Der Drahtzieher dieser ganzen
Fusions- und Konzentrationsbestrebungen war der Bremer Bankier J. F.
Schröder. Er hatte sich in den zwanziger Jahren ein beachtliches Vermögen und
großen Einfluß bei Bremer Kaufleuten erworben. Er besaß Einfluß in
Reedereien, wie der DDG "Hansa", der DDG "Neptun" und dem
NDL. Bereits 1925 hatte seine Bank die Aktienmehrheit der A.G. Weser erworben.
Durch weitere Angliederungen in den Jahren 1927-1928 waren schließlich acht
Werften von den Küsten der Nord- und Ostsee in der Deschimag vereinigt:
- Actien-Gesellschaft
"Weser", Bremen
- Vulcan-Werke Hamburg, A.G.
- Joh. C. Tecklenborg A.G.,
Wesermünde
- Vulcan-Werke Stettin A.G.
- G. Seebeck A.G., Wesermünde
- Actien-Gesellschaft
"Neptun", Rostock
- Nüschke & Co. A.G.,
Stettin
- Frerichswerft A.G.
Einswarden
Mit der Angliederung des Hamburger Vulcans und der Tecklenborgwerft traten Ende 1926 bzw. Anfang 1927 Prof. Dr. G. Bauer und F. Wallwitz (Vulcan), Dr.-Ing. H. Wach und Georg Claussen (Tecklenborg) in den Vorstand der Deschimag ein, außerdem Schiffbaudirektor Dr.-Ing. Hermann Hein vom Werk der A.G. "Weser".
Die Größe, das Ausmaß und vor
allem die Folge der Deschimag-Konzentrationsbestrebungen in nationalem Maßstab,
stießen einerseits auf Widerstand von Seiten Hamburger Schiffbaukreise und
andererseits auf Proteste in der Öffentlichkeit und aus der Arbeiterschaft, da
Tradionswerften wie die Tecklenborgwerft mit einem großen Namen und
neuester Technologie einfach stillgelegt wurden. Zunächst verbreitete die
Deschimag auch den Eindruck, daß es wichtig sei, die Tecklenborgwerft bestehen
zu lassen, da der NDL diese Werft als Reparaturbetrieb benötige. Bald stellte
sich allerdings heraus, daß zwischen der A.G. "Weser" Bremen und der
Tecklenborgwerft eine Interessenskollision dergestalt bestand, daß beide
vergleichbare Schiffsgrößen bauten und ein ähnliches Fertigungsprogramm besaßen.
Bankier Schröder verfügte über
großen Einfluß in den Reedereien. 1928 zog der NDL zwei Aufträge an die
Tecklenborgwerft wieder zurück, was die Industrie- und Handelskammer
Bremerhaven zu der Aussage veranlaßte, "daß die Unrentabilität der
Tecklenborgwerft für die Jahre 1927/28 durch künstliche Maßnahmen der
Deschimag bewußt herbeigeführt worden ist".
Franz Xaver Ortlieb stellt drei Thesen auf, wie es Bankier Schröder gelungen sein könnte, die Tecklenborgwerft auszumanövrieren: Erstens setzte Schröder die Tecklenborgwerft über die Reedereien, bei denen er Hauptaktionär war, unter Druck, zweitens wurden aller Wahrscheinlichkeit nach der Vorstand der Tecklenborgwerft und fünf Mitglieder des Aufsichtsrats "geschmiert", und drittens waren alle Aufsichtsratsmitglieder der Tecklenborgwerft in irgendeiner Form mit dem Bankhaus Schröder verknüpft.
Die Deschimag brachte als Begründung dafür, daß eine der beiden Bremerhavener Werften (Seebeck oder Tecklenborg) geschlossen werden müsse und man sich für die Seebeckwerft entscheide, als Gründe an, daß zwei Werften in der anhaltenden Schiffbaukrise für das Gebiet der Unterweser nicht erforderlich seien und die Seebeckwerft den Bedürfnissen der Wesermündung vollauf genüge. Mit diesen Argumenten gelang es der Deschimag offensichtlich, den Protest aus Bremerhaven zu kanalisieren .