Deschimag

Durch Angliederung der Vulcan-Werke in Hamburg und der Werft Joh. C. Tecklenborg A.G. in Wesermünde an die A.G. "Weser" entstand am 28. Dezember 1926, als erster Großkonzern der deutschen Schiffbauindustrie, die "Deutsche Schiff- und Maschinenbau Aktiengesellschaft" (Deschimag), mit dem Verwaltungshauptsitz in Bremen.

Am 24. Mai 1927 fand die erste ordentliche Hauptversammlung der "Deutsche Schiff-  und Maschinenbau Aktiengesellschaft" in Bremen im Gebäude der J.  F. Schröder Bank K.a.A. in der Obernstraße 2/12 statt. Dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß die "Deschimag" im ersten Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 412.722,74 RM abschloß. Zu diesem Zeitpunkt war J. F. Schröder der Vorsitzende des Aufsichtsrates und F. Stapelfeldt Vorstandsvorsitzender. Als weitere Vorstandsmitglieder fungierten  Dr. Wach, Dr. Bauer, H.  Wallwitz und H. Claussen.

Der Drahtzieher dieser ganzen Fusions-  und Konzentrationsbestrebungen war der Bremer Bankier J.  F. Schröder. Er hatte sich in den zwanziger Jahren ein beachtliches Vermögen und großen Einfluß bei Bremer Kaufleuten erworben. Er besaß Einfluß in Reedereien, wie der DDG "Hansa", der DDG "Neptun" und dem NDL. Bereits 1925 hatte seine Bank die Aktienmehrheit der A.G. Weser erworben. Durch weitere Angliederungen in den Jahren 1927-1928 waren schließlich acht Werften von den Küsten der Nord-  und Ostsee in der Deschimag vereinigt:
 - Actien-Gesellschaft "Weser", Bremen
 - Vulcan-Werke Hamburg, A.G.
 - Joh. C. Tecklenborg A.G., Wesermünde
 - Vulcan-Werke Stettin A.G.
 - G. Seebeck A.G., Wesermünde
 - Actien-Gesellschaft "Neptun", Rostock
 - Nüschke & Co. A.G., Stettin
 - Frerichswerft A.G. Einswarden

Mit der Angliederung des Hamburger Vulcans und der Tecklenborgwerft traten Ende 1926 bzw. Anfang 1927 Prof. Dr. G.  Bauer und F.  Wallwitz (Vulcan), Dr.-Ing. H.  Wach und Georg Claussen (Tecklenborg) in den Vorstand der Deschimag ein, außerdem Schiffbaudirektor Dr.-Ing.  Hermann Hein vom Werk der A.G. "Weser".

Die Größe, das Ausmaß und vor allem die Folge der Deschimag-Konzentrationsbestrebungen in nationalem Maßstab, stießen einerseits auf Widerstand von Seiten Hamburger Schiffbaukreise und andererseits auf Proteste in der Öffentlichkeit und aus der Arbeiterschaft, da Tradionswerften wie die  Tecklenborgwerft mit einem großen Namen und neuester Technologie einfach stillgelegt wurden. Zunächst verbreitete die Deschimag auch den Eindruck, daß es wichtig sei, die Tecklenborgwerft bestehen zu lassen, da der NDL diese Werft als Reparaturbetrieb benötige. Bald stellte sich allerdings heraus, daß zwischen der A.G. "Weser" Bremen und der Tecklenborgwerft eine Interessenskollision dergestalt bestand, daß beide vergleichbare Schiffsgrößen bauten und ein ähnliches Fertigungsprogramm besaßen.
Bankier Schröder verfügte über großen Einfluß in den Reedereien. 1928 zog der NDL zwei Aufträge an die Tecklenborgwerft wieder zurück, was die Industrie-  und Handelskammer Bremerhaven zu der Aussage veranlaßte, "daß die Unrentabilität der Tecklenborgwerft für die Jahre 1927/28 durch künstliche Maßnahmen der Deschimag bewußt herbeigeführt worden ist".

Franz Xaver Ortlieb stellt drei Thesen auf, wie es Bankier Schröder gelungen sein könnte, die Tecklenborgwerft  auszumanövrieren: Erstens setzte Schröder  die Tecklenborgwerft über die Reedereien,  bei denen er Hauptaktionär war, unter Druck, zweitens wurden aller Wahrscheinlichkeit nach der Vorstand der Tecklenborgwerft und fünf Mitglieder des Aufsichtsrats "geschmiert", und drittens waren alle Aufsichtsratsmitglieder der Tecklenborgwerft in irgendeiner Form mit dem Bankhaus Schröder verknüpft.

Die Deschimag brachte als Begründung dafür, daß eine der beiden Bremerhavener Werften (Seebeck oder Tecklenborg) geschlossen werden müsse und man sich für die Seebeckwerft entscheide, als Gründe an, daß zwei Werften in der anhaltenden Schiffbaukrise für das Gebiet der Unterweser nicht erforderlich seien und die Seebeckwerft den Bedürfnissen der Wesermündung vollauf genüge. Mit diesen Argumenten gelang es der Deschimag offensichtlich, den Protest aus Bremerhaven zu kanalisieren .