






Beseitigte Vergangenheit
Wenzel: Auch andere Gebäude waren zerstört
Bremerhaven. Nicht nur die Grünen zeigten sich in den letzten Tagen
enttäuscht über den von der BIS (Bremerhavener Investitionsförderungs-
gesellschaft) und Stadtrat Holm durchgezogenen Abriss der Benthin-Halle. Auch in
den beiden großen Parteien gab es hinter den Kulissen Diskussionen über das
Vorgehen und den Abriss überhaupt.
Ein Stadtverordneter, der nicht genannt werden wollte: "Auch OB Schulz
musste sich nach seinem Urlaub harte Kritik von seinen Parteigenossen über das
Vorgehen der Bauverwaltung anhören." Grünen-Sprecher Hans-Richard Wenzel:
"Bremerhaven ist nicht 200 Jahre alt. Da ist mit Trümmern der Antike
nicht zu rechnen. Wir müssen uns mit der Architektur auseinander-
setzen, die vorhanden ist.
Das auf Initiative von Baustadtrat Holm veröffentlichte Luftfoto aus dem Jahr
1945, das beweisen sollte, dass die Halle keinen historischen Wert habe, ließ
Wenzel nicht gelten. Der Grüne: "Auf dem gleichen Bild kann man auch von
oben in das Seeamt hineinsehen. Es gibt auch Bilder, die das zerstörte Theater
zeigen, von dem nur die Fassade blieb." Dies alles zu bewahren mache Sinn,
so Wenzel, denn so bewahre man ein Stück Identität dieser Stadt.
Überall auf der Welt werde unter großem finanziellem Aufwand Historisches
erhalten, nur in Bremerhaven nicht, kontert der Grüne weiter. Laut Wenzel mache
gerade die Integration alter Bauten oder Fragmente den Reiz eines Stadtbildes
aus.
Sonntagsjournal vom 06. August 2000