Ungewisse Zukunft für Ausstellung
Finanzielle Probleme bedrohen "Aufbruch in die Fremde"

Eine unscheinbare Werkhalle am Deich beherbergt seit Mai 1994 eine spannende Ausstellung zum Thema Auswanderung: "Aufbruch in die Fremde". Morgen beginnt die Winterpause. Ob sie wie gewohnt im Mai endet und die Ausstellung wieder geöffnet wird, ist äußerst ungewiss: Das Geld fehlt.

Seit die Stadt die Ausstellung in der Nähe des Deutschen Schiffahrtsmuseums 1997 von einem privaten Betreiber übernommen hat, besteht ein Vertrag mit dem Förderkreis des Morgenstern-
Museums. "Wir betreiben die Ausstellung im Auftrag der Stadt", sagt Dr. Anja Benscheidt, Direktorin des Museums. So stellt das Museum das Kassen- und Aufsichtspersonal. Ob es sich das jedoch angesichts immer geringerer Zuschüsse noch leisten kann, fragt sich der Förderkreis. Sein Vorstand wird heute über diese Frage entscheiden- die Direktorin geht von einem negativen Ergebnis aus.
Die Stadt gab bisher 25 000 Euro im Jahr für die Unterhaltungskosten für "Aufbruch in die Fremde". Das will oder kann sie nun nicht mehr. Im Kulturausschuss wurde daher vorgeschlagen, an die Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS heranzutreten. Diese machte zunächst 5000 Euro für Werbung im Jahr 2003 locker.

"Kein Vertrag mit der BIS"
Doch zu weiteren Zahlungen konnten sich die Wirtschaftförderer noch nicht durchringen. "Wir sind nicht Ersatzleute", sagt BIS-Geschäftsführer Jürgen Adelmann. Und er weist nachdrücklich darauf hin, dass kein Vertrag zwischen dem Morgenstern-Museum und der BIS besteht. Die BIS habe geprüft, ob Mittel aus dem Topf für die Auswandererausstellung "Neue Welt" bereit gestellt werden könnten. Diese erste Prüfung sei jedoch negativ verlaufen.
Adelmann und Benscheidt halten es für wünschenswert, die Ausstellung "Aufbruch in die Fremde", die im Jahr 10 000 Besucher anzieht, so lange weiterlaufen zu lassen, bis die große Auswandererschau "Neue Welt" im Gebiet Alter/Neuer Hafen als Attraktion fertig gestellt ist. "Das Thema muss in der Stadt bleiben", betont Museumsdirektorin.
Adelmann ist bereit, an einer Lösung mitzuarbeiten. "Ein paar Monate sind es ja noch bis zum Mai." Doch eigentlich, so der BIS-Geschäftsführer, müsste eine Idee vom zuständigen Kulturstadtrat Prof. Dr. Wolfgang Weiß (SPD) kommen. "Er muss ein klares Wort sprechen, wie es weitergehen soll." Gestern war der Stadtrat nicht zu erreichen. Er befindet sich im Urlaub in Übersee. Ein leicht verärgert wirkender Oberbürgermeister Jörg Schulz (SPD) sagte: "Ich äußere mich zu dem Thema vorerst nicht."
Von 10 bis 18 Uhr können sich heute Besucher mit dem hessischen Bauern Johann und der jungen Polin Jadwiga als Hauptpersonen der Multimedia-Schau auf den Weg nach Amerika machen- vielleicht zum letzten Mal.

Nordsee-Zeitung vom 31.10.2002