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Leben ohne Langeweile
Lloyd Werft-Geschäftsführer Dieter Haake geht in
Ruhestand
Irgendwann einmal ist alles Geschichte und immer gibt es Menschen, die diese
Geschichte geschrieben haben. Im Fall der Bremerhavener Lloyd Werft ist es der
Geschäftsführer Dieter Haake. Nach 35 Jahren auf der Werft geht er in
Ruhestand.
Am 31. Mai 2000 ist es soweit. Dann wird Haake von seinem Büro aus zum letzten
Mal über das Werftgelände blicken. Als er 1965 als Maschinen-
bau-Ingenieur bei der Lloyd Werft anfing, hat der damals 29-Jährige sich seine
Zukunft nicht träumen lassen. "Ich habe seinerzeit nicht damit gerechnet,
hier mal Geschäftsführer zu werden- so vermessen war ich nicht" sagt
Haake heute. "Aber wenn man so auf das Karussel aufspringt, muss man
mitfahren. Die Menschen, die hier tätig waren- damals und heute- haben es mir
angetan, und das habe ich bis zum heutigen Tag nicht bereut."
Erster Mann an Deck
Von der reinen Reparaturwerft für Tanker entwickelte sich die Lloyd Werft
über Jahre zum weltweit angesehenen Spezialisten im Um- und Ausbau von
Kreuzfahrtschiffen. Ein Verdienst, der mit auf das Konto von Dieter
Haake geht. "Unvergessen ist sicherlich der Umbau der "France" in
die "Norway" im Jahr 1979. Als sozusagen erster Mann an Deck habe ich
diesen Umbau damals geleitet. Das Ergebnis war sehr positiv: Ich wurde danach
zum Geschäftsführer befördert. Das ist eigentlich, was mich betrifft, das
herausragende Ereignis in den vergangenen 35 Jahren."
Ansonsten hat der Geschäftsführer selten an sich gedacht. Selbst bei der Frage
nach dem schlimmsten Ereignis während seiner Werftzeit, redet Dieter Haake
nicht vom Zusammenbruch des Vulkan-Werftenverbundes, von finanziellen
Verlusten und von Konkurs: "Besonders fatal war es immer, wenn es Unfälle
gab. Das war für mich immer das Schlimmste. Gott sei Dank hatten wir in den
vergangenen Jahren keine". Tragisch sei auch der Personalabbau gewesen. Von
den 1800 Arbeitern und Angestellten im Jahr 1965 sind heute nur noch 450 übrig.
"Ein Großteil dieser Kündigungen trägt meinen Namen, und das ist mir
sehr nahe gegangen" sagt Haake.
Rund 3000 Schiffs-Dockungen hat der Werft-Chef während seiner Zeit auf der
Lloyd Werft erlebt. Gibt es bei einer derartigen Routine Momente im Schiffbau,
die ihn packen? "Ja, natürlich. Wenn zum Beispiel die großen Kreuzfahrer
mit einem Schiffsgewicht von über 50 000 Tonnen im Dock trockenfallen- das ist
schon was Besonderes. Dann knirschen die Kielstapel und es wird einem etwas
ungeheuer, wenn man das erlebt."
Apropos
erleben- das wird Dieter Haake auch, wenn er im Ruhestand ist: "Bis
September bin ich schon ausgebucht. Ich habe in meinem ganzen Leben nie
Langeweile gehabt, und das wird wohl auch zukünftig nicht so sein."
Quelle: Sonntagsjournal vom 28.05.2000