Gläserner Kontrapunkt zur Historie
120 Jahre alte Halle des Norddeutschen Lloyd wird nach historischem Vorbild saniert und erhält einen modernen Kopfbau

Das alte und neue Bremerhaven sollen beim Umbau der Debeg-Halle am Neuen Hafen zusammengeführt werden. Während der historische Teil restauriert und für die Traditionssegler-
Vereinigung Schiffergilde umgebaut wird, erhält die dem Deich zugewandte Seite einen modernen Kopfbau aus Stahl und Glas.


Foto Peter Müller 05.10.2003

Der zweigeschossige Neubau ist einem Café, Bistro und Restaurant vorbehalten, das nach Vorstellung der Planer zu einem zentralen Treffpunkt in der "Erlebniswelt Alter/Neuer Hafen" werden könnte. "90 Sitzplätze drinnen, 140 draußen", sagt Seestadt-Werber Henning Goes, "mit Angeboten für jeden Geldbeutel." Betrieben wird die Restauration vom Gast-Team Venhofen.
Bei der Ausstattung soll an die Geschichte der Auswanderung und des Norddeutschen Lloyds erinnert werden. Die Schifffahrtslinie hat den Backsteinbau 1881 als Proviantlager errichten lassen. Später wurde er als Bettenfabrik für Auswandererschiffe genutzt. Nun investiert die Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS 1,8 Millionen Euro, um daraus ein Tourismuszentrum zumachen.
Der Anbau ist von Stadtbau-Chef Wolfgang Ehlers entworfen worden, der damit einen Kontrapunkt zur historischen Rekonstruktion des Stammgebäudes setzen möchte. Der Grundriss des Bistros erinnert an ein Rahsegel, die Außenansicht wird vom kubischen Aufbau und von klaren geometrischen Formen bestimmt.
Beim Altbau hat sich der Architekt Dr. Olaf Voßhans für die Wiederherstellung der historischen Fassade entschieden. Dafür muss das Haus zunächst von seinem geblichen Spritzputz-Mantel befreit werden, mit dem die Backstein-Optik in den 70er Jahren zugekleistert worden war. Das Material klammert sich derartig zäh an den den Klinkern fest, dass es von einer Spezialfirma mit kleinen Pressluftmeißeln Zentimeter für Zentimeter entfernt werden muss.
Im Innern werden die Räume für die Schiffergilde und die Hafenrundfahrt völlig neu zugeschnitten. Die Gilde erhält eine Werft für altes Schiffshandwerk. Außerdem zieht die BIS mit ihrer Touristikabteilung und dem Büro Bremerhaven Werbung in das Gebäude ein. An der Südseite ein. An der Südseite entstehen drei gläserne Ladengeschäfte, die bis zur geplanten Fertigstellung der geplanten "Erlebniswelt Alter/Neuer Hafen" zur Sail 2005 als Baufenster mit Informationen über Ziel und Fortgang der Arbeiten genutzt werden.
Ausziehen müssen die Bremerhavener Fahrtenschipper, die zusammen mit der Marinejugend in den Fischereihafen umgesiedelt werden sollen. Kritik daran kommt vom Grünen-Fraktionsvor-
sitzenden Hans-Richard Wenzel. Revierkundige wären für die künftige Marina eine Bereicherung, findet er. Außerdem sei der Umzug viel zu teuer.

Nordsee-Zeitung vom 24. Jan. 2003