Nach Auswanderung das Parktor gestiftet
Auch zahlreiche Bremerhavener haben ihr Glück in der Neuen Welt gesucht

Johann Bernhard von Glahn war ein selbstbewusster Mann: "Diese Photo-
graphie ist ein gutes und wahres Bild von mir", schrieb er 1896. Glahn stiftete mit diesem Brief dem Flecken Lehe das Parktor in Speckenbüttel und eine bronzene Columbusfigur. Das Foto legte er bei. Der Leher hatte in Chicago ein Vermögen verdient.

Er zählt zu den Tausenden Lehern, Geestemündern und Bremerhavenern, die in der Neuen Welt ihr Glück versuchten. Viele von ihnen kehrten am Lebensabend in die Heimat zurück, einige auch früher.
Stadtarchivar Dr. Hartmut Bickelmann verweist auf traditionell gute Bezie-
hungen der Region zu den USA. Dabei spielten geschäftliche Kontakte vieler Unternehmen oder familiäre Bindungen eine Rolle. Die wurden zum Beispiel in den 1920er Jahren genutzt, als die wirtschaftliche und soziale Not viele ihr Glück in den USA suchen ließ.
"Die Verbindung von Auswanderung und Stadtgeschichte ist noch interessant. Hier können wir auch als Stadtarchiv einiges beitragen", sagt Bickelmann. Als Beleg für die bis in die Gegenwart enge Bindung nach Übersee nennt er die Grußbrücke, die am Ende eines Jahres in der Nordsee-Zeitung erscheint.
Der 1825 geborene Leher Bernhard von Glahn folgte seinem 1837 in die Vereinigten Staaten ausgewanderten Bruder August. 1856 erwarb er das Bürgerrecht. Glahn blieb unverheiratet. Er kam in den USA zu Geld- auf welchem Wege, das ist nicht bekannt.
1880 zog der Junggeselle als Mäzen zurück nach Lehe. Die vom Darmstädter Bildhauer Ludwig Habich geschaffene bronzene Columbusfigur stand ebenfalls im Speckenbütteler Park, wurde aber am Ende des Ersten Weltkrieges eingeschmolzen. Gert Schlechtriem, Direktor des Deutschen Schiffahrtsmuseums, entdeckte eine Gussform. Sie diente als Grundlage für eine Nachbildung, die 1978 bei der Klappbrücke vor dem Columbus-Center aufgestellt wurde. Bernhard von Glahn starbl 1899; seinen Namen trägt heute die Von-Glahn-Straße.

Mit 14 über den großen Teich
Der Geestemünder Gustav Adolf Bartel kam 1869 als Sohn eines auf der Geestemünder  Tecklenborg-Werft beschäftigten Schmiedemeisters zur Welt. Mit der Unterstützung amerikanischer Bekannter entschloss er sich als 14-Jähriger zum Sprung über den großen Teich. Als Kaufmann verdiente Bartel ein erhebliches Vermögen. 1914 kehrte er vorübergehend nach  Deutschland zurück, um zwei Jahre später wieder in die USA zu ziehen. Später lebte Bartel in Geestemünde von seinen Ersparnissen. Die schrumpften dann durch die Inflation zusammen. Bartel wanderte erneut aus und arbeitete sich hoch. 1935 setzte er sich in Geestemünde zur Ruhe.
Auch für den Leher Heinrich Wülbern (1797-1874) war der Aufenthalt in den USA die Basis für ein Leben ohne finanzielle Sorgen. In den 1820er oder 1830er Jahren ausgewandert, kam er zwischen 1844 und 1846 zurück. Das Vermögen legte er in Grundbesitz an. Die Wülbernstraße trägt seinen Namen.

Nordsee-Zeitung vom 24. Oktober 2000