Rückenwind für Auswanderermuseum
Europäischer Dachverband unterstützt Pläne- Hilfsangebote auch von Ellis Island (USA)

"Wo ist das Museum?" Knut Djupedal war enttäuscht. 1991 gehörte der Chef des Norwegischen Auswanderermuseums zu den Gründungsmitglie-
dern der Association of European Migration Institutions (AEMI). Neun Jahre später ist von dem angekündigten Museum in Bremerhaven immer noch nicht viel zu sehen.

Immerhin:  Der AEMI-Vorsitzende konnte beruhigt werden. Die Pläne für eine "Erlebniswelt Auswanderung" am Alten Hafen sind weit vorangeschritten, 40 Millionen Mark liegen bereit. "Das ist ein weiser Entschluss", lobte Djupedal zum Abschluss der AEMI-Jahrestagung. "Sie werden ihn nicht bereuen."
Die Rechnung des Norwegers ist einfach: 90 Millionen Amerikaner mit deutschen Vorfahren plus 80 Millionen Deutsche- "wenn ich zu meiner Bank gehe und ihr erzähle, dass ich 170 Millionen potentielle Kunden für mein Museum habe, schmeißen die mir das Geld hinterher, ohne dass ich einen Finger dafür krumm machen muss". Das Geld werde "sicherlich nicht in den ersten drei, fünf oder zehn Jahren" in die Kasse zurückfließen, "aber es wird zurückfließen", versicherte Djupedal.

"Forschung nicht vergessen"
Sein AEMI-Vorstandskollege Henning Bender vom Forschungszentrum Bornholm in Dänemark mahnte: "Vergessen Sie bei der Konzeption für das Museum nicht die Forschung. Sie bringt Wissen und Fachkräfte mit akademischer Ausbildung in die Region."
Diane Dayson, Direktorin des US-Einwanderungsmuseums Ellis Island (New York), wiederholte ihr Angebot, mit der geplanten "Erlebniswelt Auswanderung" zusammenzuarbeiten. "Es gibt hier einen solchen Reichtum an Geschichte und Erfahrung- wir wären mehr als bereit, ein Partner zu sein."
Auch die Pläne Hamburgs, in den ehemaligen Auswandererhallen auf der Veddel ein Museum einzurichten, konnte die Vorfreude nicht trüben. "Hamburg profitiert von der Aufmerksamkeit, die andernorts für das Thema
für das Thema Auswanderung geweckt worden ist", räumte der Historiker Dr. Wolfgang Grams ein. "Aber Bremerhaven hat immer noch die Chance, der Brennpunkt aller Aktivitäten zu diesem Thema zu werden."
Derart bestärkt, zog Jürgen Rudloff, Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Auswanderermuseum, ein positives Fazit der dreitägigen AEMI-
Tagung
. "Ich fühle mich außerordentlich ermuntert und bestärkt in dem, was wir seit 15 Jahren verfolgen", sagte er. "Die Stadt sollte jetzt unbedingt den fachlichen Rat annehmen, der hier angeboten worden ist."

28 AEMI-Mitglieder
Die Association of European Migration Institutions ist ein Netzwerk von inzwischen 28 Museen, Archiven, Instituten und Vereinen, die sich mit dem Thema Auswanderung beschäftigen. Der Verband war 1991 in Bremerhaven gegründet worden.

Nordsee-Zeitung vom 9. Oktober 2000