Neuer Publikumsmagnet
"Erlebniswelt Auswanderung": Mischung aus Infos und Unterhaltung


Foto: Peter Müller, 3/2002

Seit Ende 1998 war an dem Konzept des Initiativkreises Erlebniswelt Aus-
wanderung e.V. getüftelt worden. Bremerhaven soll es eine weitere touristische Attraktion von internationaler Bedeutung einbringen, und laut Kultur- und Schuldezernent Prof. Dr. Wolfgang Weiß hat es gute Chancen auf baldige Verwirklichung.

Die Stadt wird das Konzept in den nächsten Wochen prüfen. Weiß nimmt an, "dass demnächst Förderungsanträge gestellt werden können".
Kürzlich war der Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung, ein Zusammenschluss von 19 Bremerhavener Unternehmen mit Verleger Dr. Joachim Ditzen- Blanke an der Spitze, an die Öffentlichkeit getreten. Er plante und entwickelte für rund 400.000 Mark eine besondere Sehenswür-
digkeit. Eine mit modernster Technik unterstützte "Mischung von hochwertiger Information und Unterhaltung" soll als Publikumsmagnet wirken. Vorgesehen sind unter anderem eine Kindererlebniswelt, ein inter-
aktives Zentrum zur Erforschung der eigenen Familiengeschichte und ein Forumtheater. Nach den Überlegungen des Initiativkreises würde die "Erlebniswelt Auswanderung" an die Südseite des Deutschen Schiffahrts-
museums angedockt werden. Einbezogen würde auch die Multimedia-
Ausstellung "Abenteuer Spurensuche" am Alten Hafen.
Der Initiativkreis rechnet mit bis zu 300.000 Besuchern jährlich, die aus Deutschland und Europa kommen. Rund 30.000 Menschen pro Jahr könnten aus anderen Ländern, speziell aus den USA, nach Bremerhaven reisen.
In der Machbarkeitsstudie der Wenzel Consulting AG wird mit einem jährlichen Umsatz von 4,1 Millionen Mark gerechnet. "Die betriebliche Gewinnzone", so die Untersuchung, "wird ab einem jährlichen Besucher-
aufkommen von 249.000 Personen erreicht."
Dass die "Erlebniswelt Auswanderung" eine gute Idee ist, bestätigt auch Professor Dr. Hermann Schäfer in einem Gutachten. Der Direktor des Hauses der Deutschen Geschichte in Bonn findet es sehr überraschend, dass man in Deutschland ein bedeutendes Auswanderermuseum bislang vergeblich sucht. Bremerhaven sei dafür wie geschaffen, diese Marktlücke zu schließen. Denn die Seestadt gilt als der wichtigste Auswandererhafen und als "Tor zur Welt" für schätzungsweise sieben Millionen Menschen in den Jahren 1820 bis 1955. Auch Dr. Dirk Schröder, Expo- Generalbevoll-
mächtigter des Landes Bremen, hält viel von der "Erlebniswelt Auswanderung", die das Zeug zu einem Expo- Projekt hätte. Sie sei unver-
zichtbar, wenn Bremerhaven neue touristische Märkte gewinnen wolle. "In der Auswanderungs-Thematik", meint Schröder, "steckt eine Dynamik, die andere Städte bereits gesehen haben." Unter anderem in Hamburg und Cuxhaven würden bereits verwandte Ansätze verfolgt.
Innerhalb von zwei Jahren könnte die "Erlebniswelt Auswanderung" umgesetzt werden. Rund 65 Millionen Mark würde das kosten, wobei Investitionen in ein Parkdeck (90 Stellplätze) bereits eingerechnet sind. Das Land habe Unterstützung signalisiert, und auch durch ein eingeschränktes Ocean-Park-Engagement seien Gelder übrig, so der Initiativkreis.
Die Summe von 65 Millionen Mark müsste die öffentliche Hand tragen. Um den privatwirtschaftlichen Betrieb der Erlebniswelt würden sich die Hamburger Unternehmensberatung Wenzel Consulting AG und der Kino-
Riese Cinemaxx kümmern. Für die Promotion käme die Wirtschaftsför-
derungsgesellschaft BIS in Frage. Die Stadt müßte sich um Betriebskosten also keine Gedanken machen.

Bremerhavener Kurier vom 9. August 2000