die Formgebung des Rumpfes keine einseitige Optimierung ist, sondern ein Kompromiss zwischen den zahlreichen Betriebs-
anforderungen darstellt.
Auch für das Antriebskonzept mussten sich die Schiffbauer einiges einfallen lassen: Es sollte wirtschaftlich sein, muss aber gleichzeitig den hohen Beanspruchungen des Eisschlages standhalten und möglichst leicht sein. Der Antrieb basiert auf zwei schnellaufenden MTU-Antriebsmotoren der Baureihe 8V2000 mit einer Leistung von je 420 Kilowatt bei 1800 Umdrehungen pro Minute. Sie treiben die "Ranzow" über ein einstufiges Untersetzungs- und Schaltgetriebe auf eine Verstellpropelleranlage an.
Zum Schutz der Motoren bei Fahrt durch Eis wurde zwischen Getrieben und den Antrieb eine Turbokupplung eingebaut. Für gute Manövriereigenschaften sorgen zwei Hochleistungsflossenruder und ein Bugstrahlruder mit einer Leistung von 125 Kilowatt. Zur Bedienung und Überwachung der Antriebsanlage ist das Komplettsystem von MTU MC-5 Typ mit Monitorsystem zur visuellen Darstellung aller für die Schiffsführung wichtigen Informationen installiert.
Die Fertigung des Stahlrumpfes erfolgte auf der Yantar-Werft in Kaliningrad. Für den vorderen Decksaufbau und das Ruderhaus setzten die Schiffbauer aus Gewichtsgründen seewasserbeständiges Aluminium ein. Neben dem Deckkran mit einer Tragkraft von vier Tonnen bei 8,75 Meter Ausladung gehören das mit Holz beplankte Arbeitsdeck mit etwa 122 Quadratmeter Arbeitsfläche wie ein Bereitschaftsboot und ein umfangreiches PU-Fendersystem zur Ausrüstung. Die Einrichtung ist für eine Besatzung von vier Personen ausgelegt. Das Schiff kann von zwei Fahrständen auf der Brücken gefahren werden.

Nordsee-Zeitung vom 20. Januar 2001