Relikt aus der Windjammerzeit
Drehkran hat 100 Jahre lang das Gesicht der Lloydstraße mit geprägt

Drehkran, Foto: Peter Müller 2/2002

Bremerhaven. Das war vor 25 Jahren. Die NORDSEE-ZEITUNG berichtete über einen kleinen Drehkran, der nach 100 Jahren am Neuen Hafen vors Schiffahrtsmuseum versetzt wurde.

100 Jahre hat der kleine Drehkran das Gesicht der Lloydstraße mit geprägt. Von der Kaje am Neuen Hafen ragte dieses Relikt der alten Windjammerzeit in das Straßenbild hinein und spiegelte sich in den letzten Jahrzehnten in den Fenstern von Autos und Bussen wider. Jetzt hat die Lloydstraße dieses Wahrzeichen verloren. Es wird im Freigelände des Deutschen Schiffahrtsmuseums aufgestellt.
                Die Liebhaber von Denkmälern der Technik haben den Wert der alten Drehkräne, die rings um den Neuen Hafen standen, zu spät erkannt. Noch vor zehn Jahren gab es mehrere dieser Kräne. Der Initiative von Männern im Hansestadt Bremischen Amt ist es zu verdanken, dass der Kran an der Lloydstraße nicht den Schrotthändlern zum Opfer fiel. Das Amt ließ dieses Stück konservieren und die Funktionstüchtigkeit erhalten, so dass an dieser Stelle des toten Hafens stets ein Hebewerkzeug in Bereitschaft stand.

Anschauungsstück
Den Experten des Deutschen Schiffahrtsmuseums fehlte solch ein Kran gerade noch in ihren Außenanlagen als Anschauungsstück dafür, wie Windjammer früher ihre Ladung an Bord bekamen. Sie ließen den Kran deshalb vor der "Seuten Deern" aufbauen. Dort nimmt er eine solch beherrschende Stellung ein, dass das gute alte Eiseninstrument einmal zu einem der meistfotografierten Objekte der Seestadt werden könnte.


Foto Peter Müller 2/2002

1875 geliefert
Die Kräne für den Neuen Hafen hatte die Niedersächsische Maschinenbaufabrik, vormals Conrad Schiedt, 1857 aus Görlitz geliefert. Bei 18 Meter Auslage trugen die starken Arme damals 12,5 Tonnen, eine Leistung, die der Zahn der Zeit nach 100 Jahren merklich verringert hat. Wie solide diese Kräne gebaut sind, erlebten die HBA-Techniker, als ein Schwimmkran den kleinen Bruder aus seinem Fundament zog. Der sechs Meter lange eiserne Sockel ist durch die Feuchtigkeit noch so gut erhalten, als streckte er erst wenige Jahre in der Erde.
Das neue Fundament vor dem Schiffahrtsmuseum wird dem Kran aus Beton bereitet, aus dem der Sockel nicht mehr befreit werden könnte. An dem neuen Standort kann er auch nicht mehr gedreht werden. Über eine Kurbel, eine Trommel, Zahnräder und Ketten lässt sich der Block mit dem Haken allerdings noch immer anhieven. An solchen Kurbeln hatten zwei Generationen Bremerhavener Hafenarbeiter ihren Schweiß vergossen. Deshalb dürften die Alten unter ihnen den Kran mit gemischteren Gefühlen betrachten als die Liebhaber von Technik-Denkmälern.

Nordsee-Zeitung vom 10. August 2000