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Millionen Schicksale in der Datenbank
Eröffnung im Morgenstern-Museum-
3,5 Millionen Einträge
Suchbegriff: "Benscheidt". Der Uronkel der stellvertretenden
Direktorin des Morgenstern-Museums, Dr. Anja Benscheid, war auch ein
Auswanderer. Die neue Datenbank des Museums weiß alles über den Emigranten
Hermann Benscheidt aus Hagen- einem von 3,5 Millionen Einträgen.
Schiff "Nederland". Kapitän: Randle. Abfahrtshafen: Antwerpen.
Ankunftshafen: New York. Am 15. März 1878 betrat Hermann Benscheidt
amerikanischen Boden. Das und einiges mehr erfährt jeder, der sich in der Deutschen
Auswanderer-Datenbank (DAD) auf die Suche nach dem Uronkel der
Museumsdirektorin oder einem seiner Schicksalsgefährten macht. Seit gestern ist
die Datenbank über zwei Computerterminals im Morgenstern-Museum öffentlich
zugänglich.
Zwischen 1820 und 1939 verließen rund zehn Millionen europäische Auswanderer
den Alten Kontinent über einen deutschen Hafen. Bremerhaven
war der größte Häfen: Für mehr als sieben Millionen Menschen waren die Kajen
des Neuen Hafens, der Pingelturm
oder der Columbusbahnhof das letzte, was sie von Deutschland und Europa sahen.
Irgendwann sollen alle Namen in der
Datenbank erfasst sein- abgeschrieben von den Passagierlisten, die die
US-Behörden von den Einwandererschiffen anlegten. "Spätestens heute
dürfte klar sein, dass man an unserer Datenbank nicht vorbeikommt, wenn es um
das Thema Auswanderung geht", sagte Museumsdirektor Dr. Alfred Kube zur
Eröffnung der DAD.
Dass Besucher des Museums in der Datenbank nach ihren Vorfahren suchen können,
ist eigentlich nur ein Nebenprodukt. Vor allem Wissenschaftler erhoffen sich von
der Sammlung der Einzelschicksale neue Möglichkeiten für die Erforschung der
Auswanderungsbewegung. "Die DAD ist ein wichtiger Schritt in die
Zukunft", lobte Professor Dr. Ira A. Glazier von der Temple University in
Philadelphia (USA). Und sein Kollege Professor Dr. Dirk Hoerder von der Uni
Bremen hoffte, dass sich die Datensammlung auch als "pädagogisches
Projekt" erweist: Die Beschäftigung mit dem Schicksal der deutschen
Auswanderer von damals könnte Verständnis wecken für die Einwanderer nach
Deutschland von heute.
Quelle: Nordsee-Zeitung vom 31.05.2000