


Auftrag für die erste Geestefähre erhalten
Schiffbauer Cornelius Jantzen Cornelius betrieb
Bootswerft und Schenke mit Logis
Bremerhaven. Über mehr als 100 Gräber auf den Friedhöfen Lehe I und II sowie
dem jüdischen Friedhof hat der frühere Rektor Willy Wolff Nachforschungen
angestellt. Die Namen auf den Grabsteinen spiegeln die Geschichte der jungen
Stadt wider. In einer zehnteiligen Serie stellt der Stadtanzeiger einige Männer
und Frauen vor, deren Spuren noch heute in der Stadt zu finden sind.
Aus Hooksiel im Jeverland kam der Schiffszimmerbaas Cornelius Jantzen Cornelius
(C.J.C.) an die Geeste (1821), als es noch kein Bremerhaven gab. So hatte er mit
dem Königreich Hannover einen Vertrag abzuschließen, um an dem Platz der
heutigen Goetheschule eine Bootswerft zu errichten. Eine Fläche von fünf
Morgen, einem guten Hektar, bekam er zugewiesen, in Erbpacht. Zu klein, um
Hochseesegler zu bauen, groß genug, um seiner Verpflichtung nachzukommen,
Weserschiffe zu reparieren. Das tat er dann auch, doch liefen darüber hinaus
Jollen und Prahme, Briggs und Kuffs von seinem Helgen. Bei der Gründung
Bremerhavens leistete er den bremischen Bürgereid. Die Bremer, die damals durch
einen Amtmann ihre neugegründete Siedlung verwalteten, bestellten bei ihm die
erste Geestefähre- einen Prahm, ausgelegt für vier Pferdefuhrwerke- die
zwischen der Fährstraße und dem Geestendorfer Ufer verkehrte. 3000 Thaler Gold
löste der Schiffszimmerbaas dafür. Eide
Siebs aus Misselwarden war der erste Fährpächter.
Cornelius gehörte zu den ersten fünf Schul- und Armenpflegern Bremerhavens.
Diese Gruppe war der bescheidene Anfang einer Bremerhavener Selbstverwaltung.
In jener Zeit des Holzschiffbaus schaffte der Baas zusammen mit Meister,
Lehrlingen und Hilfsarbeitern am Bau des Schiffes. Gemeinsam wurde auch
gefeiert. Beim Stapellauf zog nach altem Volksbrauch die gesamte
Werftmannschaft, Fahne und Musik voran, durch den Ort vor das Haus ihres
Arbeitsgebers. Nach der Ansprache des Meisterknechts erscholl ein Hoch auf den
Baas und seine Familie. Der bedankte sich für den Fleiß der Leute, und nach
einem Hoch auf den Schiffbau ging mit klingendem Spiel zum Tanz.
Cornelius betrieb als Nebenerwerb auf seinem Gelände einen Ladenschenke mit
Detailhandlung, eine Gaststube und ein Logis, in dem bei der damaligen
Wohnungsnot in der Stadt Johannes
Jacobus van Ronzelen aus Amsterdam, der Baumeister des Hafens und
Stadtplaner, vorübergehend Quartier fand. Auch der junge Schiffszimmerer Rickmer
Clasen Rickmers aus Helgoland, später der Gründer des weltbekannten
Schiffbauunternehmens und einer Reederei, bezog, als 1832 seiner Frau nach
Bremerhaven kam, bei ihm Wohnung und arbeitete auf seiner Werft als
Meisterknecht. Cornelius unterstützte Rickmers, eine eigene Werft zu
gründen.
Aufschwung gelang nicht
Als Cornelius Jantzen Cornelius 1842 starb, übernahm sein gleichnamiger
Sohn, ebenfalls Schiffszimmermeister, den Betrieb. Der Werft jedoch gelang nicht
der Aufschwung wie den größeren Betrieben von Wencke,
Lange und Rickmers.
Nach dem liefen bei Cornelius 1840 und 1844 nur noch eine Schonerbrigg und eine
Kuff vom Stapel.
Cornelius Junior wendete sich mehr seiner Gastronomie zu und veranstaltete auf
seinem Gelände in Garten und Gebäude Theaterauf-
führungen. Das "Vorspiel auf dem Theater" begann für die Gäste
zuweilen schon am Tresen, wo der Chef selbst bediente. Erklang ihm die Glocke
zum Beginn zu früh, so protestierte er: "Noch nich anfangen, de Herren
häbt ären Krock noch nich ut." Manchmal mögen huschende Ratten über den
Köpfen der Zuschauer im Gebälk des eben nicht sehr feierlichen Raumes zumal
bei der Damenwelt für tragische Erschütterungen gesorgt haben.
Um 1895 kaufte der Musikdirektor Schwiefert das Grundstück und baute es zum
Volksgarten mit großem Saal, Konzertgarten und einem neuen Theatergebäude aus.
1903 dieses baufällig geworden und mußte abgerissen werden. Nun stand nur noch
eine unzulängliche Bühne im großen Saal zur Verfügung. Erst seit der
Eröffnung des jetzigen Stadttheaters am 30. September 1911 haben die
Unterweserorte eine Bühne, die den technischen Voraussetzungen guter
Theateraufführungen gerecht wird.
Auf dem ehemaligen Werftgelände ließ die Stadt Bremerhaven eine Stadthalle
errichten, die sie am 1. Mai 1927 der Öffentlichkeit übergab. Der
großzügige, schöne und leistungsfähige Bau wurde beim Luftangriff am 18.
September 1944 zerstört.
Der Schiffszimmermeister Cornelius junior war ein
"Theaterrestaurateur", der zwar "grobkörnig seines Amtes
waltete", aber ein Mann, der das Theaterleben in den frühen Jahren der
Seestadt am Leben hielt.
Quellen: Nordsee-Zeitung vom 06.03.1998 (Auszug aus: Willy Wolff "Alte
Friedhöfe in Lehe", 166 Seiten, zahlreiche Fotos 39,80 Mark, zu beziehen
über den Buchhandel)