Drachenköpfe aus Neuseeland
Trend zu seltenen Köstlichkeiten- Deutsche See kauft Feinfisch auf allen Kontinenten

Wenn der Starkoch Johann Lafer Steinbutt auf die Speisekarte schreibt oder der Schauspieler Mario Adorf im Fürstenhof in Celle einen Petersfisch bestellt, dann kommt der Fisch von der Deutschen See. In Berlin beliefert Deutschlands führender Großhändler beinahe alle Top-Häuser. Der Trend geht zum Feinfisch.

Im Sommer vergangenen Jahres hat das Unternehmen eine Marketingkam-
pagne in gehobenen Hotels und Restaurants gestartet, mehr Feinfisch zu servieren: Zanderfilet oder Gotteslachs, Angelwolfsbarsch und Papageien-
fisch zum Beispiel. "National sind wir der führende Anbieter von Fisch und Meeresfrüchten", sagt Martin Lipski, Prokurist der Deutschen See. Im Supermarkt gibt es aber noch keinen Angelsteinbutt. "Das wollen wir ändern", hat sich Lipski vorgenommen.
Von den rund 650 Millionen Mark Jahresumsatz, den die Deutsche See macht, entfallen inzwischen fast sieben Prozent auf Feinfisch und Meeres-
früchte- die nicht alltäglichen Köstlichkeiten aus allen Weltmeeren. Lipski geht davon aus, dass die Umsätze stark steigen werden: "Bis vor neun Monaten lief Feinfisch bei uns eher am Rande mit."
Statt 60 oder 70 Kilogramm Jakobsmuscheln werden heute zwei Tonnen jährlich verkauft. "Steinbutt über fünf Kilo wird uns von den Top-Gastro-
nomen aus der Hand gerissen", sagt Sigurd Späth, Einkaufsmanager für Feinfisch.
Auf allen fünf Kontinenten kauft er ein- meist Kleinstmengen bei sehr vielen  Lieferanten: zwei Gotteslachse auf den Fidschis, Petersfisch und Drachenköpfe in Neuseeland, Papageienfisch im Senegal, Doraden in Griechenland. "Bei einem Angelwolfsbarsch müssen sogar wir danke sagen, wenn wir einen bekommen", sagt Späth, "wenn man täglich zehn Tonnen Rotbarsch ordert, dann ist man wer, aber bei einzelnen Fischen..."
                Feinfisch verkaufe sich über die Qualität statt über den Preis. Aber "Seeteufel" verkaufen wir schon drei Tonnen pro Woche", sagt Späth. Auch Steinbutt, Zander, Forellen oder Karpfen und auch Austern werden in den Produktionsräumen Am Lunedeich mittlerweile nur noch in Tonnen gerechnet. Der Einkäufer führt das nicht zuletzt auf den Trend zurück, dass "gutes Essen in einem guten Lokal in ist".
Als Ergebnis eines Pilotprojekts in der Berliner Niederlassung beliefere die Deutsche See heute auch Top-Hotels und -Restaurants in der Hauptstadt, sagt Lipski, "quer durch den Guide Michelin".
Die Stärke des Bremerhavener  Unternehmens sei dabei die Logistik. "Die Ware, die  heute bei uns reinkommt, ist morgen früh beim Kunden", sagt Lipski.
Späth ergänzt: "Montagmorgens kaufen wir in den französischen Häfen am Atlantik ein, am selben Abend ist der Fisch in Paris und zehn Stunden später per Lkw im Fischereihafen." Von dort wird die Ware im Nachtsprung verteilt auf die 26 Niederlassungen im gesamten Bundesgebiet.
Aus der Braunschweiger Filiale zur Wolfsburger Volkswagen-Kantine rollt dann zum Beispiel Ware für einen Teil der 35 000 Mahlzeiten, die täglich dort gekocht werden. Die Braunschweiger liefern auch den Petersfisch für den luxuriösen Fürstenhof der Grafen von Hardenberg in Celle. Mario Adorf soll dort gesagt haben, er habe einen so feinen Fisch gegessen.

Nordsee-Zeitung vom 14. März 2001

Deutsche See  
Jahresumsatz: etwa 650 Millionen Mark
Artikelzahl: 2000
Kunden: 30.000 im Lebensmitteleinzelhandel,
Fischfachgeschäften, Hotellerie/Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung
Niederlassung: 26
Mitarbeiter: 1400, davon rund 600 in Bremerhaven