"Wir wünschen uns einen Anlaufpunkt"
Deutsch-Amerikaner beenden ihren Kongress

"Es sollte in Deutschland einen Ort geben, der sich mit Auswanderung nach Amerika beschäftigt. Das ist längst überfällig." Mit dieser Mahnung ihres Vorsitzenden Dr. Don Heinrich Tolzmann geht heute die Jahrestagung der Society for German- America Studies (SGAS) zu Ende.

Der Kongress der Gesellschaft für deutsch-amerikanische Studien habe mit 190 Teilnehmern, davon rund 110 aus den USA, alle Erwartungen übertroffen, sagte Tolzmann. Neben den Vorträgen hob er die Auswander-
datenbank im Morgenstern-Museum und das Expo-Projekt "Abenteuer Spurensuche" am Alten Hafen hervor.
"Bremerhaven betrachten wir als Vorort von New York", scherzte Tolzmann. "Man fühlt sich sofort zu Hause hier". 60 Millionen Amerikaner seien deutscher Abstammung, sagte SGAS-Vorstandsmitglied Prof. La Vern J. Rippley. Die meisten ihrer Vorfahren- vier bis fünf Millionen- seien über Bremerhaven ausgewandert, viele noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Wo, wenn nicht in Bremerhaven, sollte der Ort entstehen, der sich mit Auswanderern beschäftigt, fragte Rippley. Ob Museum oder Erlebniswelt, solch ein Anlaufpunkt würde viele Amerikaner an die Unterweser locken, glauben Tolzmann und Rippley. Denn unter deutschstämmigen Amerikanern sei das Interesse an Ahnenforschung und Bremerhaven groß.
Welche engen Verbindungen es über den Atlantik hinweg gibt, illustrierte Dr. Horst Rössler
  vom Förderverein Deutsches Auswanderermuseum am Beispiel Sievern: Viele Sieverner seien nach Charleston ausgewandert. Beide Orte hätten gemeinsame Geschichte, die jetzt- anlässlich einer Aussstellung in Charleston- in Erinnerung gerufen wurde.

Nordsee-Zeitung vom 16.06.2000