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Die "Bremen" war sein Leben
Lloyd-Schiff ging heute vor 70 Jahren auf Jungfernreise
Die Reste der "Bremen" rosten seit
Jahrzehnten im Sand des Blexer Bogens. Bei Niedrigwasser gibt die Weser die
Wrackteile der einstigen "Königin der Meere" frei. Deren
Erfolgsgeschichte begann heute vor 70 Jahren mit einer furiosen Jungfernfahrt
von der Columbuskaje nach New
York- in vier Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten.
Für die Rekordgeschwindigkeit wurde dem berühmten Flaggschiff des Norddeutschen
Lloyd das "Blaue Band" verliehen. Damit konnte sich auch Julius
Hundt schmücken. Er kannte den Turbinenschnelldampfer, der mit rasanten 27,8
Meilen pro Stunde, das sind rund 51,5 Kilometer pro Stunde, durch die Meere
pflügte, wie seine Uniformtaschen. Hundt fuhr als Leitender Ingenieur auf dem
Passagierschiff und hatte zuvor die Bauarbeiten bei der Bremer Werft AG
"Weser" beaufsichtigt. Dafür hatte man dem Schiffbauingenieur aus
Wilhelmshaven sogar eine Verdienstmedaille verliehen.
"Die Bremen war sein Lebenswerk", sagt Horst Harms, Hundts Schwieger-
sohn. Er rekonstruiert anhand alter Familien-Unterlagen die Biographie des
Chiefs. Dieser fuhr bereits vor dem Ersten Weltkrieg auf Schiffen des
Norddeutschen Lloyd. Nach dem Kriegsdienst auf dem Kreuzer "Bremse"
kehrte Hundt zum Lloyd zurück. Er war unter anderem Leitender Ingenieur auf dem
Passagierschiff "Fulda", das ebenfalls auf der
AG-"Weser"-Werft unter seiner Leitung gebaut worden war.
Auf der "Bremen" war der Schiffbauingenieur als Chief fast bei jeder
Reise an Bord. Zunächst fuhr der Passagierdampfer mit 51 735
Bruttoregister-
tonnen im Linienverkehr zwischen Bremerhaven und New York. Später wurde das
Schiff für Kreuzfahrten um die Welt eingesetzt. "Unser Vater war ganz
selten zu Hause", sagt Elisabeth Harms, die noch das dreifache
Aufbruch-Tuten der "Bremen" im Ohr hat.
Feuer zerstörte "Bremen"
Hundts Tochter und ihr Ehemann Horst, beide Jahrgang 1929, erinnern sich
auch an den 16. März 1941, als auf der "Bremen" ein Feuer ausbrach und
das Schiff völlig zerstörte. In der gesamten Stadt habe es verbrannt gerochen,
erzählen Elisabeth und Horst Harms. Außerdem habe eine Dunstglocke über der
Stadt, die damals noch Wesermünde hieß, gelegen.
Die "Bremen" sollte in Wesermünde zu einem Truppentransporter
umfunktioniert werden. Den Tarnanstrich hatten Maler bereits aufgetragen.
Zu der Zeit gehörte Hundt schon nicht mehr zur Besatzung. Den Krieg verbrachte
der Ingenieur an Land. In Hamburg leitete Hundt die Kriegsmarinedienststelle und
kehrte nach Kriegsende zurück in die Seestadt. Mittlerweile war Hund 66 Jahr
alt "und gesundheitlich angeschlagen", erzählt seine Tochter.
Der einstige "Bremen"-Chief starb 1954 und wurde auf dem Wulsdorfer
Friedhof beerdigt. Den Verlust der "Bremen" habe er nie verwunden, ist
sich das Ehepaar Harms sicher.
Nordsee-Zeitung vom 10. Juli 1999