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Der Auslöser war eine Ohrfeige
Der knapp 17 Jahre alte Schiffsjunge Adelbert Schmidt
soll`s gewesen sein. Aus Rache wegen einer Ohrfeige, die ihm ein Matrose
verabreicht hatte, steckte das jüngste Besatzungsmitglied den Stolz der
Hansestadt an, die legendäre "Bremen". Heute vor 60 Jahren versank
das brennende Wrack in Bremerhaven.
Adalbert Schmidt fühlte sich ungerecht behandelt und soll deshalb das Feuer
gelegt haben. Die gnadenlose Nazi-Justiz hat den jugendlichen Täter hinrichten
lassen. Täter? Es gab auch Stimmen, die den Streichholz eher in den Händen
englischer Agenten gesehen haben wollten. Wo doch Kapitän Adolf Ahrens- auch er
eine Legende- erst den Amerikanern und dann den Briten eine lange Nase gezeigt
hatte. Der erfahrene Kommodore des Nord-
deutschen Lloyd (NDL), der nach Kriegsbeginn die "Bremen" und deren
Besatzung heil heim brachte und dafür triumphal in der Heimat empfangen wurde.
Das vierte Schiff mit dem Namen "Bremen" war am 16. August 1928 bei
der AG "Weser" vom Stapel gelaufen. Als Taufpate fungierte
Reichspräsident v. Hindenburg. Die vier Tage, 17 Stunden und 42 Minuten
währende Jungfern-
fahrt nach New York brachte dem Luxusliner im Sommer 1929 das so genannte
"Blaue Band" ein. In den Folgejahren tummelte sich der damalige
Jet-Set in und auf dem schwimmenden Luxushotel des NDL: von Elly Beinhorn bis
Hanna Reitsch, von Max Schmeling und Luis Trenker bis Ernst Udet. Bis zu 2200
Passagiere hatten auf dem schnellen Riesen (51 656 Tonnen) Platz. Dann gingen
auch auf dem Atlantik die Lichter aus: Weltkrieg Nummer Zwei hatte begonnen-
einen Tag, nachdem die "Bremen" ihre Rückreise aus den USA angetreten
hatte. Die "Bremen" erhielt auf hoher See flugs einen Tarnanstrich,
mogelte sich über den Nordatlantik und verweilte dann drei Monaten in dem noch
sicheren russischen Hafen Murmansk. Dann durchbrach der schwimmende Gigant die
britische Seeblockade in der Nordsee und traf am 13. Dezember 1939 in
Bremerhaven ein. An der Columbuskaje wartete Bremens Stolz auf friedlichere
Zeiten. Vergeblich, denn dann ereignete sich die banale Ohrfeige...
Weserkurier vom 16. März 2001