Ausgefeiltes Konzept bringt SSW Auftrag
Ausgebrannter Frachter "Schieborg" kommt heute in den Fischereihafen

Fischereihafen. Im Morgengrauen soll der ausgebrannte Spezialfrachter "Schieborg" heute in den Fischereihafen geschleppt werden. Die SSW-Werft will ihn bis Juni wieder flott machen. Den Großauftrag mit bis zu 20 Millionen Euro Kosten konnte die Werft gegen elf Konkurrenten aus ganz Europa gewinnen.



Die "Schieborg" war Anfang Januar mit 10 000 Tonnen Papier an Bord in Brand geraten, vermutlich weil ein Teil der Ladung während der Sturmfahrt verrutscht war. Während der Lösch- und Bergungsversuche trieb der Frachter zwei Tage lang in der tosenden Nordsee, die 15-köpfige  Besatzung musste mit einem  Hubschrauber von Bord geholt werden. Auch am Haken eines Schleppers loderte auf dem Weg in die Niederlande das Feuer auf dem völlig zerstörten Hauptdeck und im Laderaum immer wieder auf. Die Flammen haben das komplette  Hauptdeck und die technische Ausrüstung des RoRo-Schiffes zerstört. Durch die enorme Hitze hat sich auch der Rumpf verzogen, weshalb die "Schieborg" gleich zu Vermessungsarbeiten ins Bredo-Dock gestellt wird. Bredo steht der SSW-Werft bei den umfangreichen Reparaturen als "enger Partner" zur Seite.
Dass die niederländische Wagenborg-Reederei SSW den Auftrag gab, habe nicht am Preis gelegen, sagt SSW-Geschäftsführer Karl-Heinz Jahnke. Den Ausschlag für die Instandsetzung habe das technische Know-how gegeben. Denn keiner seiner Kollegen, die ein Angebot abgegeben haben, dürfte die "Schieborg" so gut kennen wie Jahnke: Beim Bau Frachters war er Projektleiter auf der Flender-Werft,  hat an der Konstruktion mitgearbeitet.  Durch diese Kontakte zu Wagenborg, konnte die Werft nun schnell reagieren.


"Schieborg" im Dock von Bredo, Foto Peter Müller 19.02.2005

1300 Tonnen Stahl müssen auf der 183 Meter langen "Schieborg" neu verbaut werden, Elektrik, Hydraulik, Ruderanlage und Welle werden erneuert, Arbeit gibt`s auch  für Maschinen- und Rohrbauer. Alle Gewerke der Werft seien gut ausgelastet, sagt Jahnke. Für ihn sei der Auftrag ein weiterer Schritt, das neue Unternehmenskonzept umzusetzen.


"Schieborg" im Schwimmdock der Bredo, Foto Peter Müller 19.02.2005


Vorvertrag unterschrieben
Vergangenes Jahr hatte Wagenborg mit SSW schon einen Vorvertrag für den Bau dreier Fähren unterschrieben. Er konnte bis heute nicht als Festvertrag realisiert werden. SSW hält seine 180 Mitarbeiter mit Sektionen für vier Containerfrachter über Wasser, die nach SSW-Plänen bei HDW gebaut werden. Da kam der "Schieborg"-Auftrag gerade recht. Wenn er erledigt ist, legt SSW einen 155 Meter langen Kasko für eine bei Lürssen bestellte Luxusyacht auf Kiel. SSW arbeitet nach eigenen Angaben auch daran, für einen  ungenannten Reeder zwei Schnellfähren bauen zu können.

Quelle: NZ vom 12.02.2005