Talentschmiede in Lehe
Jazz-Kneipe "Chicos Place" war bis über den großen Teich berühmt

Eigentlich hieß er Asuquo Eyo (1924-1992), der stets freundliche, auffallende kleine Nigerianer mit den lustigen Falten im dunklen Gesicht. 1958 kam er nach Bremerhaven und eröffnete in der Rickmersstraße die einzige deutsche Kneipe, die auch in New York und Soho bekannt wurde: "Chicos Place".



Schon zu Lebzeiten wurde Chico zur Legende. Nicht durch Varietes in Kopenhagen und Zürich, wo er als Bongospieler auftrat. Nicht durch Filmrollen in den 50er Jahren an der Seite von Rosita Serrano und Peter Alexander ("Dalmatinische Hochzeit") in den Studios von Berlin und London, Wien und Zagreb. Sondern durch das, was er aus der Gaststätte "Regina" Ecke Rickmers-/Körnerstraße machte: Deutschlands populärste Jazz-Kneipe, Treffpunkt farbiger GIs und exzellenter Musiker aus Nah und Fern.
Oft kamen sie in den 50er und 60er Jahren mit den großen Passagierdampfern nach Bremerhaven- wie die Bordkapelle der "United States", unter ihnen herausragende Jazzer, die mitsamt Instrumenten schon vor Chicos Tür standen, bevor die geöffnet war. Talente aus Bremen, Hamburg und Hannover, Musiker aus der 61st Army Band, Jazz-Größen wie Dizzy Gillespie traten oft bis acht Uhr morgens vor fast ausschließlich farbigem Publikum auf.
"Wir waren besessen vom Glauben an die Musik", resümierte Chico kurz vor seinem Tod das Lebenswerk in der Rickmersstraße, das mehr als einmal Sprungbrett internationaler Karrieren war: Harry Habla, Jazzer aus Bremerhaven, trat später in Las Vegas auf,  ein anderes junges Talent wurde noch am Abend des Auftritts in "Chicos Place" für die Band des Soul-Stars James Brown nach New York engagiert.

Nordsee-Zeitung vom 18.10.2002