![]()
![]()
![]()
Ein schwimmendes Kulturdenkmal
Die "Astarte" hat einen neuen Mast-
Aufwendige Arbeiten
"Astarte", Foto Peter Müller 6/02
Bremerhaven. Auf Hochtouren laufen zur Zeit die Erneuerungsarbeiten am letzten
original erhaltenen Finkenwerder Kutter HF 244 "Astarte". Das
Traditionsschiff aus dem Jahre 1903 bekam ein vollständig neues Deck und wird
nun auch im Inneren neu eingerichtet. "Wir mussten jetzt zu einem großen
Schlag ausholen", sagt Henning Goes von der Schiffergilde.
"Der Zustand der Hölzer war dramatisch.
Insgesamt werden laut Goes für die bisher größte Erneuerungsaktion des
Gaffelseglers rund 270 000 Mark investiert. Der Vorsitzende der Schiffergilde
ist stolz darauf, dass der 1978 vom Verein erworbene Kutter schrittweise immer
weiter in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird. "Die `Astarte`
ist
ein schwimmendes Kulturdenkmal", betont Goes. Sie gehört zu den insgesamt
38 Schiffergilde-Oldtimern aus der küstennahen Arbeitsschifffahrt Nordeuropas.
Seit Januar dieses Jahres hat eine Gruppe Langzeitarbeitsloser das gesamte
Innere des Schiffs entkernt. "Zu unserem Team gehören verschiedene
Berufsgruppen vom Gastwirt über den Bäcker bis zum Tischler", sagt
Schiffergilden- Mitglied, Willi Hitz, der den Innenbau leitet. Die Gruppe ist im
Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme beim Förderwerk/Evangelisches
Sozialzentrum gebildet worden.
Vor Weihnachten des vergangenen Jahres wurde die "Astarte" rund
zehn Wochen lang auf der Bültjer-Werft in Ditzum an der Ems von außen her fit
gemacht. "Nachdem zuvor manches nur noch durch Farbe und Zuversicht
zusammengehalten wurde, können wir jetzt wieder beruhigt auf See gehen",
sagt Goes. Inzwischen haben die Mitarbeiter auch im Inneren neue Planken
verlegt und bringen den Innenausbau voran. "Früher waren manche der
insgesamt 14 Kojen an Bord nur für sehr kleine Leute geeignet", erläutert
Willi Hitz. "Jetzt machen wir alles ein bisschen kommodiger." So
werden nicht nur die in die Schrägen des Schiffsrumpfs geschmiegten Kojen neu
konstruiert, sondern ebenfalls neue Sanitäranlagen einschließlich der
notwendigen Tanks sowie eine Kombüse im Vorschiff. Rund um den Mast entsteht
wieder der auf solchen Schiffen übliche große Tisch. Sehnlichst erwartet wurde
von der Besatzung der "Astarte" auch das Stellen des Mastes und das
Anbringen der Takelage. "Man mochte gar nicht mehr hingucken, weil
das schöne Schiff nur noch wie irgendein plattes Boot aussah", erinnert
sich Schiffergilden-Vorstandsmitglied Dieter Bankert mit Grausen. Was die
Schiffergilde Bremerhaven als Träger der "Astarte" dringend braucht,
ist Nachwuchs für die ehrenamtliche Stammbesatzung, betont Goes.
Gesucht werden Männer und Frauen aller Altersgruppen. Jeden Mittwoch ab 16.30
Uhr treffen sich die Aktiven an Bord der "Astarte", um Schiff und
Maschine zu pflegen. Wer einmal schnuppern möchte, wie es da zugeht, ist zu
einem Besuch eingeladen. Zur Zeit liegt die "Astarte" im Neuen Hafen
in der Nähe der Strandhalle. Ab Ostern nimmt sie wieder ihren Platz im
Fischereihafen an der früheren Kohlenpier
beim Schaufenster Fischereihafen ein. Weitere Informationen unter der
Telefonnummer 0471-9464648.
Quelle: Sonntagsjournal vom 2. April 2000