Abrissbirne kreist am Neuen Hafen
Hallen-Abbruch beginnt Montag- Grüne empört

Ab Montag kreist die Abrissbirne am Neuen Hafen- Zwei von drei alten Lagerhallen sollen sofort, eine weitere in Kürze verschwinden- weil sie noch genutzt wird. Die Grünen sind empört über die Eile: Denkmalschutz-
Bemühungen sollen so verhindert werden." Das weist Baustadtrat Volker Holm entschieden zurück.

Vergeblich hatten die Bündnis-Grünen in der jüngsten Stadtverordneten-
versammlung versucht, wenigstens den Abbruch der alten Gepäckhalle zu verhindern, in der einst der Norddeutsche Lloyd die Habseligkeiten der Auswanderer lagerte. Für den Grünen-Stadtverordneten Hans-Richard Wenzel gehört das Gebäude unter Denkmalschutz.
Holm hält dagegen: "Lediglich auf der Westseite zum Hafen hin gibt es noch Fragmente der Originalhalle. Die wollen wir beim Abriss bergen lassen." Insgesamt sei der Gebäudekomplex in den vergangenen Jahrzehnten so oft umgebaut und verändert worden, "da gibt es nichts mehr zu schützen".
                Dass man den Abriss zügig vornehme, habe nichts mit der gerade begonnenen Denkmalschutz- Diskussion zu tun, sagt Holm: "Wir wollen die Schandflecke beseitigen, um dem Sail- Publikum den Harlem-Anblick zu ersparen." Das durch Schmierereien und Verfall gekennzeichnete Äußere der Hallen vermittle den Eindruck von Slums, ergänzt er. Verwunderlich sei, dass sich die Gegner erst gerührt hätten, nachdem der Abriss beschlossene Sache war. Holm: "Über Jahrzehnte hat sich niemand für die Hallen und ihren Zustand interessiert. Sonst wären sie nicht so weit herunter-
gekommen."
Mit einem gestern gestellten Eilantrag bei den Landesdenkmalschützern hofft die Grünen-Fraktion, die Abrissbirnen noch stoppen zu können. Wenzel kritisiert, dass der Baudezernent Eingaben von 75 Gegnern noch nicht einmal beantwortet habe: "Hier sollen vor einer ernsthaften Prüfung Fakten geschaffen werden."
Noch eine Gnadenfrist erhält die mittlere der drei Hallen auf der Ostseite des Neuen Hafens. Dort betreibt Enno Schnieder seinen Sport-Service. "Wir  haben noch keinen Ersatzstandort gefunden", sagt der Unternehmer. Sobald er eine passende Alternative hat, will der letzte Nutzer des Hallenkomplexes ebenfalls den Baggern Platz machen.

Nordsee-Zeitung vom 15. Juli 2000