Ausstellung soll bleiben
Förderkreis des Historischen Museum sucht nach Lösung für "Aufbruch in die Fremde"

Bremerhaven. Die Auswandererausstellung "Aufbruch in die Fremde" soll erhalten bleiben, zumindest bis zur Eröffnung der nagelneuen und sehr viel größeren "Neuen Welt" am Neuen Hafen. Verärgerung gibt es allerdings im Magistrat über den zuständigen Kulturstadtrat Wolfgang Weiß, weil er sich nicht rechtzeitig um eine Regelung gekümmert habe.

Die politische Einigkeit zum Erhalt der "Aufbruch"-Ausstellung erwies sich in den vergangenen Tagen als erstaunlich groß. Immerhin kommen jährlich bis zu 10 000 Besucher in die maroden Hallen hinter dem Weserdeich, und ein weiteres  Verdienst dieses Bremerhavener Aktivpostens ist unübersehbar- die nachhaltige Weckung des Interesses am Thema Auswanderung.
Zwar geriet der "Aufbruch in die Fremde" während der Diskussionen über die etwa 20 Millionen Euro teure "Erlebniswelt Auswanderung" ins Abseits, zumal sie über mehrere Jahre wegen knapper Mittel nur mit Mühe gepflegt werden konnte und eigentlich nicht als Dauerausstellung konzipiert wurde. Gleichwohl faszinierte die kleine Ausstellung mit den einfallsreich gemachten Stationen zur Auswanderung immer wieder Besucher.
Als problematisch erwies sich die Konstruktion, den Förderkreis des Historischen Museums zwar mit der Betreuung der Ausstellung zu beauftragen, ihm aber nicht dauerhaft Geld dafür zu sichern. Beobachter führen dies auch auf die widersprüchliche Position des Magistrats und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS zurück, denn beide betrachten die kleine "Aufbruch"-
Ausstellung als Angelegenheit der Kultur, während die große "Neue Welt" mit Mitteln der Wirtschaftsförderung finanziert wird.

Gültiger Vertrag
Wegen dieser Unklarheiten wollte der Vorstand des Förderkreises des Historischen  Museums den Beginn der normalen Winterpause am 31. Oktober mit der Kündigung des Vertrages verbinden. Diese Haltung wurde nun allerdings auf Grund des überraschend großen Zuspruchs revidiert, denn schließlich kann sich der Verein auf einen gültigen Vertrag mit der Stadt Bremerhaven berufen,  in dem eine jährliche Zahlung von etwa 25 000 Euro festgelegt ist.
                Zwar ist offiziell noch nichts über die Art der Lösung zu erfahren, da sich Kulturstadtrat Wolfgang Weiß noch bis Mitte kommender Woche auf einer Reise im Ausland befindet. Aber hinter den Kulissen ist zu hören, dass an einer Weiterführung der kleinen Auswanderer- Ausstellung kein Weg vorbei geht. Dr. Anja Benscheidt vom Historischen Museum ist froh über diese Aussichten: "Man sollte das Thema Auswanderung mit Hilfe dieser Ausstellung in Bremerhaven so lange hoch halten, bis die neue Erlebniswelt eröffnet wird."

Quelle: Sonntagsjournal vom 03.11.2002