Altes Stück Hafen hat nur noch Schrottwert
Drehbrücken in Schleusenstraße weichen Klappbrücke- 1876 fertig gestellt

60 Euro pro Tonne Schrott- das ist alles, was die Drehbrücke zwischen Neuem und Kaiserhafen noch wert ist. Seit Wochenbeginn zerlegen Arbeiter das Altmetall mit Schweißbrennern in handliche Stücke. Ein langes Kapitel Hafengeschichte endet als Futter für die gefräßigen Stahlkonverter der Bremer Hütte.

Foto: Peter Müller, 2/2002

Die Hände tief in die Taschen gestopft, steht Hans-Heinrich Lütje, Chef der Schrotthandelsfirma Schröder, an der Kaje und beobachtet seine Männer bei der Arbeit. Die Funken der Schweißbrenner fliegen in dem strammen Westwind meterweit. "14 Tage, dann ist das Ding weg", sagt Lütje, der Mann fürs Grobe.
                Fast 130 Jahre lang überbrückte "das Ding" den Hafen im Verlauf der Schleusenstraße- seit 1876, als der Kaiserhafen Richtung Norden wuchs und die Stadt von der Weser abschnitt. Ingenieure konstruierten zwei drehbare Brücken: eine für Pferdefuhrwerke, die andere für die Eisenbahn.
Loks und Kutschen haben ausgedient, jetzt geht es auch den Brücken an den Kragen: "Die Tragfähigkeit liegt bei nur 24 Tonnen", erklärt Rüdiger Staats, Sprecher der Hafenbetriebsgesellschaft  Bremen-Ports. Für die schweren Laster und Kräne, die künftig via Schleusenstraße in den Hafen rollen, reicht das nicht.

Foto: Peter Müller, 2/2002

Deshalb erhält der schmale Durchstich zwischen den beiden Hafenbecken eine neue Klappbrücke- ähnlich wie die Fischereihafenschleuse vor drei Jahren. Geplanter Fertigstellungstermin: September.
Bis dahin haben die Planer der nördlichen der beiden Drehbrücken- der ehemaligen Eisenbahnbrücke- noch eine Gnadenfrist eingeräumt: Sie soll während der Bauarbeiten die Verbindung zu ihrem Deich aufrecht erhalten. Dann geht auch sie den Weg allen alten Eisens: knapp 200 Tonnen Schrott für die Stahlwerke Bremen. Vielleicht wird einmal ein schicker Mercedes draus. Oder ein Kühlschrank.

Nordsee-Zeitung vom 13. Februar 2002