



Werft will mit Projekt "Green Dock" ihre
Umweltstandards verbessern

Im Schwimmdock der Bredo, Foto: P. Müller 2/96
Lacke, Öle und Verdünner, Schweißgas, Diesel, Kupferschlacke- auf einer Werft
wird mit allerhand Zeugs hantiert, das nicht unbedingt zur Pflege der Umwelt
beiträgt. Um das Schmuddel-Image loszuwerden, arbeitet die Bremerhavener Dock
GmbH (Bredo) seit anderthalb Jahren an dem Projekt "Green Dock".

Bredo-Dock im Winter, Foto: Peter Müller 2/1996
Das Ziel heißt: Erfassung und Minimierung aller Umweltgefahren, die von einer
Werft ausgehen. Einbezogen sind auch die Subunternehmer, zum Beispiel
Malereibetriebe oder Müllentsorger. Am Ende winken nicht nur eine neue,
Iso-zertifizierte Reputation als anerkannter Saubermann, sondern auch spürbare
Einsparungen bei den Ausgaben für Energie, Wasser oder Müllentsorgung.
"Wenn mit Gefahrstoffen geschludert wird, kann das richtig teuer
werden", sagt Detlef Meyer, Umweltschutzbeauftragter der Bredo. "Und
es ist immer besser zu agieren als erst zu reagieren, wenn einem die Behörde
auf die Füße tritt."
Also sucht die Werft seit anderthalb Jahren systematisch nach undichten Stellen,
durch die in die Umwelt gelangt, was dort nicht hingehört. Beispiel: der
Farbnebel, der beim Anstreichen von Schiffen entsteht. Bei westlichem Wind weht
er schnurstracks auf das benachbarte Autoterminal hinüber und sorgt dort für
prompte Reklamationen. Abhilfe soll in Zukunft ein kleiner Farbroboter schaffen,
der an der Bordwand auf- und abfährt. "Wir haben aus diesem Problem ein
EU-Projekt gemacht, an dem wir mit französischen und dänischen Partnern
arbeiten". erklärt Volker Vanek, technischer Leiter am Umweltinstitut des
Technologie-Transfer-Zentrums (TTZ), das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Bredo-Schwimmdock 2/1996, Foto: P. Müller
Neues Farbzwischenlager
Doch der Kern des EU-geförderten Projekts "Green Dock" sind
weniger die spektakulären Farbroboter, sondern viele kleine Maßnahmen, die
sich mit möglichst geringem Aufwand umsetzen lassen.
"Wir haben zum Beispiel 47 Lagerstellen für Gefahrstoffe auf dem Gelände
entdeckt", erklärt der Chemiker Dr. Torsten Böttjer. Zum Teil enthielten
sie Stoffe, die längst nicht mehr gebraucht werden. Jetzt steht das
gefährliche Gut gut geschützt in einem Farbzwischenlager.
Ein weiterer wichtiger Punkt: die Mitarbeiterschulung. Diese Aufgabe hat die
Akademie des Handwerks übernommen. "Wir wollen hier kein Umweltprojekt am
grünen Tisch veranstalten, sondern von Verhältnissen vor Ort ausgehen",
versichert Susanne Völker, die Leiterin der Akademie. Das Rezept: Die
Werftarbeiter werden in Projektgruppen eng in die Arbeit einbezogen.
Was nicht immer ganz einfach ist: "Natürlich gibt es Abwehrmechanismen
nach dem Motto: Das haben wir schon immer so gemacht", räumt der
Bredo-Umweltschutzbeauftragte Meyer ein. So machten die Dozenten vielfache
Erfahrungen mit dem ruppigen Charme altgedienter Werftarbeiter. Aber für Meyer
führt kein Weg am grünen Image vorbei. "Um sich am Markt behaupten zu
können, muss man gewisse Umweltstandards einhalten. Sonst kommt man an
bestimmte Aufträge in Zukunft nicht mehr ran."
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 12. Februar 2000
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