Retter vor Flammen und Untergang
Kapitän Emil Zander: Auszeichnung für Tapferkeit

Das Baugebiet auf dem Gelände der ehemaligen Rickmers-Werft wird zum Kapitänsviertel. Die Namen der künftigen Wohnstraßen sollen an Kapitäne von Schiffen erinnern, die einst bei Rickmers gebaut wurden oder für den Norddeutschen Lloyd fuhren. Einer von ihnen ist Kapitän Emil Zander.

Zwischen 1898 und 1900 erlebte Emil Zander gleich zwei Schiffsunglücke mit. Bei einem Schiffsuntergang wurde er zum Retter und später für seinen Einsatz geehrt. Als die Piers des Norddeutschen Lloyd in den USA brannten, ging es für den Kapitän ums nackte Überleben.
Zander, 1869 in Neuss im Rheinland (nahe Düsseldorf) geboren, reiste nach dem Besuch des Gymnasiums mehrere Jahre als Schiffsjunge, Leichtmatrose und Matrose auf deutschen und englischen Segelschiffen über die Meere. An der Seefahrtsschule in Elsfleth durchlief er anschließend eine Ausbildung zum Steuermann und kam 1892 auf das Segelschiff "Standard".
1895 legte Emil Zander das Schiffsexamen ab und leistete in der folgenden Zeit bei der Marine seinen Militärdienst. Die Reederei Norddeutscher Lloyd stellte ihn im Jahr darauf als Offizier ein.

Untergang der "Pago"
Als Führer eines Rettungsbootes konnte sich Emil Zander am 27. Januar 1898 hohe Verdienste erwerben: Bei schwerem Wetter ging der englische Dampfer "Pago" im Nordatlantik unter. Zander rettete die Besatzung. Für seinen Einsatz erhielt er gleich mehrere Rettungsmedaillen: die deutsche, die der britischen Regierung und die der Stadt New York.
Bereits 1900 wurde Zander erneut schwer geprüft. Am 30. Juni brach an den Piers des Norddeutschen Lloyds in der nordamerikanischen Stadt Hoboken ein Großbrand aus. Das Feuer griff auch auf den Dampfer "Saale" über, auf dem Zander als Zweiter Offizier fuhr. Vergeblich versuchte er, das Schiff zu retten und musste schließlich in den Hudson springen. Erst einige Stunden später rettete ihn die Besatzung eines Schleppers.
In der Geschichte des Norddeutschen Lloyds stellt der Brand wohl die größte Katastrophe dar. Mehr als 300 Menschen kamen in den Flammen ums Leben oder ertranken im Fluss.

Fünf Jahre Wiederaufbau
Drei Lloyd-Schiffe wurden schwer beschädigt oder zerstört: Die "Bremen" und die "Main" brannten aus, konnten aber in den folgenden Monaten repariert werden. Die "Saale" sank auf dem Fluss und wurde später zum Schrottpreis verkauft. Der Wiederaufbau der Pieranlagen dauerte mehr als fünf Jahre.
Der Norddeutsche Lloyd ernannte Zander 1902 zunächst zum Ersten Offizier des Segelschulschiffs "Herzogin Sophie Chalotte" und 1903 zum Kapitän. Nach vier Jahren in dieser Funktion übernahm er 1908 das Kommando des belgischen Segelschulschiffs  "L`Avenir", das auf der Rickmers-Werft gebaut worden war.
Fast vier Jahre war Zander Kapitän des Schiffes. 1913 übertrug ihm der Norddeutsche Lloyd die Führung der Dampfer "Norderney" und "Prinz Heinrich". Nach Ausbruch des Krieges ernannte ihn die Marine zum Leiter des Sperrverbandes Ostsee, wo er Minenleger befehligte.
1919 wurde Emil Zander bei der Deutschen Seewarte Leiter der Abteilung, die Angaben für Seehandbücher bearbeitete. Der Norddeutsche Lloyd ernannte ihn 1921 zum Agenturleiter in Bremerhaven. Schwerpunkt seiner Arbeit in den folgenden Jahren war der Wiederaufbau des Passagier-
dampferverkehrs nach Nord- und Südamerika.
1930 starb Emil Zander im Alter von 61 Jahren unerwartet an einem schweren Herzleiden. Sein Sohn, Dr. Erich Zander, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Justizsenator des Landes Bremen und Vizepräsident der Bremer Bürgerschaft.

Nordsee-Zeitung vom 21. Juli 2001