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Seeunfall auf "Auguste Kämpf"
Für die Hochseefischerei war es kennzeichnend, dass ihre Schiffe gezwungen
waren, ihrem Erwerb in unwirtschaftlichen Seegebieten nachzugehen. So waren die
von außen drohenden Gefahren für diese verhältnismäßig kleinen
Schiffe erheblich größer als in der Handelsschiffahrt. Hieraus ergab sich auch
die große Anzahl der schweren und tödlichen Unfälle durch überkommende
Brecher: Die Arbeiten an Deck wurden auch unter Umständen verrichtet, die auf
Frachtschiffen bereits zum Verbot geführt hätten, das Deck zu begehen.
Einer dieser schweren Unfälle ereignete sich im Dezember 1953 auf FD
"Auguste Kämpf" der Bremerhavener Reederei Carl Kämpf.
Am Morgen des 23. Dezember 1953 entschloss sich der Kapitän der "Auguste
Kämpf", die Fangreise im Rosengarten bei Island zu beenden. Er erteilte
dem 2. Steuermann Anweisung, die Besatzung zu wecken, um das Schiff für die
Heimreise seeklar zu machen. Der treibende Dampfer hatte bislang nur wenig
Wasser übergenommen.
Während der 2. Steuermann den Fischraum nacheiste, war die Besatzung mit den
Arbeiten an Deck beschäftigt. Plötzlich fiel eine ungewöhnlich hohe Dwarssee
auf das Schiff und legte es platt auf die Steuerbordseite.
Eine zweite See folgte und die Wassermassen drangen in Logis, Brücke und
Maschine. Dem auf der Brücke befindlichen Kapitän gelang es, den
Maschinentelegraphen auf Vorausfahrt zu legen und langsam richtete sich die
"Auguste Kämpf", die als ausgezeichnetes Seeschiff galt, wieder etwas
auf. Nachdem sich die Brecher wieder verlaufen hatten, wurden zunächst die
Matrosen Fritz Apholz aus Lehe und Willi Sagert aus Cuxhaven vermisst. Bis 10.30
Uhr suchte man vergeblich nach ihnen. Über den in der Nähe anwesenden Kieler
Fischdampfer "Franz Holm" wurden die auf dem Fangplatz befindlichen
Schiffe benachrichtigt, die sich ebenfalls an der Suche beteiligten. Nach
Beendigung der Suche stellte sich heraus, dass der fünfzehnjährige Kochsjunge
Krömer aus Bexhövede ebenfalls über Bord gerissen worden sein musste. In der
fraglichen Zeit hatte er Brot von vorne holen sollen.
Nach der Heimkehr der "Auguste Kämpf" fand in der Kapelle des
Seemannsheims im Fischereihafen eine Andacht für die Vermissten statt. Die
Ansprache hielt Seemannspastor Gensch.
Quelle: Dieter Kokot, Seeunfall auf "Auguste Kämpf", in:
Niederdeutsches Heimatblatt Dezember 1999